Blackout in Südamerika

Tobias Käufer

Von Tobias Käufer

Mo, 17. Juni 2019

Panorama

Ein Stromausfall hat Argentinien und Uruguay lahmgelegt.

RIO DE JANEIRO. Plötzlich geht nichts mehr: Züge stehen still, die Heizungen fallen aus, die Internetverbindung bricht zusammen. Innerhalb von Sekunden ist durch einen gewaltigen Stromausfall das Leben ein anderes – ohne Verbindung zur realen Außenwelt und zur digitalen Parallelgesellschaft.

Fast 48 Millionen Menschen sollen in ganz Argentinien und Uruguay von dem Blackout betroffen sein. Und das im Winter. Es gibt widersprüchliche Meldungen über das Ausmaß des Blackouts. Der argentinische Energieversorger Edesur teilt auf Twitter mit: "Aufgrund eines allgemeinen Ausfalls des Verbundsystems sind Argentinien und die angrenzenden Länder ohne Strom."

Doch wer hat überhaupt Zugang zu Twitter, wenn der Strom und damit auch die Router ausfallen? Einige Argentinier haben trotzdem Zugang zum Netz und posten fleißig Scherze. SinLuz (Ohne Licht) und Apokalypse sind die Hashtags, die trotz allem einen Trend setzen. Dass die argentinische Nationalmannschaft mit Lionel Messi am Vorabend in Brasilien ihr Auftaktspiel bei der Südamerikameisterschaft 0:2 gegen Kolumbien verloren hat, passt zur trüben Stimmung am frühen Sonntagmorgen.

Einige Zeitungen können ihre Websites aktualisieren, andere bleiben auf dem Stand von Samstagabend. Der Blackout beweist: Im Katastrophenfall funktioniert die Informationsverbreitung nicht. In Paraguay ist die Zeitung ABC teilweise nicht erreichbar. Zum Glück geschieht der Stromausfall am Sonntagmorgen. Das gleiche Ereignis zur Hauptverkehrszeit hätte zu einem riesigen Verkehrschaos und möglichen Plünderungen geführt.

In Uruguay meldet der Energieversorger UTE, ein Fehler im argentinischen Netz habe um 7.06 Uhr Ortszeit für den Blackout gesorgt. Auch in einigen Teilen Paraguays, das ebenfalls am argentinischen Netz hängt, geht nichts mehr. Asuncion und Montevideo schauen nach Buenos Aires, die beiden Nachbarländer sind auf eine schnelle Reaktion Argentiniens angewiesen. In der argentinischen Hauptstadt arbeitet das Energieministerium mit Hochdruck an der Behebung des Fehlers. Und bittet um Geduld.

Der Zwischenfall wird Konsequenzen haben. In Argentinien ist gerade Wahlkampf. Ausgerechnet der konservative Präsident Mauricio Macri hatte zuletzt mit dem Finger auf Venezuela gezeigt, wo massive Stromausfälle immer wieder vorkommen. Wer die argentinische Linke und die Gewerkschaften kennt, weiß, dass sie Macri nun in die Mangel nehmen wird.

Blackouts in den großen Städten kommen immer wieder einmal vor. Die riesigen Metropolen Sao Paulo, Rio de Janeiro, Bogota oder Buenos Aires sind anfällig, meist sind aber nur einzelne Viertel betroffen. So schlimm wie diesmal war es in Buenos Aires zuletzt vor 20 Jahren.

Ein Grund dafür ist, dass die Städte ungebremst wuchern. Der Energiehunger wird immer größer, die Netze wachsen aber nicht immer so schnell mit. In Argentinien finden in einigen Provinzen Regionalwahlen statt. Ob und wie der Urnengang beeinträchtigt wurde, wird sich erst am Abend zeigen.