Corona-Krise trifft Kino hart

Susann Duygu-D’Souza

Von Susann Duygu-D’Souza

Mi, 01. Juli 2020

Waldshut-Tiengen

Seit 18. Juni wieder Filme auf der Bernhalde / Betreiber Bernd Gschöpf verzeichnet kaum Gäste.

. Seit dem 18. Juni hat auch das Waldshuter Kino nach dem Lockdown in der Corona-Krise wieder geöffnet. Trotz umfangreicher Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen, sei der Start nach Angaben des Betreibers sehr verhalten gewesen, sagt Betreiber Bernd Gschöpf, der vor zwei Jahren den Albrecht-Kinobetrieb übernommen hat.

"In vier Tagen waren gerade einmal 60 Gäste da, das entspricht nur rund zehn bis 15 Prozent der Besucherzahl im Vergleichszeitraum zu vor der Krise", so Gschöpf. Er prognostiziert: "Das wird auch in den kommenden Wochen so bleiben." Bei vielen potenziellen Besucher herrsche Unsicherheit bezüglich der Eröffnung, vermutet Gschöpf. Für die Kinos in Deutschland gab es keinen einheitlichen Eröffnungstermin. "Viele Kunden wissen einfach nicht, ob wir offen haben und, ob und mit wie vielen Freunden sie kommen können", so Gschöpf.

Laut Verordnung des Landes Baden-Württemberg dürfen zwei Familien oder zehn Personen zusammensitzen, maximal aber 100 Personen. Derzeit würden auch Gäste kommen, die zur Corona-Risikogruppe zählen wie beispielsweise Besucher über 60 Jahre, berichtet Gschöpf. "Das war auch schon eine Woche vor dem Lockdown im März der Fall gewesen", so der Betreiber. Gschöpf könne die Unsicherheit verstehen, sagt aber: "Natürlich kann es auch im Kino zu Ansteckungen kommen wie auch im Supermarkt oder in anderen Geschäften. Aber das Risiko ist sehr gering, denn wir haben in Waldshut, obwohl das keine Auflage ist, eine Maskenpflicht im Foyer", sagt Gschöpf. Erst auf den Sitzen im Saal dürften die Besucher sie abnehmen.

Die Plätze werden so vergeben, dass es einen ausreichend Sicherheitsabstand zu anderen Besuchern gibt. Aufgrund dieser Vorgabe, können in Waldshut pro Saal maximal 60 bis 70 Plätze vergeben werden. "Eigentlich haben wir aber Platz für 285 Besucher." Wie in den Gastronomiebetrieben oder im Einzelhandel steht auch im Kino im Eingangsbereich und auf den Toiletten Desinfektionsspray bereit. "Auch die Sitze reinigen wir nach jedem Besucher. Es gibt Reinigungsprotokolle, was aber für uns nichts Neues ist, denn wir haben unser Haus auch vor Corona sauber gehalten", so Gschöpf

.Trotz der aktuell niedrigen Besucherzahlen, zeigt sich Bernd Gschöpf optimistisch. Er glaubt, dass das Kino immer noch eine Anziehung auf Besucher auswirkt. Unterstützung in der Corona-Krise habe Gschöpf zum einen von seinen Verpächtern erhalten. Von Seite der Filmverleih-Firmen gebe es teilweise auch Unterstützung, aber nur bei älteren Filmen. "Das bringt allerdings nichts, wenn wir keine Besucher haben", sagt Gschöpf. Derzeit können laut Gschöpf nur Filme gezeigt werden, die in der Zeit des Shutdowns in der Corona-Krise eigentlich gelaufen wären. Neue Filme gibt es erst ab dem Monat Juli. Bernd Gschöpf: "Das genaue Programm wird aber noch zusammengestellt. Im Juli kommt aber noch eine Neufassung von ,Die Känguru-Chroniken’, Tennet und hoffentlich Mulan."

Im Mai 2018 hat Bernd Gschöpf als Pächter das Waldshuter Kino der beiden Schwestern Ursula Albrecht und Monica Albrecht-Maier übernommen. Diese hatten das Kino in dritter Generation betrieben. Der neue Pächter betreibt seit 2014 auch das ebenfalls im Eigentum der Familie Albrecht befindliche Kino in Rheinfelden. Das Waldshuter Kino an der Bernhalde war über 90 Jahre lang das Stammhaus der Familie Albrecht mit Kinos unter anderem in Rheinfelden, Bad Säckingen, Lauchringen und Blumberg.