Engagement

Darum tanzt ein Freiburger gegen Rassismus an Clubtüren

Valentin Heneka

Von Valentin Heneka

Do, 21. Februar 2019 um 20:35 Uhr

Freiburg

Mitte Februar veröffentlichte der Freiburger Künstler und Tänzer Natural Orlando ein Tanzvideo auf Youtube, um auf Rassismus an Freiburgs Clubtüren aufmerksam zu machen. Warum?

BZ: Sie haben ein Video veröffentlicht, mit dem Sie auf Rassismus an Freiburger Clubtüren aufmerksam machen möchten. Gab es einen Anlass dafür?
Orlando: Vor einem Jahr habe ich zwei schwarze Franzosen am Bahnhof kennengelernt. Sie wollten wissen, wo noch etwas geht. Ich habe ihnen eine Veranstaltung empfohlen, zu der sie gegangen sind, aber nicht reinkamen. Sie haben mich angerufen, ich bin zu den Türstehern und habe gefragt, woran es liegt. Sie meinten, dass schon zu viele Schwarze drin seien. Dass sie das einfach so sagen können, finde ich krass. Mir persönlich passiert es eher selten, dass ich nicht in Clubs reinkomme. Wenn ich kein Mischling wäre oder mehr wie ein Flüchtling aussehen würde, sähe es vermutlich anders aus. Ich glaube, viele wissen von dem Problem, aber kaum jemand macht etwas dagegen.



BZ: Wie groß ist das Problem in Freiburg Ihrer Meinung nach?
Orlando: Wenn man darauf achtet, fällt auf den meisten Partys auf, dass wenig Schwarze da sind. Natürlich gibt es in Freiburg mehr Weiße, auf Partys sind aber in der Regel kaum Schwarze. Stattdessen bekommen sie extra Veranstaltungen: Ausgewählte Tage, an denen sie kommen dürfen, wenn es ins Konzept des Clubs passt. Ich glaube, am Wochenende versuchen es viele gar nicht mehr, in Clubs zu kommen. Wir wissen alle, dass es sich nicht cool anfühlt, an der Tür abgewiesen zu werden. Wenn es dir mehrmals passiert, obwohl du gut gekleidet und nüchtern bist, dann hast du irgendwann keine Lust mehr in die Stadt zu gehen, nur um dich danach gedemütigt zu fühlen.

BZ: Warum gerade ein Tanzvideo?
Orlando: Ich drücke mich durch das Tanzen aus, Tanzen ist die älteste Sprache der Welt. Außerdem kann ich Menschen zusammenbringen, filmen und fotografieren. Wenn ich damit auf das Problem aufmerksam machen kann, muss ich das machen. Ich bin grundsätzlich für das Machen und glaube, durch die sozialen Medien wissen viele gar nicht mehr, wie das geht. Für das Video gab es kein Konzept. Ich habe auf Facebook gepostet, dass ich zu dem Thema drehen will und daraufhin haben sich ungefähr 80 Menschen gemeldet. Darunter der Graffitikünstler Kid Pone, der die Flaggen gemalt hat, der Musikproduzent Origami Beats und die Filmemacher von Blackwood Films. Einige meiner Tanzschüler haben eine Choreografie eingebaut, andere Kids sind durchs Bild gelaufen. Wenn ich etwas vorhabe, dann muss es innerhalb von ein paar Tagen erledigt sein.

BZ: Sind weitere Aktionen geplant?
Orlando: Aktuell plane ich eine Session am Sonntagnachmittag im Puzzles mit Rap, Graffiti, DJing und Tanz. Ein Hip-Hop-Gesamtpaket, das No Future Session heißen soll. Ursprünglich war die Session gegen das Clubsterben gerichtet. Clubs sind soziale Orte und ich will die ganzen Hip-Hopper wieder dahin kriegen. Auch die Schwarzen, schließlich ist Hip-Hop eine schwarze Kultur. Ich werde mich dafür einsetzen, dass dort niemand wegen seiner Hautfarbe abgewiesen wird. Wie bei allem was ich tue, will ich Menschen zusammen bringen.
Zur Person

Natural Orlando, 24 Jahre alt, geboren in Freiburg, ist Künstler, Tänzer und Tanzlehrer. Als Tänzer nahm der amtierende süddeutsche Meister im Hip-Hop-Solo-Battle des Verbands TAF (The Actiondance Federation of Germany) erfolgreich an Wettbewerben bis hin zu Weltmeisterschaften teil.