Von Murmel- bis Rentier [ANZEIGE]

Der Wildtier-Zoo

Bernhard Amelung

Von Bernhard Amelung

Di, 03. April 2012 um 17:50 Uhr

Über 20 verschiedene Tierarten gibt es zu sehen, manche dürfen sogar gefüttert und gestreichelt werden. Die Wildtiere sind die größte Attraktion und der eigentliche Zweck des Steinwasen-Parks.

1972 kaufte der Todtnauer Bauunternehmer Adolf Braun das insgesamt 36km² große Gelände, um einen Bergwildpark zu errichten. Im Laufe der Jahre kamen unter der Mitwirkung von Biologen und Forstwissenschaftlern immer mehr Tierarten hinzu. Heute sind – von Regenbogenforelle über Kaninchen und Rentiere bis hin zu Luchsen – über 20 Tierarten zu sehen. Neben seinen Management-Verpflichtungen kümmert sich auch Parkgeschäftsführer Wolfgang Seger, studierter Forstwissenschaftler, um Hege und Pflege der wilden Tiere. Manche von denen werden sogar, wenn der Park geschlossen hat, aus ihren Gehegen in den Park gelassen: "Das ist günstiger und praktischer als ein Rasenmäher", meint Seger dazu.
Der ausgeschilderten Rundweg führt die Besucher an allen Gehegen vorbei. Die Tiere haben dort, auch wenn Besucher da sind, einen großen Auslauf: Die Wildschweine haben ihre Suhle, die Murmeltiere ihre Höhlen, die Steinböcke eine Steinwand zum "Austurnen". Deshalb muss man sich nicht wundern, wenn nicht alle Tiere immer zu sehen sind.
Dafür darf man aber manche Tierarten füttern. Und sogar streicheln ist erlaubt. Natürlich nicht bei den Luchsen, sondern im Streichelzoo bei den etwas zahmeren Ponys, Ziegen und Kaninchen.
Alle Wildtiergehege sind mit Hinweistafeln ausgestattet, die in Erwachsenen-Blickhöhe Informationen über Herkunft und Lebensweise bieten. Darunter, auf kindlicher Höhe, gibt es kleinere Tafeln mit so manchem, was die Kleinen spannend finden könnten.

"Ab fünf Wildtierarten ist dieser Tierpark ein offizieller Zoo, der auch seinem Bildungsauftrag gerecht werden muss", erklärt dazu Parkleiter Wolfgang Seger. So erfährt man beispielsweise, dass alle zahmen Schafe von den wilden Mufflons abstammen – auch von denen wohnen einige im Steinwasen-Park.

Ebenfalls ausgesprochen kletterfreudige Tiere sind Gämsen, die 2012 zum Wildtier des Jahres gewählt wurden. Es sind Herdentiere, die bevorzugt im Rudel zu 15 bis sogar 40 Tieren leben. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich hauptsächlich auf Hochgebirgsregionen in Europa und Asien, doch auch in einigen Mittelgebirgsregionen sind Gams-Populationen anzutreffen.

Dazu zählt auch der Hochschwarzwald. Auch wenn manch ein Naturwissenschaftler anzweifelt, dass Mittelgebirge zum natürlichen Habitat der Gämsen gehören, gilt als gesichert: Die emsigen Kletterer waren bis Mitte des Neunzehnten Jahrhunderts in Mittelgebirgsregionen wie der Fränkischen Alb, dem Fichtelgebirge oder dem Zittauer Gebirge in Sachsen heimisch.

Im Hochschwarzwald wurden die eleganten und wendigen Kletterer in den späten Dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wieder angesiedelt. Aus einer Kleinherde zwischen sechs und neun Tieren ist die Gams-Population im Hochschwarzwald auf inzwischen rund 1000 Stück angewachsen. Dies ist nicht zuletzt auf fehlende natürliche Feinde zurückzuführen. Zu diesen gehört neben dem Bär und dem Wolf auch der Luchs.

Der Luchs, die größte Raubkatze Europas, rückte im vergangenen Jahr in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Denn er war das Tier des Jahres 2011. Seit 200 Jahren ist der Luchs in Mitteleuropa ausgestorben - gerade im bäuerlichen Umfeld mit Weidebetrieb galt er als verfemtes Tier, das gnadenlos verfolgt wurde. Seit den 1980er Jahren werden jedoch immer wieder Spuren des Raubtiers gefunden.

Seit 1995 besteht am Arbeitsbereich Wildökologie und Jagdwirtschaft der Universität Freiburg eine reichhaltige lnformationssammlung. Eine gegründete Luchs-lnitiative setzt sich für ihn ein und wirbt dabei mit dem Argument, dass gerade Waldbauern über zu hohe Wildschäden klagen. Der Luchs könnte hier zu einem natürlichen Gleichgewicht bei Reh- und Gamswild sorgen. Die Jagd des scheuen Tieres erfolgt nach typischer Katzenart: Ansitzen, anschleichen mit anschließendem Sprint und Sprung sowie dem Gebiss ins Genick. Von Ihren Beutetieren lassen die Luchse so gut wie nichts übrig, lediglich größere Knochen und teile des Verdauungstraktes werden nicht verzehrt.

Anfang des letzten Jahres trat er selbst im Zastlertal, nahe des Steinwasen-Parks, in Erscheinung.
Auf leisen Pfoten kehrt das "Pinselohr" nun zurück in unsere Wälder. Im Steinwasen-Park kann man ihm schon heute ganz nahe kommen.

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