Forschung

Drei Beispiele für EU-Förderung an Hochschulen am Oberrhein

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Mi, 28. Juli 2021 um 15:42 Uhr

Schweiz

87 Milliarden Euro standen im Forschungsprogramm Horizon 2020 zur Verfügung. Woran am Oberrhein mit dem Geld gearbeitet wurde, zeigen drei Beispiele.

Nextstrain
2015 startete das Biozentrum der Universität Basel ein Projekt, um durch die genetische Sequenzierung von Krankheitserregern deren Verbreitung in Echtzeit zu verfolgen. Im Idealfall lässt sich die weitere Verbreitung vorhersagen und dadurch unterbinden. Federführend ist der Biophysiker Richard Neher, das Projekt wird unter anderem von der deutschen Max-Planck-Gesellschaft und vom Europäischen Forschungsrat (ERC) getragen. Aus der Analyse der Mutationen bei Viren lässt sich zum Beispiel eine Art Stammbaum des Virus erstellen, daraus wiederum können die Ausbreitungswege nachvollzogen werden. Nextstrain kam bereits beim Kampf gegen das Zika- und das Ebolavirus sowie gegen die Ausbreitung der Tuberkulose zum Einsatz, einer bakteriellen Infektion. Im Fall des Coronavirus konnte Neher für Italien früh zwei Infektionswege nachzeichnen, über die das Virus in das Land gekommen sei. Kenne man die Infektionswege, lasse sich die Ausbreitung gezielter bekämpfen.

Qustec
Qustec steht für "Quantum Science and Technologies at the European Campus". Es handelt sich um ein gemeinsames Projekt der Universitäten Freiburg, Basel, Straßburg und Karlsruhe (KIT), die auch den Verbund "Eucor the european campus" bilden. Qustec finanziert derzeit 37 Doktorandenstellen an den beteiligten Hochschulen, dafür stehen 9,1 Millionen Euro bereit, 4,2 Millionen kommen von der EU. Zugleich sollen die Nachwuchswissenschaftler den gesamten Forschungsraum am Oberrhein mit seinen Schwerpunkten kennenlernen. Die Quantenmechanik gilt als eine Schlüsseltechnologie der Zukunft, die Grundlagenforschung dazu erfolgt an den Hochschulen. Diese wird zum Teil über das zweite Standbein des Horizont-Europa-Programms gefördert, sogenannte "ERC-Grants". Eine solche Förderung gilt stets als Ausweis für die Qualität der Forschung. In Freiburg etwa wird untersucht, wie sich Atome in ultrakaltem Zustand verhalten, in dem ihr Wellencharakter stärker zum Tragen kommt. Auch in Basel laufen verschiedene Projekte.

Poshbee
Die Freiburger Professorin Alexandra-Maria Klein untersucht in dem Verbundprojekt Poshbee zusammen mit 42 Partnern die Situation der Bienen in Europa. Solchen Verbundprojekte sind das dritte Standbein des Horizon-Programms. In dem Projekt Poshbee geht es darum, mehr zu erfahren über die Gesundheit der Bienen, die als Bestäuber unverzichtbar sind für Menschen und deren Wohlbefinden. Weltweit sind Bienen zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt. Welche das genau sind und welche Faktoren neben zum Beispiel dem Einsatz von Chemikalien in der Landwirtschaft eine Rolle spielen, ist ein Schwerpunkt der Forschung. Ziel ist es, Wege zu finden, um die Gesundheit von Bienen nachhaltig zu sichern.