Szenische Lesung

Denzlinger Lesegarten setzt Werke von Heinz Erhardt in Szene

Claudia Bachmann-Goronzy

Von Claudia Bachmann-Goronzy

Mi, 14. August 2019 um 15:05 Uhr

Denzlingen

Der Förderverein der Mediathek in Denzlingen veranstaltete vor Kurzem einen "Lesegarten". Rund 120 Besucher genossen diese szenische Lesung mit Werken von Heinz Ehrhardt.

Der Förderverein der Mediathek in Denzlingen veranstaltete vor Kurzem einen "Lesegarten". Rund 120 Besucher genossen diese szenische Lesung mit dem Theater Flügelschuh bei herrlichem Sommerwetter. Die zeitlosen Gedichte von Heinz Erhardt waren Garant für einen fantastischen Abend. "Noch’n Gedicht" war die Überschrift zu dieser Lesung und noch’n Gedicht gab es öfter an diesem Abend.

Das Theater Flügelschuh begeisterte bereits im vergangenen Jahr mit Loriot im Lesegarten. Dieses Jahr stand also Erhardt auf dem Programm. Schon allein die unglaubliche Kunst, Erhardts Worte nachzuspielen, reizte die Lachnerven. Ganz nach Erhardt wurde da schnell mal aus einem Jüngling mit Heften, der es eilig hat, ein Schnellhefter. Die meisten Gäste waren offenbar auch Erhardt-Kenner, wussten sie doch oft schon um die Pointe, die folgen würde.

Darum sind Heinz Erhardts Gedichte heute noch aktuell

Die etwa 60 Jahre alten Gedichte haben nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. In seiner typischen Art verarbeitet er etwa die Uneinigkeit Europas: "Da wurde es selbst Zeus ganz klar, wie uneinig Europa war!" Auch sprach er von Kindern, "die auf dieser blöden Welt noch so lange leben", was an die "Fridays-for-Future-Bewegung" erinnert. Fakenews gab es damals schon, nur hießen sie Falschmeldungen. In sein Gedicht verpackt lautet es: "Liest du dann eine Notiz wie diese, es kann keine Rede sein von einer Krise. Auch sonst sind keine Gefahren vorhanden, wir hatten den Redner bloß missverstanden."

Die Schauspieler Mareike Glönkler, Julia und Gregor Marstaller sowie Jonas Zeiberts vom Theater Flügelschuh in Denzlingen setzten die Gedichte gekonnt in Szene. Mit nur wenigen Requisiten lebten sie das vor, was Heinz Erhardt vor vielen Jahren zu Papier gebracht hatte.

Fällt die Elektronik aus, improvisieren die Schauspieler

Nach der kleinen Pause, in der der Förderverein Getränke und Snacks bereithielt, war es schon etwas dunkel geworden. Die Bühnenscheinwerfer sorgten für eine besondere Atmosphäre – allerdings nicht lange. Denn die Elektronik machte schlapp. Doch die Schauspieler ließen sich davon nicht beirren. Sie behalfen sich mit allem, was etwas Licht spendete, um die Texte noch lesen zu können. Riesenapplaus war der Dank für ihre fantastischen Vorträge, denen sie mit "noch’n Gedicht" mehrere Zugaben draufsetzten.

Eintritt hatte der Förderverein nicht verlangt, stattdessen ging am Ende der Hut um. Das Theater Flügelschuh bietet unter anderem Kindertheaterkurse an, da die Nachfrage laut Gregor Marstaller sehr groß sei. Außerdem sind sie bei den Stadtführungen der Historix-Touren in Freiburg zu finden.