Bilanz

Das Basler Unispital sieht sich auf Kurs

Michael Baas

Von Michael Baas

Do, 23. Mai 2019 um 10:47 Uhr

Basel

Das Basler Universitätsklinikum behandelte 2018 mehr als 37 000 Patienten stationär und erzielte einen Umsatz von 1,2 Milliarden Franken.

Das Universitätsspital Basel (USB) sieht sich auf Kurs. Das Aus für die Fusion mit dem Kantonsspital Baselland und eine weitere Absage aus dem Aargau erforderten strategisch zwar gewisse Anpassungen, betonte die Klinikleitung am Mittwoch vor Medien in Basel. Im Kern aber habe das Haus die Position als regionales Zentrum der Spitzenmedizin 2018 gefestigt. Auch die Strahlentherapie in Lörrach entwickele sich gut, sagte Klinikdirektor Werner Kübler auf Nachfrage. Daher tendiere das USB dazu, die Einheit an das geplante Zentralklinikum zu verlegen.

Die Zahlen

Unter dem Strich behandelte das USB vergangenes Jahr 37 722 Patienten stationär (2017: 37 891). Rund zehn Prozent davon stammen laut Finanzchef Martin Gerber aus dem Ausland; davon kamen genau 1502 (2017: 1429) aus Deutschland, der Großteil aus Südbaden. In Basel lebende Ausländer werden in der Statistik nach dem Wohnortprinzip dagegen als Einheimische geführt. Neben den stationären Fällen verzeichnete das USB rund 52 000 Patienten in der Notaufnahme sowie über eine Million ambulanter Kontakte. Den Umsatz beziffert das Haus auf 1,12 Milliarden Franken (2017: 1,08 Milliarden) oder umgerechnet etwa eine Milliarde Euro. Die Kreiskliniken behandelten 2018 an ihren vier Standorten 36 227 stationäre Fälle und erreichten einen Umsatz von rund 146 Millionen Euro.

Nach Steuern und Abschreibungen blieb dem USB ein Gewinn von 6,7 Millionen Franken (2017: vier Millionen). Gut 64 Prozent des Budgets entfallen auf die Personalkosten, weitere 20 Prozent auf den medizinischen Bedarf. Die Belegschaft addierte sich inklusive des Fonds auf 7227 Mitarbeitende (2017: 7217); davon entfallen 6533 (2017: 6551) oder 5097 Vollzeitstellen auf den Klinikbetrieb. Darunter sind 1870 Mitarbeitende mit deutschem Pass, von den rund 1000 über die Grenze pendeln. Die nach einem jahrelangen Arbeitsplatzaufbau im Vergleich zu 2017 stabile Beschäftigtenzahl erklärte Klinikdirektor Kübler mit der Ausgabendisziplin und dem Bemühen, Effizienzreserven zu heben.

Die Strategie

Das Nein der Basler Wähler zur Fusion mit dem Kantonsspital Baselland erfordere strategisch mittelfristig zwar Nachjustierungen, erläuterte der Vorsitzende des Aufsichtsgremiums Robert-Jan Bumbacher. Das Gleiche gelte für das Aus einer Kooperation mit dem Kantonsspital Aarau in der Kardiologie. Einen grundlegenden Kurswechsel hält er aber nicht für nötig. Vielmehr unterstreiche die Entwicklung im stationären Bereich und die steigende Zahl schwerer Fälle, dass das USB die Position als regionales Zentrum der Spitzenmedizin ausbauen konnte. Statt des großen Wurfes stünden künftig daher weitere Kooperationen und ein Mix kleinerer Mosaiksteine im Fokus. "Das Muster" (Werner Kübler) dafür ist die mit dem Claraspital zum Jahresbeginn gestartete Kooperation in der hochspezialisierten Bauchmedizin. Diese funktioniere gut, habe "Signalwirkung" auch über die Grenze und schlage sich bereits in steigenden Fallzahlen nieder, wusste Kübler.

Angesichts der Hürden, das Schweizer Einzugsgebiet nachhaltig zu erweitern, rücke auch der 360-Grad-Blick um Basel, also Südbaden und das Elsass, wieder in den Blick, erläuterte Bumbacher. Das sei wegen unterschiedlicher Sozial- und Gesundheitssysteme zwar anspruchsvoll. Aus Sicht des USB sei eine Wiederbelebung der einst zwischen den Basler Kantonen und dem Kreis Lörrach gestarteten Initiative aber eine Option – das aber nur für Spitzenmedizin und bliebe angesichts des Basisfallwertes, der in der Schweiz mit umgerechnet 9500 Euro fast drei Mal so hoch ist wie die rund 3450 Euro hierzulande, wohl auch ein schwieriges Feld.

Die Lörracher Tochter

Die seit 2014 im Ambulo in der Lörracher Röntgenstraße beim Kreisklinikum angesiedelte Radioonkologie (Strahlentherapie) entwickele sich gut. Die Einrichtung arbeite inzwischen an der Kapazitätsgrenze, erklärte Werner Kübler auf Nachfrage. Zwar lägen dem Haus hinsichtlich des Zentralklinikums nach wie vor keine konkreten Pläne vor. Das USB tendiere aber dazu, an den neuen Standort im Lörracher Osten mitzuziehen – zumal der Linearbeschleuniger für die Strahlentherapie dann, wenn der Umzug anstünde, abgeschrieben sei und das insofern passe.

Neubau und Campus-Projekt

Die Weiterentwicklung der Infrastruktur ist ein weiterer Schwerpunkt. Die Planung des Klinikums II soll so forciert werden, dass am Jahresende eine Entscheidung getroffen werden könne, kündigte Bumbacher an. Auch die Campus-Entwicklung werde vorangetrieben. Finanztechnisch sei das Haus für diese Vorhaben gerüstet. "Wir sind kapitalmarktfähig", betonte Martin Gerber. Indes müssten Gewinne noch verbessert werden, um die Projekte zu stemmen. Bleibt die Frage, wie im Klinikbetrieb Gewinne zu steigern sind, ohne dass die Qualität leidet.