Nonnenweier

Dekorationsgeschäft Gommel schließt – Ausverkauf hat begonnen

Ulrike Derndinger

Von Ulrike Derndinger

Fr, 22. März 2019 um 17:21 Uhr

Schwanau

Das Dekorationsgeschäft Gommel in Nonnenweier will in diesem Sommer schließen. Eigentümer Friedrich Gommel hat keinen Nachfolger dafür finden können. Trotz guter Geschäfte.

Lange hat Friedrich Gommel nach einem Nachfolger gesucht und letztlich keinen geeigneten gefunden. Im Sommer soll in Nonnenweier daher Schluss sein mit dem Verkauf von Dekorationsartikeln, Gartenmöbeln, Figürchen, Kränzen, Kerzen, Blumentöpfen, Pflanzen.

Der gepflegte, schlanke Mann mit dem schneeweißen Haar sitzt mit übereinandergeschlagenen Beinen an einem Gartentisch aus Holz. Auf dem Tisch liegt ein Satz Klebezettel, die Rabatte versprechen. 50 Prozent auf ein Großteil des Sortiments. Der Ausverkauf hat begonnen, denn gegen Juli soll Schluss sein.

"Die fragten nur: Was kann ich mir damit für ein Auto leisten?" Friedrich Gommel
"Vier Bewerber waren da und alle hatten einen Haken", berichtet Friedrich Gommel über die vergebliche Suche nach einem Nachfolger. Bei keinem habe er eine Eignung gesehen, sagt der 74-Jährige. "Die fragten nur: Was kann ich mir damit für ein Auto leisten? Ich habe geantwortet: Einen Trabi oder einen Ferrari." Will heißen: Mit Fleiß kann man es vielleicht schaffen – und mit Glück. Er habe immer aus dem Bauch entschieden, sagte Gommel vor zehn Jahren zu dieser Zeitung. "Und meist bin ich richtig gelegen."

Leicht sei es jedoch nicht, räumt er ein. Discounter und Internet seien eine drückende Konkurrenz. Sein Geschäft konnte zuletzt immer schwerer bei den Preisschlachten der Großen mithalten. Zudem macht Friedrich Gommel eine chronische Krankheit zu schaffen. Sein Fazit: "Die Zeit ist reif, für Geschäfte unserer Größe zu verschwinden."

Ein Dekorationsgeschäft auf dem Land? Kein Nachteil

Gommel ist aufgewachsen bei Heidelberg, wo er 1958 bei Kaufhof seine Ausbildung zum Dekorateur begann. Seit 1972 war er freischaffend in ganz Baden-Württemberg unterwegs. Hauptsächlich für Damen- und Herrenmode und Heimtextilien. Die Gegend um Lahr lernte er beruflich in den Sechzigerjahren kennen. 1975 zog er mit seiner Frau nach Nonnenweier. Erst 1996 gründete er schließlich das Dekorationsgeschäft am Dorfrand. Mitten auf dem Land. Kein Nachteil, findet Gommel. Im Interview mit der BZ vor zehn Jahren sagte er: "Die Leute können hier direkt vorfahren." Dadurch könne er Waren anbieten, die in Fußgängerzonen nicht funktionierten. Von anfangs 300 Quadratmeter vervierfachte sich die Verkaufsfläche, das Außengelände nicht eingerechnet.

Fünf Aushilfen beschäftigt Gommel heute. Der Großteil der Kunden stammt aus der nahen und weiteren Umgebung – davon ein Drittel aus dem Elsass. Und warum wollte er mit Anfang 50 nochmal so ein Geschäft aufziehen? Nach dem Einbruch der Konjunktur Anfang der 1990er-Jahre wollte er seine Existenz auf sichere Beine stellen: "Wenn Sie selbstständig sind, müssen Sie gucken, dass mehrere Eisen im Feuer sind. Die Zeit war reif", erklärt Gommel. "Man muss gucken, dass es weitergeht." Weiteres Standbein war auch das Schuhgeschäft seiner Frau Ursula in Lahr, das sie von 1982 bis 2006 am Schlossplatz führte.

Im Juli soll Schluss sein

Sentimental wirkt Friedrich Gommel nicht, was das Ende seiner Firma betrifft: "Das ist das Leben." Er plant, im Juli den Schlüssel herumzudrehen. Da ihm die Räume aber gehören, hat er keinen Termindruck. Was danach mit dem Gebäude passiert, weiß er noch nicht. Eins weiß er aber, über seinen Beruf und sein Geschäft in Nonnenweier: "Ich hab’s gern gemacht."