Öffentlicher Nahverkehr

Busse und Bahnen im Kreis Lörrach werden teurer

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 24. Juli 2021 um 06:01 Uhr

Kreis Lörrach

Die Pandemie bringt dem Regio Verkehrsverbund Lörrach (RVL) weniger Einnahmen um fast ein Viertel. Der RVL reagiert mit Preiserhöhungen. So kostet beispielsweise eine Einzelfahrt künftig 2,60 Euro.

Dass die Pandemie tiefe Spuren im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) hinterlässt, zeichnet sich seit Längerem ab. Der RVL hat das nun schwarz auf weiß. Die statistisch ermittelte Zahl der Fahrgäste des Verkehrsverbundes ging 2020 um etwa 20 Prozent auf rund 22 Millionen zurück, teilt der RVL mit.Die Fahrgeldeinnahmen brachen im Vergleich zu 2019 um 23 Prozent ein. Der Verkauf aller Tickets vom Einzelfahrschein bis zum Jahresabo erbrachte 2020 noch rund 18,7 Millionen Euro.

Insbesondere bei Einzeltickets, Mehrfahrten- und Tageskarten sowie grenzüberschreitenden Angeboten machte sich der Einbruch bemerkbar. In diesem Segment betrug der Rückgang gegenüber 2019 fast 40 Prozent. Bei Zeitkarten für Erwachsene und Schüler beträgt die Einnahmedelle dagegen "nur" zwölf bis 17 Prozent. Viele Zeitkartennutzer waren seltener unterwegs, da viele Fahrtzwecke eine Zeit lang ersatzlos entfallen sind, etwa infolge von Homeoffice oder Fernunterricht. "Dieser Einbruch wäre sicher noch höher ausgefallen, wenn uns nicht ein Großteil unserer Abonnenten dankenswerterweise die Treue gehalten hätte", kommentiert RVL-Geschäftsführer Frank Bärnighausen die Entwicklung.

2020 schneidet der ÖPNV mit einem blauen Auge ab

Diese Einnahmeverluste seien durch den von Bund und Land aufgespannten ÖPNV-Rettungsschirm zwar zum Großteil aufgefangen worden und so der ÖPNV dank dieser Hilfen 2020 "mit einem blauen Auge davongekommen", betont Bärnighausen. Die aktuelle Frage sei aber, wie es weitergehe. Denn die Folgen der Pandemie würden die Branche auch über 2021 hinaus "erheblich belasten". Allein dieses Jahr fehlten dem RVL bis Ende Mai bereits mehr als drei Millionen Euro an Einnahmen, erläutert Bärnighausen. Bisher sei es gelungen, Angebotsreduzierungen zu vermeiden. Perspektivisch bestehe die Herausforderung jedoch darin, den Widerspruch zwischen steigenden Ansprüchen an den ÖPNV, einer angesichts des Klimawandels politisch angestrebten Verdoppelung des Angebots bis 2030 sowie der Forderung nach (noch) günstigeren Fahrpreisen aufzulösen.

Die aktuelle Entwicklung bei den Preisen geht indes zunächst in die andere Richtung. Angesichts der Kostenentwicklung sei zum 1. August einmal mehr eine Anpassung, spricht Erhöhung, unumgänglich, kündigt Bärnighausen an. Denn neben einem weiteren Rettungsschirm sei auch eine angemessene Nutzerfinanzierung erforderlich – zumal die Verkehrsunternehmen mit realen Kostensteigerungen in den Bereichen Personal, Energie und Investitionen konfrontiert seien. So stiegen die Personalkosten durch die Tarifabschlüsse. Auch der Strompreis für den Bahnbetrieb habe sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt und beim Dieselkraftstoff sei durch die CO2-Bepreisung in den nächsten Jahren ebenfalls mit weiter steigenden Kosten zu rechnen. Schließlich summiere sich die Kostensteigerung für Beschaffung und Instandhaltung der Fahrzeugflotten auf etwa zwei Prozent pro Jahr.

Eine Einzelfahrt kostet künftig 2,60 Euro

Angesichts dieser "Kostenzwänge" erhöhe der RVL die Preise im Schnitt um zwei Prozent. Konkret sichtbar wird das aber nur bei einem Teil der Tickets. So steigen die Preise für Monats- und Jahreskarten, Einzelfahrscheine für Erwachsene sowie der Punkte-Card und Tageskarten. Konkret heißt das, dass sich ein Einzelfahrschein für eine Zone von 2,50 auf 2,60 Euro verteuert, der für zwei Zonen von 3,60 auf 3,75 Euro. Die Tageskarte "Solo 24" kostet künftig 7,70 statt 7,50 Euro, eine monatliche Regio-Card für Erwachsene über zwei Zonen 61 statt 60 Euro, bei drei Zonen werden 73 statt 71 Euro fällig, für die Jahreskarten entsprechend 610 beziehungsweise 730 Euro. Die monatliche Schüler Regio-Card kostet 50 Cent mehr und kommt auf 43 Euro.

Ausgenommen von den Erhöhungen bleiben dagegen die Abos, die sich von den Jahreskarten durch die fixe, auf zwölf Monate verteilten Abbuchung des Tarifs unterscheiden. Diese Vertriebsform ist für den RVL ein strategischer Schwerpunkt und der habe sich gerade in der Coronazeit mit stabilen Einnahmen bewährt, heißt es in der Mitteilung. Unverändert bleiben zudem alle grenzüberschreitenden Triregio-Angebote sowie die Einzelfahrscheine für Kinder, die Vierer-Card und das Ticket4Lörrach, das in Absprache mit der Stadt fortgeführt wird.