Verbesserungsgier

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 05. Januar 2020

SC Freiburg

Der Sonntag Bei den Fußballerinnen des SC Freiburg läuft es diese Saison noch nicht rund.

Die Fußballerinnen des SC Freiburg haben eine durchwachsene Hinrunde hinter sich. Im neuen Jahr wollen sie angreifen.

Birgit Bauer ist jetzt auch noch Botschafterin. "Ich mache das gerne", sagt die 55-Jährige. Wobei ihr der neue Job leicht fallen dürfte. Die Abteilungsleiterin des SC Freiburg ist Stress und Druck gewohnt. Seit nunmehr mehr als zwei Jahrzehnten leitet sie die Geschicke der Bundesliga-Fußballerinnen des Sportclub – erst seit drei Jahren im Hauptamt.

Zuvor hatte die ehemalige Mittelfeldspielerin die Entwicklung ihrer Frauen hobbymäßig vorangetrieben. Mit großem Erfolg. Unter ihrer Ägide ist die Frauenabteilung zu einer der Topadressen des deutschen Frauenfußballs aufgestiegen. Aufgrund dieser Verdienste hat sie die Stadt Freiburg zum Jubiläumsjahr zur Botschafterin des Sports ernannt – gemeinsam mit Sandra Starke, die im Team von Bauer zur Nationalspielerin gereift ist.

Wie so viele vor ihr. Zur Weltmeisterschaft 2019 berief Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg gleich neun Fußballerinnen, die am Schwarzwaldrand das Kicken lernten oder hier ihre Karrieren auffrischten. Aktuell stellen die Breisgauer gleich 15 Jugend-Nationalspielerinnen.

Eines dieser Talente ist die 19-jährige Klara Bühl. Wobei die Münstertälerin nicht irgendein Talent ist. Die Hochveranlagte gilt als Deutschlands Hoffnungsträgerin für die nächsten Jahre. In zehn A-Länderspielen hat sie bereits sieben Tore markiert. In den bisherigen 13 Bundesligapartien hat sie ebenso oft getroffen. Und sie ist vielseitig. Beim Britzinger Silvesterlauf rannte sie kürzlich auch mit.

Reflektiert Bühl aber die aktuelle Spielzeit ihres Teams, überwiegt die Enttäuschung: "Natürlich verlief die Hinrunde nicht so, wie wir uns es als Team vorgestellt haben." In der Tat hatten sich die Freiburgerinnen nach ihrem überraschenden Einzug ins DFB-Pokal-Finale (0:1 gegen Wolfsburg) vergangenen Mai eine bessere Runde erhofft.

Nach mehr als der Hälfte der Saison stehen die Sportclub-Frauen auf dem achten Rang. Und damit gerade einmal zwei Plätze von einem Abstiegsplatz entfernt. Allerdings trennen Freiburg und den MSV Duisburg gleich acht Punkte. Der Befund ist daher ein ernüchternder: Die Bundesliga-Fußballerinnen stecken im Niemandsland der Tabelle fest. Abteilungsleiterin Bauer findet das nicht weiter tragisch: "Wir hatten viel Pech und dazu hat uns das Spielglück gefehlt."

Der bislang letzte Sieg ist sechs Spiele her

Seit vergangenem Sommer trainiert Fußball-Lehrer Daniel Kraus das talentierte Team. Seinen Start bei seinem neuen Verein hätte er sich durchaus besser erhofft. "Wir sind immer noch nicht so richtig in der Spur. Es bleibt ein Auf und Ab." Der bislang letzte Sieg seines Teams ist sechs Spiele her.

Das größte Manko aktuell ist die Defensive. 34 Tore haben sie heuer gefangen. Nur Tabellenschlusslicht USV Jena hat mehr Gegentreffer. "Da müssen wir kompakter werden", gesteht der 35-Jährige, der zuvor die SGS Essen zu einem etablierten Bundesligisten entwickelt hatte.

Personell nachjustieren möchten sie trotzdem nicht bei den SC-Frauen. Kraus: "Wir wollen auch nicht in blinden Aktionismus verfallen." Eine Änderung im Kader gibt es trotzdem: Die Japanerin Hikaru Naomoto hat den SC verlassen. Vor den Olympischen Spielen im eigenen Land will die 25-jährige Mittelfeldspielerin unbedingt die nötige Spielpraxis sammeln. "Da wollten wir nicht im Wege stehen", sagt Kraus, der von seinem Team fordert: "Wir wollen unsere Unzufriedenheit in positive Energie umsetzen."

Womit er seiner Chefin aus dem Herzen spricht. "Wir wollen den Rest der Saison so erfolgreich wie möglich gestalten. Ich bin positiv gestimmt", sagt Bauer. Talent Klara Bühl hofft: "Die Vorbereitung soll uns dabei helfen, zusammenzufinden, um in der Rückrunde attraktiven und leidenschaftlichen Fußball zu spielen." Von Montag an trainieren sie wieder.

"Die Pause hat uns gut getan", sagt Kraus, der sein Team viel gegen männliche U-17-Nachwuchsteams spielen lassen will, um die Defensive seiner Frauen zu stärken. Gelingt das, könnten die Ballkünstlerinnen in der Rückrunde eine wundersame Aufholgeschichte im Gesamtklassement starten. Das wären auch für ihre neue Botschafterin gute Aussichten.