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Bewusst Unfälle vermeiden

Ulrike Sträter

Von Ulrike Sträter

Mi, 04. Juli 2012 um 18:40 Uhr

Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) beschäftigt sich intensiv mit der Verkehrssicherheit. Eines ihrer Ergebnisse: Bei fast allen Unfällen ist die Geschwindigkeit immer zu hoch.

Seit 2006 leitet Siegfried Brockmann die Unfallforschung der Versicherer (UDV), die sich interdisziplinär mit der Verkehrssicherheit beschäftigt. Dabei hat sie Mensch, Fahrzeug und Straße gleichermaßen im Blick, um ganzheitliche Konzepte zu erarbeiten. "Grundsätzlich ist jeder Unfall sehr komplex und im Nachhinein ist es schwierig, alle Aspekte so zu berücksichtigen, wie sie für den Unfall maßgeblich waren", sagt Brockmann. Ein Grundphänomen zeige sich bei fast allen Unfällen: Die Geschwindigkeit ist immer zu hoch. In der Unfallstatistik werde das Tempo aber nicht genügend differenziert. Nicht angepasst oder überhöht lauten die zwei verwendeten Formulierungen – zu wässrig für die spätere Untersuchung. Brockmann empfiehlt den Selbsttest: "Fahren Sie mal mit der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern mit ihrem Auto durch die Stadt. Entweder brauchen Sie da ein sehr dickes Fell oder Sie schauen nicht in den Rückspiegel. Auf alle Fälle aber regen Sie ihre Umwelt auf."

Der Hang, schneller zu fahren als erlaubt, stecke in jedem Verkehrsteilnehmer. Radfahrer aber haben keine Knautschzone und tragen keine Schutzkleidung. Zudem verhalten sie sich oft nicht regelkonform. Auch dafür hat Brockmann eine einfache Erklärung: "Zunächst einmal sind Ramboradler, wie so mancher Fahrradkurier, extrem selten. Alle anderen Radfahrer, die Regeln missachten, tun das, weil das opportun ist. Die Verkehrsinfrastruktur ist nicht für Radfahrer konzipiert. Unberücksichtigt bleibt hier zum Beispiel, dass sie ihre Strecke mit reiner Muskelkraft zurücklegen müssen." Da zählt also jeder Kilometer. Ein Radfahrer, der im Kreisverkehr die vierte Ausfahrt raus muss, wird eben nicht den gesamten Kreisel durchfahren. Er, so die Erfahrung von Brockmann, wird entgegen der Fahrtrichtung gleich links abbiegen und die nächste Ausfahrt wieder ausfahren – einfach, weil es praktikabler ist. "Das Fahren in die falsche Richtung ist bei Radlern eines der Hauptprobleme", so der 53-Jährige: "Um das abzuschaffen, müssen wir uns bei der Planung der Infrastruktur Gedanken darüber machen, wie ein Radfahrer seine kurzen Wege möglichst regelkonform zurücklegen kann." Und zwar nicht, weil Brockmann das derzeitige Fehlverhalten billigt, sondern weil es der Lebenswirklichkeit entspricht, auf die reagiert werden muss.

Auch das wird mit Radfahrern in Verbindung gebracht: Das Fahren bei roter Ampel. "Das machen rund 90 Prozent der Fahrradfahrer, nicht zuletzt, weil für grenzdebil gehalten wird, wer stehen bleibt", spitzt Brockmann zu. In der Unfallentwicklung spielt dieses Verhalten kaum eine Rolle. "Wer bei Rot fährt, ist extrem achtsam. Tatsächlich passiert in solchen Situationen kaum etwas. Das Risiko, als Radler bei Grün von einem Rechtsabbieger umgebolzt zu werden, ist da schon erheblich höher", so Brockmann.

Nicht zuletzt liegt das auch an der Diskrepanz der eigenen Wahrnehmung im Vergleich zur Wahrnehmung der anderen Verkehrsteilnehmer. Autofahrer rechnen bei Radfahrern mit Fehlverhalten, tolerieren es also. Sie können aber regelkonformes Verhalten nicht von ihnen erwarten, wenn sie es nicht einfordern. Und umgekehrt sehen sich die Radfahrer in der Rolle des schwächeren Verkehrsteilnehmers warm gebettet, kämpfen auf der Straße täglich neu um ihren Platz. Diese unterschiedlichen Gefühle könne jeder bei sich wahrnehmen, der mal bewusst zu Fuß, per Rad oder mit dem Auto unterwegs ist.

Von der Wahrnehmung über die wissenschaftliche Auswertung der Unfälle hin zur Planung möglicher Verbesserungen oder der Gesetzgebung ist es ein weiter Weg. Brockmann wünscht sich, dass die Umsetzung der wissenschaftlichen Ergebnisse schneller geht, dann könnte sich auch auf lange Sicht etwas im Bewusststein der Verkehrsteilnehmer verändern – egal, ob sie zu Fuß, per Rad oder mit dem Auto unterwegs sind.


Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) ist die Nachfolgeeinrichtung des Münchner Instituts für Fahrzeugsicherheit und des Instituts für Straßenverkehr in Köln. Als eine der größten Auftraggeber für Verkehrssicherheitsforschung arbeitet die UDV an einer Verbesserung der Sicherheit und der Unfallvermeidung auf Deutschlands Straßen. Untersucht werden nur Unfälle mit Personenschäden. Dabei kooperiert die UDV mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat, der Deutschen Verkehrswacht, dem Bundesverkehrsministerium, Polizei und Fahrzeugherstellern und berät bundesweit die Unfallkommissionen.

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