Landespolitik

CDU nominiert Arndt Michael im Wahlkreis Freiburg-West für die Landtagswahl

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Sa, 19. September 2020 um 09:56 Uhr

Freiburg

Der 45-jährige Jurist Arndt Michael setzt sich im Bürgerhaus Zähringen gegen den Opfinger Landwirt Martin Linser durch – mit knapper Mehrheit und nur vier stimmen Vorsprung.

Für Arndt Michael stimmten 30 Mitglieder der CDU Freiburg und Breisgau-Hochschwarzwald bei der Nominierungsversammlung am Freitagabend im Bürgerhaus Zähringen. Der 42-jährige Winzer Martin Linser erhielt 26 Ja-Stimmen. Ersatzkandidatin wurde Christine Baumgartner.

Michael bezeichnet sich als "konservativ-liberal"

Michael – sein Nachname wird englisch ausgesprochen, weil sein Vater aus Großbritannien stammt – ist Jurist sowie Politikwissenschaftler und sitzt dem Freiburger CDU-Ortsverband Unterwiehre-Günterstal vor. Er nennt sich selbst "konservativ-liberal" und sieht seinen Schwerpunkt in Ökologie und Wirtschaft. "Umwelt und Klimawandel sind die Themen, bei denen wir gegen eine extrem starke grüne Konkurrenz antreten müssen", sagte Michael mit Blick auf die Landtagswahl am 14. März 2021. Gerade in Freiburg dürfe die CDU nicht grünen und linken Themen hinterherlaufen.

Beruflich liegen die Schwerpunkte des Dozenten der Freiburger Universität bei Europapolitik und Indien, zudem koordiniert er die Dialogreihe Colloquium politicum. Michael lebt in einer Partnerschaft und ist frischgebackener Vater einer Tochter.

Der Opfinger Landwirt Martin Linser ist Vize-Präsident des Badischen Weinbauverbands und engagierte sich unter anderem beim Bürgerentscheid zum Stadtteil Dietenbach auf Seiten der Landwirte. Bei der Gemeinderatswahl 2019 erreichte er auf der CDU-Liste den 10. Platz. Die Hauptthemen des verheirateten Vaters zweier Töchter sind neben Bildung und Verkehr die Umwelt und die heimische Lebensmittelproduktion: "Naturschutz geht nur mit der Landwirtschaft, nicht gegen sie." Er wolle sich als bodenständiger Abgeordneter für die Region einsetzen.

CDU-Mitglieder stellen Linser kritische Fragen

Doch die CDU-Mitglieder stellten ihm etliche kritische Fragen: Seit wann er Parteimitglied sei und welche Ämter er bekleide? Wie er als Dietenbach-Kritiker Wählern den Konflikt erklären wolle, dass die CDU-Ratsfraktion klar für den Stadtteil stimmte? Wie es mit der Abgrenzung zu den Grünen aussehe: "Wo ist da der Unterschied?", fragte eine Vertreterin der Frauenunion.

Er scheue die Konfrontation nicht, sagte Linser, der seit 2019 Mitglied ist: "Man könnte sagen, ich bin ein Grüner bei der CDU." Er wolle den Wahlkreis zurückerobern.

Arndt Michael ist seit 30 Jahren CDU-Mitglied und listete zwar viele Themen auf wie zum Beispiel Mittelstand, nachhaltige Mobilität mit Bekenntnis zum Auto und Durchsetzung des Rechts. Aber vor allem betonte er, dass Freiburg eine junge Großstadt mit vielen Studenten sei und die Universität der größte Arbeitgeber. Es gelte, Jung- und Wechselwähler zurückzugewinnen.

Michael kündigt "furiosen" digitalen Wahlkampf an

Nachfragen bezogen sich auf Senioren und die Freiburger Umlandgemeinden, auf Migration und Moria. Wie Linser sprach sich Michael dafür aus, weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Angesichts der Corona-Bestimmungen kündigte der Kandidat einen "furiosen digitalen Wahlkampf" an und nannte als Ziel: 30 Prozent plus.

Als Zweitkandidatin wird Christine Baumgartner antreten. Die 53-jährige Finanzfachfrau und Winzerin aus Vogtsburg-Oberbergen erhielt 34 Ja-Stimmen, für ihre Mitbewerberin, Rechtsanwältin Melanie Kienle aus Freiburg, stimmten 19 CDU-Mitglieder.

Applaus gab es bei der von Südbadens CDU-Chef Andreas Schwab geleiteten Versammlung unter anderem von dem Bundestagsabgeordneten Matern von Marschall, vom der Freiburger CDU-Ratsfraktionsvorsitzenden Carolin Jenkner, den Kreisvorsitzenden Bernhard Rotzinger (Freiburg) und Patrick Rap (Breisgau-Hochschwarzwald), der für den Wahlkreis Breisgau im Landtag sitzt, sowie von Bernhard Schätzle, der zuletzt 2006 das Landtagsmandat für die CDU im Wahlkreis 47 Freiburg II errungen hatte.

Der Wahlkreis umfasst 18 Stadtteile sowie die vier Umlandgemeinden Gottenheim, March, Schallstadt und Umkirch. 2016 gewann die Grüne Edith Sitzmann das Direktmandat. Für die CDU holte Johannes Baumgärtner 17 Prozent der Stimmen.