Beethoven erschallt aus dem Horn

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mi, 22. Januar 2020

Wehr

Münchner Horntrio überzeugt mit Klavierpartner Julian Riem / 160 Zuhörer lauschen Konzert in der Wehrer Stadthalle.

WEHR. Landauf, landab wird in diesem Jahr der 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven gefeiert. Auch die Musiker vom Münchner Horntrio widmeten dem großen Jubilar dieses Jahres den ersten Programmblock ihres Konzerts in der Wehrer Stadthalle. Die 160 Zuhörer waren beeindruckt von der Spielkultur der Echo Klassik-Preisträger.

Kammermusik mit Horn ist ein seltenes und ganz besonderes Hörerlebnis. Da war es ein Glücksfall für das Publikum, in Johannes Dengler (Naturhorn und Ventilhorn), dem Solohornisten des renommierten Bayerischen Staatsorchesters, einen Ausnahmekünstler an diesem Instrument auf der Bühne zu erleben.

Musikalische Präzision
In der Sonate für Horn und Klavier F-Dur op. 17 von Beethoven nahm der Hornist mit warmem, einnehmend schönem, kultiviertem Klang und makelloser Tongebung für sich ein. Wunderbar weich, fein nuanciert in den Klangfarben, dabei stets gestochen scharf in der spieltechnischen Präzision, blies er die Ecksätze und verlieh dem Mittelsatz ruhige Ausdruckswärme. Ausgewogen war das Zusammenspiel mit dem Pianisten Julian Riem, bei dem der virtuose Klavierpart und der kraftvolle Gestus dieser Sonate in besten Händen war.

Zusammenspiel mit Klavier

Als Nächstes folgte Beethovens Sonate G-Dur op. 96 für Violine und Klavier. Der Geiger Markus Wolf, Konzertmeister beim Bayerischen Staatsorchester, ging diese poesievolle und feinsinnige Sonate mit schlankem Ton und vorzüglicher Bogenführung an. Sein Spiel hatte kantable Wärme im introvertierten Adagio espressivo, springlebendige Wendigkeit im Bogenstrich im Scherzo, sangliche Qualität in den weit gespannten Melodien und tänzerischen Elan im Schlusssatz. Klar ausgehorcht im Klang und bestens aufeinander abgestimmt war das Miteinander mit dem glänzend agierenden Klavierpartner Julian Riem. Das war ein ausgewogenes Beethoven-Spiel vom Feinsten.

Hauptwerk des Abends nach der Pause war das Trio für Horn, Violine und Klavier Es-Dur op. 40 von Brahms. In diesem bewegenden Werk in ungewöhnlicher Besetzung und reizvoller Klangkombination konnte das Münchner Horntrio seine erlesene Klangkultur und einfühlsame Gestaltung aufs Schönste vorführen. Der warme, runde, durch und durch romantische Klang des Horns, dem Johannes Dengler eine unvergleichliche Kantabilität entlockt, verlieh dem Werk einen lyrischen und melancholischen Charakter. Zusammen mit dem noblen, feinfühligen Geigenstil von Markus Wolf und dem sensiblen Klavierspiel von Julian Riem entstand ein überaus homogener Trioklang voller Poesie, romantischer Empfindsamkeit und Melancholie. Besonders im schwermütigen, tiefgründigen Adagio konnte sich das auf Sanglichkeit ausgerichtete Spiel des Trios voll entfalten. Ein inniger Gesang der drei Instrumente war in diesem Satz, in dem schmerzliche Schwermut, Trauer und Klage anklingt, zu hören. Mit drängender Kraft, Leidenschaft, zügigen Tempi und aller Brillanz legten sich die Musiker, allen voran der Hornist, in die rhythmisch prägnanten Jagdmotive im letzten Satz.

Für den großen Beifall bedankte sich das Münchner Horntrio mit einem träumerisch-entrückten, zarten Stück von Charles Koechlin als Zugabe.