Sterbehilfe in Deutschland

Hermann Vetter und sein eigener Wille

Christine Keck

Von Christine Keck

Sa, 12. April 2014

Deutschland

Ein Mann will selbst über seinen Tod entscheiden – darf er das? Die Debatte um die Sterbehilfe ist in Deutschland wieder in vollem Gange.

Übers Sterben spricht Hermann Vetter wie andere über die Vorbereitung einer Geburtstagsfeier. Er ist ein bisschen aufgeregt, hat alles genau geplant und ist erleichtert, dass er mit den Vorbereitungen nicht alleingelassen wird. "Ich will selbstbestimmt mein Leben beenden", sagt der 81-Jährige, der sein weißes wildes Haar mit einer Kordel am Hinterkopf gebändigt hat. Einzelne Strähnen des Pferdeschwanzes tänzeln im Windstrom des elektrischen Heizlüfters.

Selbst im Winter heizt Hermann Vetter, Philosoph im Ruhestand, in seinem Haus in der Nähe von Heidelberg nur die kleine Küche, die anderen Zimmer bleiben kalt. Das spart Ressourcen und ist praktisch, denn Vetter verbringt sowieso viel Zeit am Küchentisch. Dort steht sein rotes Telefon, daneben klappt er den Laptop auf und holt sich die Welt zu sich nach Hause. Seine Ausflüge werden immer seltener. "Nach dem letzten Spaziergang tat mir alles weh", erzählt Vetter, der stolz darauf ist, noch keine Schmerztabletten nehmen zu müssen. Nur die Luft geht ihm ständig aus, selbst die paar Schritte durch den Wintergarten die Treppe hinunter bis zur Haustür strengen ihn mächtig an. Eine Lungenerkrankung hat der Arzt diagnostiziert, unheilbar, wohl als Folge seines Asthmas. Manchmal geht er tagelang nicht mehr raus. "Das macht nichts", sagt Vetter und es klingt gar nicht sonderlich betrübt, "die Weichen sind sowieso gestellt."

Schon seit Jahren verfolgt Vetter jede Verästelung der Sterbehilfedebatte. Er weiß, dass zwei Drittel der Deutschen bei einer schweren Erkrankung Hilfe beim Suizid haben wollen und ein Drittel der Ärzte dazu auch bereit wäre. Er weiß, dass assistierter Suizid in Deutschland straffrei ist, und hat sich aus dem Netz die Adresse von Sterbehilfe Deutschland geholt, dem Verein, der als einziger Suizidbegleitung in Deutschland anbietet. "Ich bin sofort Mitglied geworden", erzählt Vetter. Er zahlte 2000 Euro für eine Lebensmitgliedschaft ...

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