Weiternutzung

Auf dem Gelände einer Asylbewerberunterkunft könnte ein Boule-Platz entstehen

André Hönig

Von André Hönig

Fr, 19. Juli 2019 um 16:08 Uhr

Schopfheim

Wie können nicht mehr benötigte Asylbewerberunterkünfte genutzt werden? Schopfheim macht’s vor: Der Gemeinderat befürwortet den Bau einer Boule-Sportanlage in Fahrnau.

Seit Langem ist die mittlerweile 65 Mitglieder zählende Boule-Spielgemeinschaft Le Cochonnet Schopfheim auf der Suche nach einem Sportgelände. Ist der Verein doch konstant auf Wachstums- und Erfolgskurs – die Bedingungen bei der Stadthalle, wo er bislang seine Spiele und Turniere ausrichtet, genügen aber längst nicht mehr den Erfordernissen. Daran erinnerte zu Beginn der Gemeinderatsitzung nochmals Frank Meißner, Zweiter Vorsitzender der Spielgemeinschaft.

Drei Spielfelder mit sechs Bahnen

Im Grunde habe der Verein "keinerlei Infrastruktur". Der Zugang zu Toiletten muss im Vorfeld eines jeden Spiel- und Turniertages immer wieder neu organisiert werden, "jede Gabel, jedes Glas jedes Getränk müssen wir mitbringen und das Ganze hinterher wieder abbauen. Und das seit mehr als 25 Jahren." Er warb deshalb um Zustimmung zu dem Antrag, auf dem Gelände der Asylbewerberunterkunft am Bläsiweg ein Vereinsheim mit Spielfeldern einzurichten, sobald dieses frei wird – was wie mehrfach berichtet Ende dieses Jahres der Fall sein soll. Den Antrag hatte der Verein 2018 gestellt. Dann stand zwischenzeitlich eine Mitnutzung durch das DRK zur Debatte – allerdings ist das DRK jetzt nicht mehr im Boot.

Auf dem Areal hätten drei Spielfelder mit jeweils sechs Spielbahnen sowie Parkflächen Platz. Außerdem würde der Verein die beiden kleineren Container, die derzeit Verwaltung, Hausmeister und Waschküche beherbergen, als Lager- und Verwaltungsräume verwenden. Angedacht ist, dem Verein das Gelände zu verpachten – eventuell auf Erbpacht-Basis. Die genauen vertraglichen Modalitäten, auch die Frage von Zuschüssen, sollen aber erst später geklärt werden. Auch muss für die Nutzung als Spielfläche noch der Bebauungsplan geändert werden. Jetzt ging es im Gemeinderat erst einmal nur um die Grundsatzfrage: Kommt für den Gemeinderat eine Boule-Sportanlage dort in Frage oder nicht?

Im Prinzip signalisierten alle Redner Zustimmung – und so wurde der Antrag dann auch ohne Gegenstimme (zwei Enthaltungen) angenommen. Kai Horschig (Freie Wähler) hatte zuvor insofern Bedenken geäußert, als den Fahrnauern zugesagt worden war, dass die Unterkunftsfläche geräumt wird, sobald sie nicht mehr benötigt werden sollte. "Eigentlich stehen wir im Wort bei der Bevölkerung." Deshalb müsste zuerst die Frage beantwortet werden, "ob wir von diesem Versprechen abrücken und sagen, dass es okay ist, dass dieser Platz anderweitig genutzt wird". Doch auch noch aus anderen Gründen tue er sich "schwer, pauschal eine Entscheidung zu treffen". Zum einen stehe noch das neue Vereinsförderkonzept aus. Da gehe es auch um Förderung und Zuschüsse. Eine Boule-Sportanlage "gehört da eigentlich mit rein". Außerdem hätte er zuvor gerne aufgezeigt bekommen, ob es nicht noch andere Flächen gibt.

"Ich glaube tatsächlich, dass dieser Platz die letzte Möglichkeit ist."Gemeinderat Ernes Barnet
Ernes Barnet (Grüne) konnte Horschig verstehen ("Im Prinzip ja"), war aber dennoch dafür, jetzt zuzustimmen. Es seien schon unzählige Standorte in der Vergangenheit diskutiert worden. "Immer hieß es: Geht nicht, geht nicht, geht nicht. Ich glaube tatsächlich, dass dieser Platz die letzte Möglichkeit ist." Wichtig sei den Grünen, dass in einem Pachtvertrag auch klar geklärt wird, unter welchen Umständen und wie das Gelände an die Stadt rückübertragen wird. Auch müsse klar festgehalten werden, dass ein Boule-Platz dort nicht bedeute, dass damit das Areal auch anderweitig bebaut werden könne. Ähnlich äußerte sich Felix Straub (Grüne), der zudem anregte, darüber nachzudenken, ob die Fläche noch anders genutzt werden könnte, gerade in der Zeit, wo kein Spielbetrieb stattfindet. Kritisch sähe er eine Erbpacht-Variante. Jürgen Fremd (Grüne) stellte klar, dass "wir grundsätzlich diese Lösung begrüßen". Allerdings sei es auch schade, wenn der Bouleplatz bei der Stadthalle verloren gehe. Eventuell könne der Verein "einen gewissen Betrieb aufrecht erhalten". Jeannot Weißenberger (CDU) sieht es ähnlich: "Das einzige, was daran schade ist, ist, dass sie aus dem Bifig verschwinden." Es sei immer "sehr angenehm gewesen, den Leuten zuzuschauen. Das hat den Platz belebt und Leben ins Viertel gebracht, ohne dass das mit riesigem Lärm verbunden war".

Andreas Kiefer (Unabhängige) kann keinen Wortbruch erkennen: Der Landkreis habe zugesagt, die Container abzubauen – das sei das einzige Versprechen. Eine anderweitige Nutzung des Areals sei nie ausgeschlossen worden. Heidi Malnati (CDU) stellte klar, dass die CDU zustimme. "Für uns ist es aber ein großes Anliegen, dass wie versprochen die Container zurückgebaut werden – ansonsten haben wir keine Probleme damit." Genau ein solches fürchtet aber Hildegard Pfeifer-Zäh (Freie Wähler), wenn einige Container stehen bleiben und vom Club genutzt werden würden. "Dann würden wir doch wortbrüchig." Jürgen Sänger, Fachbereichsleiter bei der Stadt, wies aber darauf hin, dass der Bouleclub nicht auf die Container bestehe, er könne sich – falls erforderlich – auch andere Lösungen vorstellen. Auch erinnerte Sänger daran, dass mittlerweile rund zehn Standorte geprüft wurden – dieser hier sei wirklich sinnvoll. Auf Vorstoß von Artur Cremans (SPD) wurde der Beschluss um den Passus ergänzt, dass bei der Planung "die Belange des Friedhofs gewahrt und sichergestellt werden. Das ist ein sensibles Thema für die Fahrnauer, wir legen Wert darauf, dass das festgehalten wird." Teresa Bühler (SPD) fügte ergänzend hinzu, dass dies auch im Interesse des Bouleclubs sei, wenn schon in der Planung möglichen Problemen vorgebeugt werde, beispielsweise beim Thema Lärmschutz.

Mehr zum Thema: