Arztpraxis und Bürgertreff

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Mo, 20. Mai 2019

Bollschweil

Gemeinderat Bollschweil diskutiert die künftige Nutzung des Alten Schulhauses.

BOLLSCHWEIL. Im Herbst vergangenen Jahres kaufte die Gemeinde Bollschweil das ehemalige Schulhaus in der Hexentalstraße beim Rathaus. Jetzt wurde in der Ratssitzung das Nutzungskonzept für das Gebäude in der Mitte des Dorfes vorgestellt.

In dem eingeschossigen Haus aus dem frühen 19. Jahrhundert sollen eine Arztpraxis und ein Bürgertreff unterkommen. Die Ortsmitte von Bollschweil soll dadurch noch attraktiver werden und es soll dort mehr Leben geben, sagte Bürgermeister Josef Schweizer einführend. Schon der Kauf des früheren Schulhauses im vergangenen Jahr wurde mit Mitteln aus der Städtebauförderung des Landes unterstützt. Damit Bürgertreff und Arztpraxis realisiert werden können, muss die Gemeinde allerdings zunächst kräftig investieren.

Während der Bürgerbeteiligung im Rahmen des Prozesses "Alt werden in Bollschweil" war der Wunsch nach Räumlichkeiten für einen Bürgertreff laut geworden. Eine Gruppe von etwa 25 Bürgerinnen und Bürgern hatte sich gefunden, die einen Bürgertreff aufbauen wollte, in dem beispielsweise ein Mittagstisch eingerichtet werden könnte.

Der in Bollschweil praktizierende Hausarzt Gunther Rabbenstein sucht dringend größere barrierefreie Räumlichkeiten, sein Sohn sei bereits in die Praxis eingestiegen und wolle diese fortführen, so Josef Schweizer. Aufs neue Baugebiet könne und wolle der Arzt nicht warten. Er sei froh, dem Arzt Praxisräume in der Alten Schule anbieten und damit die ärztliche Grundversorgung der Bevölkerung für die Zukunft sicher stellen zu können, erläuterte Schweizer.

Dachstuhl für Büros, Garten als Begegnungsstätte

Planer Matthias Weber stellte das Nutzungskonzept des Gebäudes vor, das eine Eingangsrampe, einen vergrößerten Eingang und einen eingeschossigen Anbau nach Westen vorsieht. Der gut erhaltene Dachstuhl soll über eine Treppe erschlossen werden, dort könne man Büroräume und Lagerflächen unterbringen, so Matthias Weber. Der Garten könne für die Begegnungsstätte genutzt werden.

Die Kostenschätzung für den Bürgertreff beläuft sich auf etwa 360 000 Euro, Fördermittel des Bundes in Höhe von etwa 200 000 Euro sind bereits in Aussicht gestellt. Die Kosten für den An- und Umbau für die Arztpraxis werden auf etwa 420 000 Euro geschätzt. Die Gemeinde müsste diese Kosten aufbringen, die Praxisräume anschließend an den Arzt vermieten. Der Arzt biete einen langfristigen Mietvertrag an, selbst investieren wolle er aus steuerlichen Gründen nicht, so der Planer.

"Brauchen wir wirkliche einen weiteren Treffpunkt in der Gemeinde?", wollte Gemeinderat Wolfgang Mangold wissen. "Mit dem Kuckucksbad, der Breitbandversorgung, der Wasserversorgung und dem Umbau der Schule haben wir teure Großprojekte der Grundversorgung, die wir stemmen müssen. Ist es sinnvoll weitere Finanzmittel dafür zu binden?" Bürgermeister Josef Schweizer berief sich auf die bereits bestehende Förderzusage für den Umbau zum Bürgertreff. Falls keine öffentliche Nutzung des Gebäudes möglich sei, müsse man auch die Zuschüsse zum Kauf des Gebäudes zurückzahlen, sagte er.

Gemeinderat Johannes Wiesler brachte ein Gebäude im Besitz der Gemeinde ins Spiel, das man vor zwei Jahren gekauft habe, um Flüchtlinge unterzubringen. Da diese Nutzung nicht mehr erforderlich sei, könne man doch eventuell dieses Gebäude verkaufen, schlug er vor. Nach eingehender Diskussion entschied sich der Gemeinderat bei einer Gegenstimme dafür, das Projekt weiter zu verfolgen, die Kosten des Um- und Anbaus zu ermitteln und die Finanzierungsmöglichkeiten eingehender zu prüfen.