BLÜTENLESE: Grüne Pflege

Victoria Langelott

Von Victoria Langelott

Sa, 12. Oktober 2019

Efringen-Kirchen

Im Alter nicht ins Pflegeheim ziehen, sondern auf einen Bauernhof? Dort mithelfen können, so lange man noch kann, aber begleitet von professioneller Hilfe. Für viele klingt das wie ein Traum. Die Idee der Green Care, der Grünen Pflege, wurde schon in vielen Ländern und auch in Deutschland umgesetzt. In der Behindertenarbeit hat die Erkenntnis vom Nutzen von Natur, Pflanzen und Tieren fürs Wohlbefinden schon viele Projekte und Wohnformen hervorgebracht. Aber auch für Senioren gibt es "grüne" Pflegeeinrichtungen. Eine ZDF-Sendung stellte in dieser Woche einen Bauernhof im Sauerland vor, in dem acht alte Menschen leben. Beim Runden Tisch zum Seniorenrat Efringen-Kirchen empfahl Bernd Sevecke die Dokumentation zum Nachhören im Internet (http://www.zdf.de/dokumentation/37-grad Tatsächlich ist das Beispiel beeindruckend, auch wenn noch Fragen bleiben – zum Beispiel zur Betreuung intensiv Pflegebedürftiger. Es zeigt auf jeden Fall, dass Altwerden noch viele Möglichkeiten bietet jenseits der Alternative Pflegeheim oder Allein-Zuhaus. An Vorbildern mangelt es nicht. Es braucht natürlich Menschen, die den langen Atem haben, solche Ideen umzusetzen.

Arme Fußgänger

Immerhin: In Efringen-Kirchen macht man sich auf, einen Ortsseniorenrat als Interessenvertreter für die Senioren zu schaffen. Und in Eimeldingen schickt man sich an, so etwas Ähnliches nach dem Vorbild von Fröhnd unter dem Namen "Bürgerhilfe" ins Leben zu rufen. Tatsächlich können Senioren eine Lobby wirklich gut gebrauchen. Bernd Sevecke, der Kreisseniorenratsvorsitzende, gab beim Runden Tisch in Efringen-Kirchen unter anderem dieses Beispiel: Traditionsgemäß dreht sich in Deutschland alles ums Auto, was besonders für Senioren gefährlich werden kann und geändert werden sollte. Immer gehe es um Autofahrer, prangerte er an, seit neuestem auch mal um Radfahrer, "aber um Fußgänger geht es nie." Das mag etwas zugespitzt klingen, ist aber im Kern richtig. In der Regel ist alles darauf ausgerichtet, den Autos das Durchkommen zu sichern. Wie Radler und Fußgänger zurechtkommen, scheint zweitrangig. Das bestätigt auch ein Beispiel aus Eimeldingen. Wie viele Fußgängerüberwege oder Ampeln gibt es da in der langen Ortsdurchfahrt? Exakt zwei. Die Leute sollen einfach schauen, wie sie über die B 3 kommen. Bei 20 000 Fahrzeugen pro Tag ja kein Problem oder?