Eschholzpark

Beim Agrikulturfestival ging's am Wochenende um umwelt- und sozialverträgliche Nahrungsmittelherstellung

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

Mo, 22. Juli 2019

Freiburg

Essen für Mensch und Umwelt: Am Wochenende verwandelte das Agrikulturfestival den Eschholzpark in ein Laboratorium für neue Wege, Nahrungsmittel zu produzieren und zu verteilen.

Bei 40 Vorträgen und 10 Workshops wurde über nachhaltige und regionale Ernährung diskutiert, zahlreiche Initiativen stellten sich vor und gaben Anregungen, wie jeder seinen alltäglichen Konsum sozial- und umweltverträglich gestalten kann – vom Frühstück bis zum Mitternachts-Snack.

Für den Frühstückskaffee wird man bei der Organisation Teikei-Coffee fündig. Dort finanzieren jeweils etwa 400 Mitglieder einen Kaffeebauern in Mexiko für ein Jahr. Die Ernte wird per Segelschiff nach Deutschland gebracht und hier unter den Mitgliedern aufgeteilt. Das soll den Bauern Planungssicherheit geben und genügend Geld, um vom Kaffeeanbau leben zu können.

Nebenan mixt Christian Mielert bei der Gartencoop mit einem muskelbetriebenen Mixer grüne Smoothies. Der Mixer, der auf einem halben Fahrrad angebracht ist, ist eher eine Spielerei. Der Gartencoop geht es um das nachhaltig erzeugte Obst und Gemüse, das er zerschreddert. Der Verein betreibt einen Bauernhof und beschäftigt einige Gärtner. Die rund 260 Mitglieder finanzieren den Betrieb, helfen dort auch immer wieder mit und teilen sich die Ernte. Solidarische Landwirtschaft heißt das. Risiko und Ertrag werden auf den Schultern von allen verteilt. Wer sein Frühstück lieber klassisch will, bekommt Brot vom "Backhaus der Vielfalt" und Honig von der Bienencoop. Im Backhaus finanzieren die Mitglieder einen Bäcker, die Bienencoop betreibt Bienenstöcke an vier Standorten in Freiburg.

Etwas deftiger geht es bei "Schlachtung mit Achtung" zu. Thomas Mayer hat eine mobile Schlachteinheit entwickelt, die den Tieren den Stress bei der Schlachtung ersparen soll. Wenn der Schlachthof zu den Tieren kommt, entfallen qualvolle Transporte, die Kühe werden in ihrer gewohnten Umgebung geschlachtet – ohne Angst und ohne Stress für sie und die restliche Herde. Nachdem der Prototyp zugelassen wurde, soll nun der Verkauf verbessert und das System verbreitet werden.

Das Agrikulturfestival ist eine recht offene, unideologische Veranstaltung. Neben einem Stand, der vegane Ernährung propagiert, schwimmt ein Karpfen in einem Wasserbottich, ein anderer liegt schon gebraten auf dem Teller. "Wir sind sehr landwirtschaftlich geprägt", sagt Maike Aselmeier, die zum Team der Organisatoren gehört: "Und da ist Fleisch nunmal sehr wichtig." Zwar werde das Thema Fleischkonsum schon diskutiert, aber "es sind gute Diskussionen", so Aselmeier. Auch andere heikle Themen haben die Veranstalter nicht gescheut. Bei aller Konzentration auf regionale Produzenten, "achten wir schon darauf, dass niemand braunes Saatgut mitbringt", wie Aselmeier es ausdrückt. "Die Frage ist: Wie weit kann man regional sein, und wann wird das ausgrenzend?" Ein Vortrag beschäftigte sich dann auch mit "rechter Ökologie und rassistischen Tendenzen in der Regionalitätsdebatte."

Die Auswirkungen der Nahrungsmittelproduktion auf Mensch und Umwelt interessieren immer mehr Menschen. Im vergangenen Jahr kamen 6000 Besucher. "Dieses Jahr waren allein am Freitag fast so viele da", sagt Aselmeier. Ob "Fridays for Future" da eine Rolle spielen, kann sie nicht sicher sagen. Immerhin geht es diesen um das große Ganze, beim Agrikulturfestival arbeitet man eher an der Basis. Aber die ist dann doch die Grundlage.