Altes Rathaus

Denzlingen hat seine Neubürger zu einem Empfang eingeladen

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Di, 21. Mai 2019 um 13:11 Uhr

Denzlingen

Manche kommen wegen der Arbeit, andere aufgrund der Liebe: Denzlingen hat die Zugezogenen zu einem Empfang eingeladen. Der Bürgermeisters appellierte an die Neubürger, sich einzubringen.

Mehr als 1.000 Neubürger, die zwischen Januar 2018 und März 2019 nach Denzlingen gezogen sind, waren jetzt zum Neubürgerempfang eingeladen worden. Rund 120, die am Sonntag der Einladung folgten, konnte Bürgermeister Markus Hollemann persönlich begrüßen, wobei er sie zugleich aufforderte, sich in das Leben der Gemeinde einzubringen.

"Je mehr die Menschen sich austauschen und einbringen, umso reicher wird die Gemeinschaft." Bürgermeister Markus Hollemann
"Was war der Ruf, der sie hierher führte?", wollte Hollemann von den Gästen wissen. Er spekulierte, ob Ausbildung oder Beruf sie zu diesem Schritt bewogen hätten oder sie gar der Liebe wegen nun in Denzlingen wohnen – was ein paar wenige der Anwesenden durch Handzeichen bestätigten. Gleich aus welchem Grund die Menschen gekommen sind, warb Hollemann darum, dass sie sich mit dem, was sie sind und können, in der Gemeinde einbringen. "Je mehr die Menschen sich austauschen und einbringen, umso reicher wird die Gemeinschaft", sagte Hollemann. Möglichkeiten dazu gebe es auf vielen Ebenen, und jeder könne ein Stück dazu beitragen, dass "die super Gemeinde super bleibt". Grundvoraussetzung sei eine positive Zugewandtheit zur neuen Heimat.

Von München in den Breisgau

Die haben Teodora Papp und Dan Negrea sicher, denn im Urlaub hatten sie den Breisgau kennengelernt und beschlossen, "dass es hier schöner ist als in München", wo sie zuvor lebten. Eine Wohnung im Heidach hatten sie schnell gefunden und auch passende Arbeitsplätze. "Ich fahre nach Waldkirch, meine Frau nach Freiburg", das ist toll mit den guten Anbindungen, sagte der 34-jährige Negrea.

Voll des Lobs für den öffentlichen Nahverkehr ist auch Christoph Oulai, der mit seiner Frau Jessika Rupp nun im Kohlerhof wohnt. Er sei nun deutlich schneller am Freiburger Hauptbahnhof als zuvor aus dem Freiburger Stadtteil Rieselfeld. "Ewig lange" hatten die beiden nach einer Wohnung zum Kauf in Freiburg gesucht, bis sie dann im Geburtsort der Frau fündig wurden. So erging es auch Joachim Müller. "Es gab in Freiburg keine passende Wohnung", so der 57-Jährige, der der größeren Stadt ein wenig nachtrauert, "weil es hier ruhig ohne Ende ist". "Eine Vier-Zimmer-Wohnung in Freiburg ist unbezahlbar", weiß auch das Ehepaar Denis und Stefanie Aleksic, das aus Bayern gekommen ist. Glücklich sind sie in Denzlingen, weil Kindergarten und Schule so nah liegen, 18 Monate alt ist ihre Tochter Sophie.

Gewöhnungsbedürftig findet es Doris Gallep, die nach 53 Jahren wieder zurück ins Dorf ihrer Kindheit kam. "Es hat sich so viel verändert", sagte die 74-Jährige. Heimisch werden, da ist sich Martina Michaelis sicher, werde ihr gelingen, "weil hier so viele nette Menschen sind". In Heuweiler hatte sie mit ihrem Mann nach 15 Jahren eine Eigenbedarfskündigung erhalten, beide sehen sich irgendwie als "Vertriebene". Dort habe jedoch jetzt auch der letzte Bäcker zugemacht, und in Denzlingen liege vieles quasi vor der Haustür.

"Denzlingen ist in dem zurückliegenden Jahrzehnt nicht gewachsen." Bürgermeister Markus Hollemann
"Denzlingen ist in dem zurückliegenden Jahrzehnt nicht gewachsen, auch wenn aufgrund der regen Bautätigkeit der Eindruck entstehen könnte", betonte Hollemann mit dem Verweis auf die annähernd konstante Bevölkerungszahl von rund 14 .000 Bürgern. Der Bürgermeister führte dies unter anderem darauf zurück, dass in Wohnungen, in denen früher fünf Personen lebten, "heute noch zwei, morgen vielleicht nur noch eine Person leben". Zudem sei die Bautätigkeit auch auf jene zurückzuführen, die durch Kindheit und Jugend in Denzlingen verwurzelt seien und nun selbst bauen wollten.

In aller Regel steht der Zahl der Neubürger in etwa die gleiche Zahl an Bürgern gegenüber, die der Gemeinde den Rücken kehren. In den 14 Monaten, die dem Neubürgerempfang 2019 zugrunde gelegt wurden, waren 1.238 Menschen zu- und 1.184 weggezogen. Dabei leben, ohne Berücksichtigung der Geburten und Sterbefälle, nun 71 Männer mehr und 17 Frauen weniger in der Gemeinde. 1.026 Neubürger kamen aus dem Inland, 917 davon aus Baden-Württemberg, und 35 aus Bayern, gefolgt von Nordrhein-Westfalen, Hessen und Berlin. Zuzüge aus den neuen Bundesländern gab es gerade einmal elf, dorthin verzogen sind 18 Bürger. 161 Menschen zogen aus dem europäischen Ausland zu. Was die Staatsbürgerschaft betrifft, ist das Verhältnis deutlich anders. Zu den 809 Zugezogenen mit deutscher Staatsbürgerschaft kommen 429 Bürger aus anderen Staaten.