Beste Laune bei der "Geister-WM"

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Mi, 03. März 2021

Skilanglauf

Manfred Burghardt, Günter Huhn und Karl-Heinz Meßmer sind in Oberstdorf als freiwillige Helfer bei Langlaufrennen im Einsatz.

Mittendrin statt nur dabei und trotzdem isoliert in einer künstlichen Blase – so widersprüchlich erleben aktuell drei Schwarzwälder die Nordische Ski-Weltmeisterschaft in Oberstdorf. Die Kirchzartener Manfred Burghardt und Günter Huhn sowie Karl-Heinz Meßmer, Vorsitzender des Skiclubs Schluchsee, leisten als "Volunteers" bei den Langlaufwettbewerben einen Beitrag zum Saisonhöhepunkt im sonnenüberfluteten Allgäu.

. Die drei erfahrenen Funktionäre, allesamt ausgebildete Kampfrichter, Burghardt und Huhn auch Trainer des SV Kirchzarten, sind bei den Wettkämpfen der Langläufer in der Technikkontrolle eingesetzt. Vor Beginn der Rennen wies Karl Heinz Eppinger, der Langlauf-Sportwart des Deutschen Skiverbands (DSV), die freiwilligen Helfer in einer einstündigen Schulung in ihre Aufgaben ein: an den zugeteilten Streckenpunkten die Läufer und Läuferinnen filmen, um Regelverstöße dokumentieren zu können und die Filme an die Jury zu schicken.

"Das ist eine ganz, ganz

komische Veranstaltung."

Meßmer zur WM-Stimmung
Aufmerksam beobachten müssen die Kontrolleure nicht nur, ob die Athleten bei Rennen in der klassischen Technik mal kurz unerlaubt ein paar schnelle Skatingschritte machen. Verboten ist auch, die markierte Strecke zu verlassen oder Konkurrenten zu behindern. So wurden im Prolog des Klassik-Sprints, der ersten Medaillen-Entscheidung, für unterschiedliche Verstöße gleich zehn bis zwölf Gelbe Karten, also Verwarnungen gezeigt, erzählt Meßmer.

Er hatte gemeinsam mit Burghardt, mit dem er eines der Zweierteams bildet, bereits am Vortag den ersten Einsatz. "Super interessant" fand er das Qualifikationsrennen der sogenannten Exoten. "Schön, dass die's auch versuchen", sagt Meßmer über die Starter aus dem Libanon, Iran, Brasilien, Kolumbien oder Tansania. Ein paar Läuferinnen hätten die ein oder andere steile Abfahrt mit viel Respekt in der Pflugstellung bewältigt – "da sieht man mal, wie schwierig es ist".

Doch nicht nur die Sportler sehen sich bei der WM vor teils ungewohnte Herausforderungen gestellt. Auch den freiwilligen Helfern wird in Corona-Zeiten vieles abverlangt. Alles ist streng reglementiert. Alle zwei Tage steht für jeden abwechselnd ein PCR-Test oder Antigen-Schnelltest an. Im Volunteers-Center, wo die Freiwilligen verpflegt werden, dürfen nur zwei an einem Tisch sitzen. Mit einem Barcode müssen sie sich einloggen und nach dem Essen auschecken, damit später im Fall einer Infektion festgestellt werden kann, wer wann wo neben wem saß. Der Helfer wird zum "gläsernen Menschen".

"Es wird ein extremer Aufwand betrieben", sagt Burghardt im Telefongespräch mit der BZ, während er mit den beiden Kollegen vor Huhns Wohnmobil auf dem Campingplatz der früheren Spitzenlangläuferin Katrin Zeller bei Kaiserwetter ein Eis genießt. "Ohne Smartphone geht nichts", ergänzt er. Jeder Freiwillige muss jeden Morgen eine Selbstauskunft über seinen Gesundheitszustand geben, nachdem er seine Temperatur gemessen hat. Maskenpflicht gilt sogar auf dem Fahrrad und im ganzen Dorf herrscht Alkoholverbot, berichtet Huhn. Dass die Volunteers außerhalb ihrer Einsätze im Skistadion auf die Tribüne dürfen, wurde erst kurzfristig erlaubt. Wieder mit strengen Regeln: nur hinter, nicht zwischen das "Papplikum" und nur sitzend. Daran wurde "Charly" Meßmer umgehend von einem Ordner erinnert, als er mal kurz aufstand.

Für jeden der drei Schwarzwälder sind acht Einsätze geplant. Weil sie noch als Reserve bereitstehen, werden es bis Sonntag eher mehr. Kein Problem für die Langlauf-Enthusiasten aus dem Schwarzwald. "Es ist für uns ein Bonbon", verrät Manfred Burghardt: "So nahe kommt man sonst nicht ran" an die besten Langläufer und -läuferinnen der Welt. Und sein Vereinskamerad Günter Huhn, als Langlauf-Sportwart des Skiverbands Schwarzwald (SVS) seit vielen Jahren bei ungezählten Wettkämpfen als versierter Organisator in Aktion, genießt die komfortable Situation bei der WM, wie er lachend versichert: "Hier ist schon alles gerichtet." Die WM sei gut organisiert, loben die drei übereinstimmend.

Zur Stimmung bei der nordischen Skiweltmeisterschaft äußern sie sich differenziert. Unter den Volunteers sei sie richtig gut, da sind "alle bei bester Laune", versichert Burghardt, der Sportsgeist sei spürbar. "Es ist eine ganz, ganz komische Veranstaltung", sagt Meßmer, der die WM 2005 in Oberstdorf und die Titelkämpfe vor zwei Jahren in Seefeld als Zuschauer vor Ort erlebte. Im Vergleich zur begeisternden Atmosphäre damals sei diese "Geisterveranstaltung" ohne Zuschauer "trist" und "fast unheimlich".

Aber "insgesamt haben wir schon unseren Spaß", meint auch der Vereinschef von Janosch Brugger. Dessen Drama im Teamsprint hatte er am Sonntag aus etwa 300 Meter Entfernung auf der Tribüne miterlebt. Da war dann die Stimmung so oder so im Keller. Aber nur kurz.