Armutszuwanderung

Beispiel Dortmund: Hungerlöhne auf dem Arbeitsstrich

Johannes Nitschmann

Von Johannes Nitschmann

Mi, 22. Januar 2014 um 00:00 Uhr

Deutschland

In den großen Ruhrgebietsstädten ballen sich die Probleme der Armutszuwanderung wie auch der damit verbundenen Ausbeutung. Ein Besuch in Dortmund.

Vor dem "Stehcafé Europa" hat sich an diesem grauen, nasskalten Morgen ein kleiner Pulk von 30 Menschen gebildet. An der Gastlichkeit des Ortes kann es kaum liegen: Der winzige, dunkle Gastraum wirkt wenig einladend, an der Wand blinken Spielautomaten um die Wette. Und wegen eines Kaffees sind die Leute auch nicht gekommen. Seine Anziehungskraft entfaltet dieser Treffpunkt in der Dortmunder Mallinckrodtstraße aus einem ganz anderen Grund. Bulgaren und Rumänen warten hier auf Kleinlaster, die sie als Tagelöhner auf Baustellen oder zum Möbelpacken bringen. Zwischen zwei Euro fünfzig und fünf Euro werden derzeit pro Stunde bezahlt. Jeden Tag wird hier das gleiche Spiel aufgeführt: Ab fünf Uhr postieren sich Menschen vor dem abgetakelten Albaner-Café und warten. Manche warten bis acht Uhr am Abend. Danach "tut sich nichts mehr", sagt Zalo. Der 26-jährige Bulgare steht fast jeden Morgen auf dieser Meile, die sie im Volksmund "Arbeitsstrich" nennen.

Hier in der Dortmunder Nordstadt unweit des Hauptbahnhofs leben fast 60 000 Menschen auf nicht einmal 1500 Hektar. Die einstige Arbeitervorstadt ist der am dichtesten besiedelte Ballungsraum im Ruhrgebiet. Auf engem Raum stehen hier Gründerzeithäuser in Straßen mit klangvollen Dichter- und Komponistennamen wie Goethe, Heine, Haydn, Mozart, Schiller und Schubert. Dazwischen finden sich auch verwahrloste Mietskasernen und Schrottimmobilien, Ein-Euro-Läden, Spielsalons und verschrammelte Internet-Cafés. Historisch war die Nordstadt immer der erste Anlaufpunkt Dortmunds für Einwanderer. Vor einem Jahrhundert kamen die polnischen Bergarbeiter, 50 Jahre später die Italiener, Spanier, Griechen und später die Türken, die vor allem ...

BZ-Archiv-Artikel

Einfach registrieren und Sie können pro Monat 5 Artikel kostenlos online lesen - inklusive BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 5 Artikel pro Monat kostenlos
  • BZ-Plus-Artikel lesen
  • Online-Zugriff auf BZ-Archiv-Artikel
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat
  • An 18 Standorten in Südbaden – von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten
  • Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.
  • Komfortable Anzeigenaufgabe und -verwaltung
  • Weitere Dienste wie z.B. Nutzung der Kommentarfunktion
  • Zugang zu mehreren Portalen der bz.medien: badische-zeitung.de, fudder.de und schnapp.de

* Pflichtfelder

Anmeldung

* Pflichtfelder

Meine BZ