Singen mit Spaß und Kreativität

Anne Freyer

Von Anne Freyer

Mi, 13. November 2019

Bollschweil

Der Bollschweiler Chor Crescendo lädt für sein Jahreskonzert das Duo Acoustic Serenade ein / Neue Sänger sind willkommen.

BOLLSCHWEIL Mit musikalischem Schwung kann man auch in die kühlere Jahreszeit gehen – das bewies der Chor Crescendo mit seinem Jahreskonzert in der ausverkauften Bollschweiler Möhlinhalle. Als Gäste hatten sich Dirigentin Heike Binder und ihre Sängerinnen und Sänger diesmal ein Duo eingeladen, das bestens ankam: Acoustic Serenade.

Dass sie sich auf viele neue Stücke gefasst machen müsse, erfuhr die zum Teil aus weitem Umkreis angereiste Crescendo-Fangemeinde bereits in der Begrüßung, und so war es denn auch. Und sie kamen bestens an, die Lieder, für die sich Heike Binder und ihr Chor letztendlich entschieden hatten. Dabei fiel eine besondere Vorliebe für Oliver Gies auf, eines der jüngeren Talente in Sachen Komposition und Arrangement der deutschen Liedermacherszene, was dem ganzen Programm gut bekam.

Gleich der erste Song mit dem Titel "Nette Begegnung" stimmte auf den heiteren Grundton des ganzen Abends ein. Gies hat ein untrügliches Gespür für Situationskomik und zeittypische Themen. So nahm er in diesem Stück das völlig sinnfreie "Gespräch" zweier Individuen aufs Korn, die sich eigentlich gar nicht kennen, aber herzlich begrüßen, und das ausschließlich mit gängigen Floskeln. Ein großer Spaß war auch die fast kabarettistische Nummer mit dem Titel "Urlaub in Südafrika", die mit der Gewitztheit der "Ureinwohner" ihren touristischen Gästen gegenüber spielt.

Später dann tauchte Oliver Gies sogar bei einem Neuarrangement des Klassikers "Der Erlkönig" nach einem Gedicht von Goethe auf, das sich allerdings sehr weit von der Vertonung des auch im Programm genannten Franz Schubert entfernte – ein beachtlicher Versuch, Bekanntes in ein neues Gewand zu kleiden. Ganz und gar Gies-typisch hingegen und sehr gelungen: der Song "Fpaniff", in dem ein junger Mann, zwerchfellerschütternd dargestellt durch Christian Disch, seinen Sprachfehler in einen Akzent, nämlich den spanischen, ummünzt und damit Eindruck macht. Dazwischen gab es, vieles davon in englischer Originalsprache, Bekanntes von Ed Sheeran ("Perfect"), den Hit "Human", auf Englisch und Deutsch gesungen, und "Quick", ein anspruchsvolles, weil in rasendem Tempo intoniertes Lied mit altenglischem Text. Das erforderte die ganze Aufmerksamkeit der Akteure und höchste Präzision, ebenso wie der englische Klassiker "Bring me little Water Silvie", laut Ansage Beispiele für den Kernsatz der Dirigentin "Singe isch Arbeit – mir schaffe des!"

Das viele Proben hatte sich gelohnt. Gar nicht hoch genug zu loben ist da wieder einmal, dass der Chor keine Noten braucht, was den Ausdruck und den Kontakt zum Publikum bekanntlich entscheidend optimiert. Dezent unterstützt wurden die Crescendos von der vierköpfigen Rhythmusgruppe Nontacet und Johannes Engel am Klavier. Sie trugen wohltuend zur Gesamtwirkung bei, auch der drei letzten, ebenfalls von Oliver Gies arrangierten Nummern, darunter das freche "Raggaeton im Altersheim".

Die Gäste, das Duo Acoustic Serenade, bestehend aus Maja Marchesiello, Gesang, und Tobias Nussbaumer, Gitarre, warteten mit einer bunten Mischung aus neueren Hits auf, die bestens ankamen und gekonnt umgesetzt wurden. Die Sängerin mit ihrer teils an Joan Baez erinnernden Stimme und ihr Begleiter eroberten die Zuhörer im Nu – mit stürmischem Applaus brachte das Publikum den Wunsch zum Ausdruck, dass dieses Gastspiel nicht das letzte gewesen sein möge. Mit seiner Zugabe, einer witzigen Variante des berühmtesten Liedes aus "Der König der Löwen" bewies der Chor, dass Spaß und Kreativität nicht nur behauptete, sondern gelebte Elemente seines Schaffens sind. Damit das so bleibt, wünsche man sich, so die Dirigentin, Verstärkung in den Männerstimmen Bass und Tenor und lade zum Mitmachen ein – montags 20.15 bis 22 Uhr.