Gaming

Wie E-Sport in Südbaden an Fahrt aufnimmt

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 21. April 2019 um 19:04 Uhr

Südwest

Der Sonntag Der E-Sport, also Computer- und Konsolenspiele im Wettbewerbsformat, boomt weltweit. In Südbaden steckt die Bewegung noch in den Kinderschuhen, doch auch hier tut sich mittlerweile einiges.

Lukas Meyer ergeht es derzeit wie seinem Hobby: Es geht voran. Der 22-Jährige ist passionierter E-Sportler, mit elf Freunden hat er im November Freiburgs ersten E-Sport-Verein gegründet, mittlerweile haben sie 23 Mitglieder. Seit kurzem treffen sie sich einmal im Monat in der Stadtbibliothek Haslach. "Wir haben seit letztem Jahr eine feste Gaming-Zone, wo freies Spielen an fünf Konsolen und einem Gaming-PC möglich ist", erklärt Stadtbibliothekar Ludger Albrecht. Die Kooperation mit dem neuen Verein soll zum Austausch anregen, betont er. Das erste Gaming-Treffen vor knapp drei Wochen bezeichnet Lukas Meyer als Erfolg. Vor zwei Wochen hatten die E-Sportler einen Stand auf der Freizeitmesse in Freiburg, direkt neben dem von Adidas. Gemeinsam sollten sie das in der Halle angesetzte Fifa-Turnier pushen. "Es passiert gerade viel", sagt der Lehramtsstudent.

E-Sport geht durch die Decke. Mehr als 205 Millionen Menschen verfolgten im November das WM-Finale in "League of Legends". Zum Vergleich: 40 Millionen weniger sahen 2018 das Fußball-WM-Finale. "League of Nations" ist ein Echtzeit-Strategiespiel, bei dem in Fünferteams gegeneinander angetreten wird. Ziel ist es, das Hauptgebäude des Gegners zu zerstören. Weltweit messen sich monatlich über 100 Millionen Menschen darin, bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr wurden satte 25 Millionen US-Dollar Preisgeld ausgeschüttet.



"Wir wollen den normalen Sport und den E-Sport zusammenbringen."

Peter Gerspach, FT 1844 Freiburg


Die Szene spricht dann vom E-Sport, wenn gegeneinander und nicht gegen den Computer gespielt wird. Und genau daran spalten sich hierzulande die Geister: Ist das Sport oder nicht? Ende Oktober erlitt die Szene einen Rückschlag. Der deutsche Olympische Sportbund (DOSB) erklärte, "dass E-Gaming nicht den zentralen Aufnahmekriterien entspricht, die das Sport- und Verbändesystem des DOSB konstituieren".

Im vergangenen Jahr hatte der diese Woche zurückgetretene DFB-Chef Reinhard Grindel verkündet, E-Sport sei kein Sport, sondern gleiche sozialer Verarmung. Jetzt aber schickt der DFB ein Nationalteam zum E-Nations-Cup, der Fifa-Weltmeisterschaft, die am vergangenen Wochenende in London stattfand – vor tausenden Zuschauern.

Widersprüche aller Orten, auch im Bundestag: Nach der Verkündung des DOSB-Urteils ruderte auch die Politik zurück. Dabei hatte das Koalitionspapier von SPD und CDU vor einem Jahr noch festgelegt, E-Sport zeitnah als Sport anzuerkennen. Nur dann könnten die E-Sportvereine auf Zuschüsse oder steuerliche Vorteile hoffen.

Zurück in die Region, wo bei der FT 1844 Freiburg ein Pilotprojekt zufriedenstellende Ergebnisse bringt. "Das Thema ist bei uns natürlich schon lange im Kopf", sagt Peter Gerspach, Geschäftsführer des größten Vereins in Südbaden. Ungeachtet aller politischen Scharmützel hat die FT im November entschieden, einen E-Sporttreff einzurichten, dort treffen sich zweimal in der Woche an die 20 Teilnehmer. "Das Ganze wird medienpädagogisch begleitet und ist mit einer Bewegungserfahrung verbunden." Will heißen, einmal die Woche schnuppern die Teilnehmer auch in andere Sportangebote. Gerspach: "Wir wollen den normalen Sport und den E-Sport auf breitensportlicher Basis zusammenbringen."

Basel bezahlt Stars

In leistungssportlichen Gefilden misst sich der FC Basel. Der Schweizer Fußballrekordmeister hat sich ein E-Sportteam von internationalem Spitzenniveau zusammengestellt. Vier E-Sportler stehen unter Vertrag. Einer davon ist Gonzalo Nicolás Villalba, einer der weltweit besten Fifa-Spieler, der freilich in seiner Heimatstadt Buenos Aires lebt und nur zu Wettkämpfen nach Europa reist. FCB-CEO Roland Heri sieht mächtig Potenzial: "E-Sport ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Für uns ist es eine Chance, bei einer sonst schwer zu erreichenden Gruppe stattzufinden."

Zurückhaltender gibt man sich beim SC Freiburg. An der jüngst gestarteten Virtual Fifa-Bundesliga, an der 22 Bundesligisten teilnehmen, ist der Sportclub nicht beteiligt. "Wir beobachten das, haben aber keine konkreten Pläne", sagt Pressesprecher Sascha Glunk. Was Simon Voß mit seinem Clan TigersRoar gerne ändern würde. "Wir wollen mit Fifa angreifen", sagt der 26-jährige Maler, der seinen Clan 2017 gegründet hat. Eine Kooperation mit dem Sportclub liegt für ihn auf der Hand. Zweimal die Woche treffen sich die elf aktiven Mitglieder online. Jeden Sonntag treten sie in Wettbewerben gegen andere Teams aus ganz Deutschland an. Im Unterschied zu Vereinen treffen sich Clans nur online.

Was wiederum wieder auf Meyer und seinen E-Sportsverein verweist. "Wir wollen die Menschen zusammenbringen", erklärt Meyer. Geplant sind unter anderem ein eigenes Vereinsheim, eigene Events und Turniere. An Ideen fehlt es nicht. Wie gesagt: Bei Lukas Meyer passiert gerade viel.