Der Schwarzwald ganz nah

Bianca Flier

Von Bianca Flier

Mi, 24. November 2021

Münstertal

Viel beklatschte Konzertlesung in der Belchenhalle Münstertal.

. Unter dem Motto "Münstertäler Geschichten und Blasmusik" fand jüngst in der Belchenhalle Münstertal eine umjubelte Konzertlesung mit der Schwarzwaldkapelle Münstertal und der Autorin und Journalistin Gabriele Hennicke statt.

Dirigent Christian Steinlein hatte die Musik auf die Geschichten abgestimmt, welche Gabriele Hennicke aus ihrem 2017 erschienenen, schön bebilderten Buch "Jenseits von Bollenhut und Kuckucksuhr – Tüftler und Originale aus dem Schwarzwald", präsentierte. Mit der Uraufführung der sinfonischen Komposition "Gate to the Alps", einem Oeuvre von Dominik Wagner, sorgte die Schwarzwaldkapelle für einen stimmungsvollen Einstieg. Drei der Geschichten, die von ausgesuchten Menschen im Münstertal erzählen, trug Gabriele Hennicke vor. Die erste erzählt von einer Nachtwanderung auf den Belchen, die die Autorin unter der Führung des anwesenden Belchen-Experten Peter Geiger erlebte. Mit authentischen Worten und atmosphärischer Dichte schilderte sie das besondere Erlebnis. Der musikalische Anschluss mit der großartig interpretierten Komposition "Silva Nigra – Szenen aus dem Schwarzwald" von Markus Götz war ein zur Geschichte passender Hörgenuss.

Die zweite Geschichte handelte von Ralf Schumann. Der Geigenbaumeister demonstrierte dem faszinierten Publikum seine Kunst, mittels Akupunktur Geigen und anderen Holzinstrumente zu einem besseren Klang zu verhelfen. Durch "Klopfen" kontrolliert er diesen Effekt. Kleine Zahnarztbohrer verwendet er dabei unter anderem für seine Arbeit. Die erste Klarinettistin der Schwarzwaldkapelle, Melanie Stecher, stellte ihr Instrument für eine Demonstration zur Verfügung. Und tatsächlich konnte man eine deutliche Verbesserung der Klänge vernehmen, nachdem Schumann das Instrument bearbeitet hatte. Es sei sein Ziel, den Musikern die Anstrengung beim Produzieren komplizierter Klänge leichter zu machen, so Schumann. Musikalisch wurde diese Geschichte mit der "Ouvertüre für Holzbläser" von Philip Sparke gewürdigt. Flöten, Klarinetten und Saxophone vereinigten sich zu einem fantastischen Klangereignis.

Die dritte Geschichte schilderte, wie die Münstertäler Köhlerfamilie Riesterer nach dem Tod von Vater Siegfried mit vereinten Kräften dafür sorgte, dass das traditionelle Köhlerhandwerk im Tal nicht ausstirbt. Jedes Jahr zur Osterzeit wird der alte Kohlenmeiler wieder in Betrieb genommen und die Familienmitglieder wechseln sich bei der mühevollen Arbeit ab. Das Ergebnis, handgefertigte, hochwertige Holzkohle, ist bei Stammkunden begehrt. Da die Köhlerei mit Feuer zu tun hat, hatte Christian Steinlein die fröhliche Komposition "Conga del Fuego Nuevo" von Arturo Marquez als Begleitmusik ausgewählt. Mit ihren feurigen Rhythmen passte die ausgefeilte Interpretation hervorragend zum Thema.

Als Zugabe gab Hennicke aus ihrem 2020 erschienenen Buch "Echte Schwarzwälder" eine mit viel Humor gespickte Geschichte über eine Westweg-Wanderung zum Besten. Als musikalisches Schmankerl erklang "Groove Academy" von Markus Götz.