Berlin-Pankow

Die neue Hausbesetzergeneration

Katja Bauer

Von Katja Bauer

Do, 12. Juli 2012

Deutschland

Als das Bezirksamt Berlin-Pankow einen Seniorenklub schließen wollte, hat es nicht damit gerechnet, dass die Alten aus Protest einziehen – sind sie aber.

Doris Syrbe ist ein bisschen blass im Gesicht, und sie hat ganz schön abgenommen. Sie kriegt wenig Schlaf im Moment, wie alle hier im Haus. Der Kampf zehrt. Aber er geht weiter, da ist die Rentnerin knallhart. "Wir gehen hier nicht weg." Mit "Wir" meint sie die wilden Alten aus Pankow, die bis vor kurzem einfach ein paar freundliche Senioren mit Freizeitgestaltung waren: Montags Skat oder Spanisch für Anfänger, dienstags Gymnastik, mittwochs Gedächtnistraining – alles veranstaltet in einer kleinen Villa in bester Lage im Berliner Osten.

Jetzt ist die Villa ein besetztes Haus. So steht es in handgemalten Buchstaben auf einem Transparent am Gartenzaun der Seniorenbegegnungsstätte, so ist es auf den gelben Flugblättern zu lesen, die der "Klubvorstand" unterzeichnet hat. "Wir bleiben, bis der Bagger kommt", heißt es da, und: "Lasst euch nicht auf die Straße setzen."

Doris Syrbe ist 72 Jahre alt, die Fernmeldeingenieurin hat 40 Jahre gearbeitet, und wenn man mal von den obligatorischen Aufzügen zum 1. Mai in der DDR absieht, dann hat sie noch nie an einer Demonstration ...

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