Konzert

Wie ein Waldkircher Blechner zur Klarinette kam

Hildegard Karig

Von Hildegard Karig

Mi, 21. Juli 2021 um 09:00 Uhr

Waldkirch

Das neue Ensemble "A la carte" besteht aus Musikern mehrerer Generationen. Unter den Musizierenden ist mit Stefan Bayer auch jemand, den die meisten Waldkircher "nur" als Blechner kennen.

Bayers "Klarinettenkarriere" verlief zunächst wie die vieler anderer Musikliebhaber auch. Nach musikalischer Früherziehung an der Musikschule Waldkirch folgen Klarinetten- und später auch Schlagzeugunterricht. Die Teilnahme an Jugend-musiziert-Wettbewerben in einem Klarinettenquintett und mit dem Schlagzeug reicht immerhin bis auf Landesebene. Nach gelungener Aufnahmeprüfung kann Stefan Bayer den Wehrdienst in einem Bundeswehr-Musikkorps ableisten. Die Blechnerei wird Bayers Profession, die Klarinette bleibt über Jahrzehnte sein Hobby, dem mal weniger, mal sehr viel Raum gegeben wird, als Ausgleich und "weil mich Musik in jeder Form, in jedem Stil interessiert und Spaß macht – strengstens ausgenommen sind Schlager".

Das Spielen in den ortsüblichen Formationen wie Stadtmusik und anderen Ensembles ist für Bayer irgendwann nicht mehr unbedingt befriedigend, die Klarinette bleibt das Hobby und wie andere zum Sport, zum Laufen gehen, verzieht sich der Blechner "auch mal für Stunden zum Klarinette-Spielen in den Keller". In einen Raum, der es an Ausstattung mit professionellen Überäumen durchaus aufnehmen kann.
Am Samstag, 24. Juli, um 19 Uhr, lädt das neugegründete Ensemble "A la Carte" zu seinem Debüt-Konzert in die Evangelische Kirche Waldkirch ein. Aufgrund der aktuellen Corona-Bestimmungen ist die Zuschauerzahl begrenzt. Um Anmeldung wird gebeten unter [email protected] oder telefonisch unter 0160 96635002 (ab 18 Uhr). Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird gebeten.

Zwei eher zufällige Begegnungen hatten neue Impulse und noch intensivere Beschäftigung mit Musik zur Folge. Zum einen die Begegnung mit bayrischer Wirtshausmusik, die so ganz anders ist als die hier übliche. Stefan Bayer entdeckt ihre Besonderheit für sich, schreibt und arrangiert sie um. Es entsteht mit Musikern aus der Region die "Elztäler Zwietracht", die erfolgreich in der Region unterwegs ist. Zum anderen: Um eine Einschätzung eines alten Instrumentes seines Vaters zu bekommen, gibt es ein Treffen mit dem Freiburger Professor für Klarinette Kilian Herold und dem Beauftragten für historische Klarinette an der Musikhochschule. Die Begegnung mündet in ein spontanes Musizieren, der Dozent, der Klarinettenspezialist und der Blechner spielen zusammen ein Mozart-Divertimento.

Zwei befreundete Familien musizieren gemeinsam

Stefan Bayer ist ermutigt, sich "klassischer zu bewegen", das Zusammentreffen mit dem Hochschullehrer hat ihm "einen richtigen Boost" gegeben. Er nimmt Unterricht bei Ivo Ruf, einem Studenten der Musikhochschule Freiburg, wird angefragt als Testschüler für dessen Prüfung. Und Zeit zur Beschäftigung mit der Klarinette, zum Üben wird noch leidenschaftlicher eingeräumt.

Das Konzert des Ensemble "A la carte" mit Mozarts berühmten Klarinettenquintett , dessen Part Stefan Bayer am Samstag spielen wird, gründet sich auf eine weitere "Geschichte": auf die Freundschaft der Familien Schill-Mahni und Bayer-Meyer. Stefan Bayer und die Waldkircher Geigerin Katja Schill-Mahni sind seit Kindergartentagen gut befreundet, die jeweiligen Familien werden in diese Freundschaft miteinbezogen, sie wird während der Corona-Zeit intensiver gelebt ("zwei Haushalte gehen") und es wird auch miteinander musiziert.

Wohnzimmer und Blechner-Werkstatt wurden zum Proberaum

Die Freundschaft erhält ein neues Moment durch das Projekt eines gemeinsamen Konzerts. Bei einem Zusammensein irgendwann steht Katja Schill-Mahnis Bemerkung im Raum: "Lass uns mal Brahms spielen". Allerdings: "Einfach so vor sich hin zu musizieren", ist nicht ihr Ding. Wenn gemeinsam Musik machen, dann konzentriert auf ein Ziel hin, und dann auch, wenn möglich, unter Einbeziehung der jugendlichen Kinder der beiden Familien. Das Projekt eines gemeinsamen Konzertes ist geboren. Mit Katharina Weeber wird eine weitere Bratschistin gefunden, die Jugendlichen Rosina, Julius und Severin Mahni und Eva Meyer können für das Vorhaben gewonnen werden. Katja Schill-Mahni übernimmt den Part der "Profi-Kammermusik-Dozentin", denn das Vorhaben integriert Laien, Professionelle und zwei Generationen. Die durch Corona erzwungene befreite Zeit, macht es für alle möglich und auch attraktiv, sich aufeinander einzulassen und engagiert auf das Konzert am 24. Juli hin zu arbeiten.

Geprobt wird privat in den Wohnzimmern, in der Blechner-Werkstatt und jetzt in der renovierten Evangelischen Kirche in Waldkirch. Die professionelle Leitung bedeutet für alle Motivation und Hilfe beim kammermusikalischen, lehrreichen Miteinander. Zum Beispiel "lernt" Stefan Bayer einfach durchs Hingucken, mit welchem Aufwand die Streichinstrumente angespielt werden und dass er in seinen Tempi darauf Rücksicht nehmen muss. Begeisterung und Profession, Mut für und Liebe zur Musik von verschiedenen Warten aus eingebracht, münden in ein öffentliches Konzert, auf das man gespannt sein darf.