Lehrstellen

Satte Corona-Delle auf dem Ausbildungsmarkt im Kreis Lörrach

Robert Bergmann

Von Robert Bergmann

Fr, 30. Oktober 2020 um 06:03 Uhr

Lörrach

Die Corona-Krise hat Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt im Agenturbezirk Lörrach. Betroffene Branchen bieten weniger Lehrstellen an. Und auch die Bewerber sind verunsichert.

Auch auf dem Ausbildungsmarkt hat die Corona-Krise eine Delle hinterlassen. Gerade in den von der Pandemie besonders betroffenen Branchen spüren die Arbeitsagentur, IHK und Handwerkskammern deutliche Zurückhaltung sowohl bei Anbietern von Ausbildungsstellen als auch bei den Bewerbern. "Wir sind aber insgesamt mit einem blauen Auge davon gekommen, meinte Horst Eckert, Leiter der Arbeitsagentur Lörrach, am Donnerstag bei einem Pressegespräch.

Einen Rückgang um minus 14 Prozent verzeichnet die Arbeitsagentur bei den zwischen Oktober 2019 und September 2020 angebotenen betrieblichen Ausbildungsstellen in ihrem Zuständigkeitsbereich. Nur noch unter 2748 Lehrstellen hatten Schulabgänger die Qual der Wahl für den qualifizierten Einstieg ins Berufsleben – mehr als 3200 waren es im Zeitraum zuvor. Zugleich übten sich auch die jungen Leute in Zurückhaltung. 2033 Bewerber zählte die Agentur für Arbeit seit Oktober 2019, gegenüber mehr als 2300 im Zeitraum zuvor. Der Ausbildungsmarkt entwickele sich weiter zu einem Markt für Bewerber, erklärte Horst Eckert mit Blick auf die 375 als offen gemeldeten Ausbildungsstellen bei der Arbeitsagentur Lörrach. Etliche junge Menschen hätten die Entscheidung über eine Lehre auch verschoben – berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen seien derzeit hoch im Kurs unter Schulabgängern.

Reisebranche zählt zu den Verlierern

Eckert hob hervor, dass die Chancen von Bewerbern, ihre Wunschlehrstelle zu bekommen, branchenabhängig ist. Wer sich um eine Ausbildungsstelle in einem Chemieberuf oder in der Modebranche bemühe, habe ungleich schlechtere Chancen, diesen auch zu bekommen, als jemand, der sich für die Lebensmittelherstellung oder eine Ausbildung zum Koch interessiert. Zu den Verlierern durch Corona zähle neben der Gastronomie auch die Reisebranche, so IHK-Vertreterin Alexandra Troß. Entsprechend weniger Ausbildungsverträge registriere man im Kammerbezirk Hochrhein-Bodensee. Deutliche Rückgänge gebe es außerdem im Bereich Metalltechnik (minus 30 Prozent) sowie im Segment Verkehr und Transport. Im Bereich Metalltechnik sei indes weniger die Pandemie, als vielmehr die unsichere Situation der Weltwirtschaftursächlich für die Zurückhaltung. Viele Unternehmen hätten auch ihr Engagement in Sachen Ausbildung vollumfänglich beibehalten. Troß erklärte, dass man bei der IHK über eine Verlängerung der Ausbildungszeiten nachdenke: In vielen zahlreiche Betrieben habe die Ausbildung coronabedingt stark gelitten – etwa weil die Firma mitsamt ihrer Azubis in Kurzarbeit gehen musste.

Appell an die Politik

Freiburgs Handwerkskammer-Geschäftsführer Wolfram Seitz-Schüle nutzte die Pressekonferenz für einen Appell an die Politik, in der zweiten Coronawelle die Grenzen offen zu halten. Der freie Grenzverkehr im Dreiländereck sei für den Arbeitsmarkt gerade im Handwerk von enormer Bedeutung. "Kommt die Grenzschließung erneut, wäre eine Insolvenzwelle wohl unausweichlich". Schon jetzt habe sich der Ausbildungsmarkt im Raum Lörrach, verglichen mit der Situation in und um Freiburg, klar zum Schlechteren entwickelt, stellte Wolfram Seitz-Schüle heraus. Noch deutlich schlechter sähe es beim Fachkräfte-Nachwuchs aus ohne die zahlreichen Menschen ohne deutschen Pass, die im Handwerk einen Lehrvertrag unterschrieben haben, so Seitz-Schüle: "Mittlerweile hat rund ein Viertel unserer Auszubildenden einen Migrationshintergrund." Doch auch bei Abiturienten erfreue sich das Handwerk zum Glück weiter steigender Beliebtheit.

Als "Schuss in den Ofen" bezeichnete der Handwerkskammer-Vertreter die vom Staat gezahlte Ausbildungsprämie für kleine und mittlere Unternehmen, die in der Pandemie ihre Ausbildungsplätze gehalten oder ausgebaut haben. Tatsächlich hat die Arbeitsagentur Lörrach gerade mal 50 entsprechende Anträge bewilligt.