Basel

Im Badischen Bahnhof gibt es bald keinen Zeitungskiosk mehr

Savera Kang

Von Savera Kang

Fr, 21. Juni 2019 um 22:56 Uhr

Basel

Der Sonntag Die Buchhandlung im Badischen Bahnhof in Basel wurde im Jahr 1897 eröffnet. Diese Woche schließt sie nun. Ein anderes Geschäft, das Zeitschriften und Zeitungen sowie Bücher verkauft, gibt es nicht.

Am Badischen Bahnhof in Basel leert sich derzeit das Geschäft "Presse & Buch". Einige Zeitschriftenständer sind bloß noch zur Hälfte gefüllt, Souvenir-Magnete werden zu ermäßigten Preisen angeboten, darauf weisen neonfarbene Rabattaufkleber hin. Der Grund wird auf Plakaten im nunmehr undekorierten Schaufenster genannt: "Wir schließen zum 24.06.2019. Vielen Dank für Ihr Vertrauen." Unterschrieben sind sie mit dem Logo von "Schmitt & Hahn", einem der führenden Bahnhofsbuchhändler in Deutschland.

Aus der Firmenzentrale in Heidelberg ist zu erfahren, dass das Geschäft am Montag, den 24. Juni, voraussichtlich bereits geschlossen ist, somit wäre der Laden zum letzten Mal am kommenden Sonntag geöffnet.

Seit 1862 fungiert der Badische Bahnhof offiziell als solcher, die Baugeschichte reicht bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts. Schon früh wurden dort Zeitungen verkauft, 1897 eröffnete "Presse & Buch".

Nach 122 Jahren zieht sich Schmitt & Hahn nun aus dem Bahnhof zurück, ein anderes Geschäft, das hier Zeitschriften und Zeitungen sowie Bücher verkauft, gibt es nicht. Dabei ist der Badische Bahnhof ein Knotenpunkt, ihn "nutzen täglich rund 23 500 Reisende im Fern- und Nahverkehr", wie ein Sprecher der Bahn auf Nachfrage mitteilte.

Doch es habe sich nicht mehr rentiert, ist aus der Heidelberger Zentrale des Familienunternehmens zu erfahren – Reisende haben ihren Bedarf zunehmend auf deutscher Seite gedeckt. Verständlich, zumal nach dem "Frankenschock" im Januar 2015: Seitdem ist der Kurs des Frankens nicht mehr an den des Euro gekoppelt, der Franken gewann an Stärke – und wurde zu stark, wie der Einzelhandel in der schweizerischen Grenzregion immer wieder beklagt.

Ohnehin waren Zeitschriften in der Schweiz schon teurer als im Nachbarland Deutschland. Viele Verlage blieben nach der Frankenaufwertung jedoch bei den alten Einkaufspreisen, was ihnen einen zusätzlichen Gewinn einbrachte und die Druckerzeugnisse für deutsche Verhältnisse noch teurer werden ließ. Gegen diese "Wechselkursprofiteure" und die für Kunden in der Schweiz deutlich höheren Preise richtet sich die "Fair-Preis-Initiative", die per Volksabstimmung erreichen möchte, dass kein Zwischenhändler seine (quasi) Monopolstellung ausnutzen kann. Bis über sie jedoch abgestimmt wird, ist die Bahnhofsbuchhandlung schon Geschichte. An eine Rückkehr denke man derzeit nicht, heißt es aus Heidelberg. Allen Mitarbeiterinnen seien Stellen in anderen Filialen angeboten worden – über die Anzahl der Beschäftigten waren keine Angaben erhältlich.

Im Kiosk von "Les Garecons", der ebenfalls im Badischen Bahnhof liegt, plane man kein Angebot an Zeitungen, lässt einer der Unternehmensgründer, Jan Rötzel, ausrichten. Auch im Lebensmittelgeschäft Coop, direkter Nachbar von "Presse & Buch", ist eine Aufnahme ins Sortiment unwahrscheinlich, konkrete Angaben sind jedoch nicht zu bekommen. Wer die freiwerdende Fläche mietet, wollte die Vermieterin, die Deutsche Bahn, noch nicht kommunizieren. Vorerst bleibt der Badische Bahnhof also zeitungslos. kng