Zölibat-Debatte

Wie ein katholischer Pfarrer seine Tochter kennen lernte

Dominik Bloedner

Von Dominik Bloedner

Sa, 18. Januar 2014 um 00:00 Uhr

Deutschland

Ein katholischer Pfarrer aus Oberfranken will mit einem TV-Auftritt die Debatte um den Zölibat neu anstoßen. BZ-Redakteur Dominik Bloedner hat Stefan Hartmann getroffen.

Ein hübsches Fachwerkhaus, seit 1550 wird hier gebraut, das kleine Bier kostet 1,30 Euro. Freitags steht Fisch ganz oben auf der Speisekarte, in Oberfranken gehört sich das so. In der Stube des Brauereigasthofs Wagner steht der Wirt Klaus Bendner, ein Schnauzbartträger, hinterm Zapfhahn, überlegt kurz und sagt dann: "So ein Schmarrn, das mit dem Zölibat". Und dass der Herr Pfarrer es richtig gemacht hätte. Passt schon, sagen sie hier.

Wenige Tage zuvor beim Neujahrsempfang hat Oberhaids SPD-Bürgermeister Carsten Joneitis unter heftigem Applaus der Bürger Stefan Hartmann zu dessen "sehr, sehr gelungen Auftritt" gratuliert. Er sei derzeit "wohl der bekannteste Pfarrer Deutschlands". Ein bisschen Stolz schwingt mit. Oberhaid, das sind 1225 Jahre Geschichte, 4500 Seelen, 80 Prozent davon Katholiken, je zwei Fußball- und Musikvereine, die barocke Wallfahrtskirche St. Bartholomäus und eine weniger schöne Kirche aus den achtziger Jahren. Der verschlafene, nicht besonders pittoreske Ort liegt am Main und nur zehn Kilometer von der Weltkulturerbe- und Bischofsstadt Bamberg entfernt – nun redet ganz Deutschland über Oberhaid. Einigen geht der Rummel inzwischen ein bisschen zu weit, einige meinen, dass das mit dem Fernsehen nicht unbedingt hätte sein müssen. Sie, die Oberhaider, waren alles andere als überrascht, als Stefan Hartmann vorige Woche bei der SWR-Sendung "Nachtcafé" vor 1,02 Millionen Zuschauern von seiner Tochter Katharina erzählt hat. Sie wussten es schon seit 2008.

Es war keine Fernsehbeichte, auch wenn einige Medien das so genannt haben. "Nein, kein Outing", darauf besteht Stefan Hartmann, 59 Jahre alt. Für ihn war es ein Weckruf, der Ausdruck der Hoffnung, dass sich mit Papst Franziskus nun etwas ...

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