Benehmen der Besatzer war sehr unterschiedlich

Volker Ellwanger

Von Volker Ellwanger (Lenzkirch)

Mi, 13. Mai 2020

Leserbriefe

Den Einmarsch der Franzosen habe ich als zwölfjähriger Schüler in Baden-Baden erlebt. Bis auf den Beschuss der Villa Stroh durch einen Panzer, hatten wir aus der Lage unseres Hauses keinen weiteren Einblick in das Geschehen. Die Einnahme der Kurstadt verlief eher unspektakulär. Es war plötzlich ruhig geworden, und in diese Ruhe schmetterte die Marseillaise. Jetzt hatten wir die Gewissheit: die Franzosen.

Das Auftreten und Benehmen der Besatzer war gewiss sehr unterschiedlich und oft nicht angenehm. Nach vier Jahren deutscher Besetzung Frankreichs war auch nicht gerade Freundschaft zu erwarten. Neben schlechten Erfahrungen haben wir auch gute gemacht. Nicht alle Anordnungen waren repressiv. Natürlich gab es auch als Schikane empfundene Maßnahmen. Zum Beispiel war in der Straßenbahn der erste Wagen reserviert: nur für Franzosen oder Angehörige einer anderen Besatzungsmacht. Das städtische Schwimmbad war lediglich an zwei Wochentagen für Deutsche geöffnet.

Dankbar bin ich den Franzosen heute noch für ihr Kulturprogramm. Es machte mir bewusst, was uns durch die Kulturpolitik der Nazis vorenthalten wurde.

Volker Ellwanger, Lenzkirch