YouTube

CDU sagt eigene Video-Antwort ab – und sucht das Gespräch mit Rezo

kmg, AFP, dpa

Von Konstantin Görlich, AFP & dpa

Do, 23. Mai 2019 um 16:05 Uhr

Deutschland

Gedreht sei sie zwar, doch veröffentlichen will die CDU die Video-Antwort nicht. Die Reaktion auf das Rezo-Video war mit Spannung erwartet worden. Stattdessen gibt es ein Gesprächsangebot.

Seitdem der YouTuber Rezo in einem Video mit dem Titel "Die Zerstörung der CDU" eine Art Generalabrechnung mit der konservativen Partei am vergangenen Samstag veröffentlicht hat, beschäftigt sich die Union mit einer möglichen Reaktion. Rezo hat für sein 55-minütiges Stück bis jetzt mehr als 5,2 Millionen Aufrufe und weit über eine halbe Million Likes eingeheimst – und die Partei selbst zieht ebenfalls Aufmerksamkeit auf sich.

Eine Videoantwort des CDU-Abgeordneten Philipp Amthor – wie Rezo ebenfalls 26 Jahre alt – hatte die Partei angekündigt und war damit am Mittwochabend zu einem Hauptthema im Netz geworden. Nun der Rückzieher: Wie Der Spiegel berichtet, sei das Antwortvideo zwar tatsächlich gedreht worden – online gestellt werden soll es jedoch nicht.

Gesprächsangebot des Generalsekretärs

Die Parteispitze der CDU lädt YouTuber Rezo nun jedoch zum Gespräch. "Lieber @rezomusik, lass uns miteinander reden", schrieb Generalsekretär Paul Ziemiak am Donnerstag auf Twitter. "Du hast Kritikpunkte benannt, die berechtigt sind."

Ziemiak räumte auf Twitter ein: "Wir machen nicht alles richtig." Als Beispiel nannte er den Klimaschutz, wo es noch Verbesserungspotenzial gebe. Ziemiak bat Rezo darum, auch zuzuhören, "wie wir die Dinge sehen". Er verwies zudem darauf, dass die Politik Lösungen finden müsse, die von den Menschen auch akzeptiert würden.

Bei einem Auftritt in Berlin warf Ziemiak Rezo vor, dieser habe nur eine einzige Meinung als zulässig deklariert. In einer Demokratie gebe es aber unterschiedliche Meinungen. Allerdings freue es ihn, dass der YouTuber es geschafft habe, "mit diesem Video viele junge Menschen für Politik zu interessieren. Das ist gut", sagte Ziemiak.

Warum veröffentlicht die CDU ihr Video nicht?

In einem "Offenen Brief an Rezo" erklärte die CDU, sie habe zunächst als Antwort auf Rezo ebenfalls ein Video erstellt - "ein klasse Produkt". Letztlich habe sich die Partei dann aber entschieden, nicht "die hastige Antwort" zu geben, sondern "die politische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Argumenten, Analysen und Schlussfolgerungen" zu suchen.

In ihrer Erklärung erwähnt die CDU nicht, dass sich in dem Video der Bundestagsabgeordnete Amthor mit Rezo auseinandergesetzt hat. Amthor sagte dem ZDF, die gemeinsam gefällte Entscheidung gegen eine Veröffentlichung sei richtig. "Ein Video wäre in dieser Diskussion nicht das richtige Format gewesen." Er fühle sich auch nicht ausgebremst und "meine Schlagfertigkeit ist in keiner Weise verloren", sagte Amthor.

Wie reagiert Rezo?

Rezo selbst meldete sich in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zu Wort und griff die Partei erneut scharf an. "Selbst wenn ein Unterdreißigjähriger sich auf Wissenschaftler und Experten beruft, antwortet die CDU mit Lügen und geht inhaltlich gar nicht auf Argumente ein", sagte er.

Was bewirkt das Rezo-Video?

Mehrere Politikwissenschaftler und politische Berater bewerten das millionenfach geklickte Anti-CDU-Video des Youtubers Rezo als ernstzunehmendes Risiko für die Partei. Der Politikwissenschaftler Stefan Heumann sagte der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag, zwar werde das Video keine entschlossenen CDU-Wähler umstimmen, es könne bei der Europawahl in Deutschland am Sonntag aber zu einem Mobilisierungsschub bei jungen Wählern führen. "Und da bei Europawahlen die Wahlbeteiligung insgesamt geringer ausfällt, könnte eine Mobilisierung von der CDU abgeneigten Wählergruppen der Partei im Wahlergebnis schon wehtun."

Zudem habe werde das Video auch von Massenmedien aufgegriffen, es erreiche so nicht nur Wähler im Netz.
Die Politikwissenschaftlerin Sabine Kropp sieht ähnliche Gefahren für die Christdemokraten. "Die CDU läuft mittelfristig Gefahr, die jungen Menschen zu verlieren", sagte sie der "Rheinischen Post".

Der Politikberater und Blogger Martin Fuchs sagte, junge Menschen beklagten vor allem respektlose Reaktionen und fühlten sich nicht ernst genommen. "Ich komme gerade aus einer neunten und zehnten Klasse - deren Vertrauen in die Politik ist zerstört."

Mehr zum Thema