Klosterleben

So leben die Benediktinerinnen von St. Lioba in Günterstal

Sina Schuler

Von Sina Schuler

Mi, 14. August 2019 um 13:13 Uhr

Günterstal

Bei den Benediktinerinnen von St. Lioba in Günterstal haben 60 Leserinnen und Leser Einblicke in das Klosterleben bekommen – vom Weckerklingeln bis zum Nachtgebet.

Schon oft habe sie Leute sagen hören: "Man darf hier ja nicht rein", erzählte Schwester Edith. "Dabei freuen wir uns herzlich über Besuch." Eine gute Gelegenheit, sich das Kloster St. Lioba in Günterstal anzuschauen, hatten 60 BZ-Leserinnen und Leser am Dienstagnachmittag. Schwester Edith und Schwester Scholastika führten nicht nur durchs Haus, sondern gaben auch einen Einblick ins Klosterleben.

"Die Glocke strukturiert unseren Tag", erklärte Schwester Edith. Fünfmal am Tag beten die Benediktinerinnen, das erste Stundengebet ist um sechs Uhr. "Da denke ich mir heute noch, wenn der Wecker klingelt: Das kann doch nicht wahr sein", sagte Schwester Edith und lachte. Lediglich in den Ferien, vier Wochen im Jahr, könnten die Nonnen ausschlafen.

Ein Kloster in einer Villa im toskanischen Stil

Nach Gebet und Frühstück gibt es einen Gottesdienst und Zeit für Stille. "Da lassen wir Gott sprechen", so die Nonne. Bis 12 Uhr wird gearbeitet, manche betätigen sich im Haus an der Pforte, in der Verwaltung, dem Klosterladen oder der Wäscherei, andere arbeiten in der Krankenpflege. Nach dem Mittagsgebet gibt es Essen, dann halten die Schwestern Ruhezeit bis etwa 15 Uhr und danach geht’s wieder an die Arbeit. Vor und nach dem Abendessen wird noch mal gebetet.

Das Gebäude, in dem heute noch 42 Schwestern leben, beten und manche auch arbeiten, wurde nicht als Kloster gebaut. "So ein Monstrum hätte man da nicht hingestellt", sagte Schwester Edith. Die Villa im toskanischen Stil hatte die wohlhabende Familie Wohlgemuth am Anfang des 20. Jahrhunderts am Ortseingang von Günterstal errichten lassen. Ende der 20er-Jahre verkaufte August Wohlgemuth sie – gezwungen durch die Inflation – an die neugegründete Kongregation der Benediktinerinnen von St. Lioba, die 1927 dort einzogen.

Im Konventzimmer wird Demokratie gelebt

Schwester Edith führte durch die beeindruckenden Räume, das frisch renovierte Oratorium, die ehemalige Bibliothek der Wohlgemuths, das Esszimmer, Wohnzimmer und der Musikraum. Manches ist unverändert wie die bunte Decke im Esszimmer, die zwei Kunststudentinnen gestaltet und "sich einen Gag erlaubt haben", sagte Schwester Edith. Sie haben eine Botschaft versteckt: "Wer dieser Decke schadet, dessen Hand soll abfallen."

"Manchmal möchte man eine auf den Mond schießen. Aber wir sind noch nie unversöhnt auseinandergegangen." Schwester Edith, St. Lioba

Einen Raum haben die Nonnen zum Konventzimmer umfunktioniert. "Da findet Demokratie statt." Dort diskutierten die Schwestern und stimmten ab, letztes Wort habe die Priorin. Natürlich gebe es auch Auseinandersetzungen. "Manchmal möchte man eine auf den Mond schießen", so die Schwester. "Aber wir sind noch nie unversöhnt auseinandergegangen." Die Diskussionen können die restlichen Schwestern in ihren Zimmern mitverfolgen, das Konventzimmer ist mit Mikrofonen ausgestattet.

Technik hat längst im Kloster Einzug gehalten. "Wie ist das denn mit Internet und solchen Sachen? Gibt es da affine Damen?", fragte ein Teilnehmer am Dienstag. Schwester Edith lachte. "Wer einen Computer braucht, der bekommt einen." Sie selbst müsse Liturgiepläne schreiben – und die Nachrichten schaue sie sich auch online an.

Und was ist mit Männern? "Die gibt’s im Kloster auch", so die Benediktinerin. Der ehemalige Dompfarrer Wolfgang Gaber ist Hausgeistlicher, lebt im Kloster, hält Messen und nimmt die Beichte ab. Manchmal seien zudem Theologiestudenten im Haus. Und auch in der Verwaltung arbeiteten Männer, ebenso als Gärtner. "Wir haben eben so viele Männer, wie wir brauchen."

Mehr Fotos gibt es online auf mehr.bz/ferienaktion-lioba Führungen durchs Kloster derzeit jeden letzten Samstag im Monat, 15 Uhr