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Das Radverkehrskonzept 2020

Matthias Maier

Von Matthias Maier

Mi, 04. Juli 2012 um 18:48 Uhr

Freiburgs Baubürgermeister Martin Haag erklärt im BZ-Interview die Ziele und Eckpunkte des Radverkehrskonzepts 2020, das Vertreter der Polizei, Gemeinderatsfraktionen, Radverbände und das Garten- und Tiefbauamt erarbeitet haben.

Freiburg ist eine Fahrradstadt. Mehr als ein Viertel der Wege in der Stadt werden derzeit mit dem Rad zurückgelegt. Doch an einigen Stellen gibt es schlecht ausgebaute Radwege und Lücken im Radwegenetz. Daher hat das Garten- und Tiefbauamt der Stadt Freiburg in Zusammenarbeit mit einer Arbeitsgruppe aus Vertretern der Gemeinderatsfraktionen, der Polizei und von Radverbänden das Radverkehrskonzept 2020 entwickelt, dessen Ziele und Eckpunkte Baubürgermeister Martin Haag im Gespräch mit BZ-Autor Matthias Maier erklärt.

BZ: Freiburg ist eine Hochburg der Fahrradfahrer. Da bleiben Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern und Unfälle nicht aus. Welche Ziele verfolgt die Stadt mit dem Radverkehrskonzept 2020?
Haag: Radfahrer sind nicht häufiger in Unfälle verwickelt als andere Verkehrsteilnehmer, auch in Freiburg nicht. Im Falle eines Unfalls erleiden sie aber relativ oft Verletzungen. Das Radkonzept 2020 hat deshalb das Ziel, mittels baulicher Verbesserungen und einer Erhöhung des Standards die Zahl der Radunfälle deutlich zu senken.

BZ: Durch das Konzept soll sich auch mehr städtischer Verkehr auf das Verkehrsmittel Fahrrad verlagern. Welche Gründe sprechen für eine solche Verlagerung?
Haag: Rad fahren trägt nicht nur zum Klimaschutz bei, es ist für die Stadt auch wirtschaftlich: Wir sparen Kosten und Flächen und können diese beispielsweise für Grünflächen oder breitere Gehwege nutzen. Vor allem ist Rad fahren aber schnell, macht Spaß und ist gesund. Wir wollen deshalb den Radverkehrsanteil von 27 Prozent auf mehr als 30 Prozent steigern – das Rad wird dann das Verkehrsmittel Nummer eins in der Stadt sein. Die Niederlande und Dänemark zeigen bereits, dass das möglich ist.
BZ: Welche konkreten Maßnahmen und Veränderungen sind vorgesehen, und wie ist der Zeitplan für die Umsetzung des Konzepts?
Haag: Im Radkonzept werden mehr als 100 Einzelmaßnahmen im gesamten Radnetz aufgelistet, die in den kommenden Jahren abgearbeitet werden sollen. Außerdem werden Themen wie Abstellanlagen, Öffentlichkeitsarbeit und die Verknüpfung mit öffentlichen Verkehrsmitteln thematisiert. Elementarer Bestandteil des Radkonzepts ist der Aufbau eines Rad-Vorrang-Netzes, in dem Radfahrer zügig und sicher vorwärts kommen. In den kommenden Jahren wollen wir dazu drei Pilotprojekte angehen: Ein zentrales Projekt ist der Ausbau der Vorrangroute Friedhofstraße – Eschholzstraße – Lörracher Straße. In der Friedhofstraße und der Lörracher Straße müssen die Radwege deutlich verbessert werden. Zudem sollen auf der ganzen Route die Ampelschaltungen für Radfahrer angepasst werden. So entsteht eine durchgehende Radachse von Zähringen bis nach St. Georgen und Vauban. Zweites Projekt ist der Radweg entlang der Güterbahn, der in der südlichen Hälfte der Stadt noch einige Schwachstellen hat und im Norden kontinuierlich verlängert wird, so dass man am Ende von Ebringen bis Gundelfingen durchfahren kann. Das dritte Pilotprojekt ist der Ausbau des Dreisamuferradwegs, etwa durch Verbreiterungen, die Anlage von Gehwegen zur Entzerrung der beiden Verkehrsarten und den Bau von Rampen.

BZ: Was ist das Besondere am Rad-Vorrang-Netz?
Haag: Zentraler Punkt ist der Vorrang, also die Vermeidung von Wartezeiten und damit ein zügiges und angenehmes Vorwärtskommen. Wenn ich mit dem Fahrrad nur halb so lange zur Arbeit brauche wie mit dem Auto und es auch noch Spaß macht und mich fit hält – dann fällt die Entscheidung morgens leicht. Separat geführte Radwege wie der Dreisamuferradweg oder der Güterbahnradweg sollen möglichst ohne Kreuzung mit Straßen auskommen. Radwege oder -streifen entlang von Hauptverkehrsstraßen sollen mit einer grünen Welle ausgestattet werden, soweit das möglich ist. Und in den Nebenstraßen sollen Fahrradstraßen mit Vorfahrt dafür sorgen, dass Radler zügig an ihr Ziel kommen. All diese Bestandteile sollen in den nächsten Jahren zu einem durchgängigen Netz in ganz Freiburg ausgebaut werden.
BZ: Wie kann es grüne Wellen für Radfahrer geben, ohne dass Auto- und Straßenbahnverkehr massiv beeinträchtigt werden?
Haag: Die Umsetzung wird in der Tat nicht einfach. Aber mit moderner Technik und intelligenten Steuerungen kann einiges erreicht werden, ohne die anderen Verkehrsmittel zu sehr einzuschränken. Und es braucht natürlich eine Abwägung, was wann am wichtigsten ist. Je mehr Menschen Rad fahren, desto weniger stehen mit ihrem Auto im Stau an der Ampel.

BZ: Wie weit sind die Planungen für das Freiburger Radverkehrskonzept 2020 fortgeschritten?
Haag: Wir planen, das Konzept nach einer Vorberatung im Verkehrsausschuss im Oktober dem Gemeinderat vorzulegen. Wichtig für die Umsetzung in den nächsten Jahren werden dann die städtische Haushaltslage und die Genehmigung einer beantragten Förderung durch das Land sein.

BZ: Welchen Beitrag müssen Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer selbst zu einem sicheren und reibungslosen Verkehrsfluss und damit zum Gelingen des Konzepts leisten?
Haag: Zu der Frage passt die Kampagne "Rücksicht im Straßenverkehr", die Freiburg gerade gemeinsam mit Berlin startet. Die Kampagne will die Menschen, egal ob auf dem Rad, zu Fuß oder im Auto dazu bewegen aufeinander zu achten. Etwas mehr Gelassenheit, mehr auf die anderen Menschen achten, die Regeln ernst nehmen – das würde schon sehr viel helfen.

Weitere Informationen

Martin Haag ist seit Anfang 2011 Baubürgermeister der Stadt Freiburg. Zuvor war er unter anderem Leiter des Tiefbauamts, bevor er eine Professur an der Technischen Universität in Kaiserslautern übernahm.

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