Die Ambivalenz des Abschieds

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 11. April 2021

USC Eisvögel

Isabel Fernandez und Hanna Ballhaus, Trainerinnen des USC Freiburg, verlassen den Frauen-Basketball-Bundesligisten.

Mit dem vorzeitigen Ausscheiden in den Playoffs endet für die Bundesliga-Basketballerinnen des USC Freiburg nicht nur die Saison, sondern auch eine Ära: Das Trainerduo aus Isabel Fernandez und Hanna Ballhaus macht nach zwei, beziehungsweise drei Jahren Schluss – trotz großer Sympathien trennen sich die Wege. Was steckt dahinter?

Redet Hanna Ballhaus über ihren Abschied vom USC Freiburg, klingt sie so wechselhaft wie das Wetter im mal verregneten, mal sonnenverwöhnten April. Das ist nicht despektierlich gemeint. Die 39-jährige Trainerin der Eisvögel besitzt die Gabe, ambivalente Gefühle eloquent verpackt zum Ausdruck zu bringen. Und dennoch hört man ihr an, dass sie ihren Weggang aus Freiburg am späten Mittwochnachmittag noch verarbeitet.

"Am Ende waren wir schon auch desillusioniert vom deutschen Frauenbasketball", sagt Ballhaus, die stets in Wir-Form spricht, wenn es um ihre Zeit in Freiburg geht. Vor drei Jahren wechselte sie aus der spanischen zweiten Liga nach Freiburg. Eine Saison später zog ihre Partnerin, Isabel Fernandez, in den Breisgau nach.

Seitdem haben sie zusammen die Geschicke der Eisvögel gelenkt, zwei ordentliche Spielzeiten hingelegt und vor allem in der Jugendarbeit Akzente gesetzt. Als jüngstes Team der Liga schafften die Freiburgerinnen diese Saison den Einzug in die Playoffs. Hier war zwar vor einer Woche gleich im Viertelfinale gegen Herne Schluss. Dem Tabellenzweiten der Hauptrunde war der Tabellensiebte Freiburg kaum gewachsen. In beiden Partien gegen den Vorjahresmeister waren die Eisvögel chancenlos. Dennoch sagt Harald Janson, der Sportliche Leiter: "Unter den Gegebenheiten der Pandemie bewerte ich die Saison ausschließlich positiv." Kein positiver Corona-Fall in der gesamten Saison, kaum langfristige Verletzungen, große Entwicklungssprünge bei den jungen Spielerinnen: "In einer Saison wie dieser muss man diese positiven Dinge hervorstellen, Negatives wird ohnehin genug diskutiert", findet Janson.

Schnell in der ersten Liga angekommen

Der große Trumpf der Eisvögel war das schnelle Sich-Finden in dieser Saison. In der ersten Spielzeit mit nur drei Profis – anstatt wie sonst vier – trumpften insbesondere die jungen Spielerinnen auf. Unterm Korb sorgten die US-Amerikanerin Cassidy Boensch und Emilly Kapitza für Rebounds. Auf der Aufbau-Position machte die ehemalige Jugendnationalspielerin Pauline Mayer den wohl größten Sprung. Die nötige Treffsicherheit steuerte häufig Liga-Topscorerin Daneesha Provo bei, wobei die Leistungskurve der Dreierspezialistin aus Kanada vor den Playoffs aber nach unten ging. Auch die erst 17-jährige, vor der Saison aus Ludwigsburg geholte Maria Konstantinidou machte auf den Innenpositionen auf sich aufmerksam.

Zurück aber zur Desillusion und zu den ambivalenten Abschiedsgefühlen beim scheidenden Trainerduo: "Die Pandemie hat gezeigt, welch strukturelle Defizite der deutsche Frauenbasketball hat. Hier fehlen die Visionen, die Entwicklung, die Perspektiven. Am Ende war deswegen bei uns auch ein wenig die Luft raus." Letztlich war die Frustration des Eisvögel-Trainerduos über den strukturell-administrativen Bereich der Liga derart groß, dass selbst die großen Sympathien für den Verein sie nicht zum Bleiben bewegen konnten. "So abgedroschen es klingt, wir gehen im absolut Guten auseinander", sagt Ballhaus über ihren Abschied, "wir haben uns hier bei den Eisvögeln stets sehr wohlgefühlt und sind froh, hier so viel bewegt zu haben."

"Man hat schon im Januar gemerkt, dass die Zeichen auf Abschied standen", gesteht indes Sportchef Janson, der die gute Arbeit seiner Trainerinnen lobt: "Wir gehen traurig und dankbar auseinander."

Jetzt geht es zurück nach Spanien

Wie es für die beiden Trainerinnen weitergeht, ist noch offen. Gerne würden sie erneut im Duo tätig werden. Fest steht, dass sie dies in Spanien tun wollen. Vorerst zieht es sie nach León, wo sich Ballhaus und Fernandez einst kennenlernten und noch immer eine Eigentumswohnung besitzen.

Für Harald Janson hingegen hat die Suche nach einer Nachfolgelösung begonnen. Überhaupt hat der Sportliche Leiter der Eisvögel derzeit viel zu tun. Sponsorengespräche, Vertragsverlängerungen, Neuzugänge – all das will geklärt sein, damit im Herbst die 21. Bundesliga-Saison der Freiburgerinnen gesichert werden kann. Handfestes können sie noch nicht vermelden. Doch Janson ist sich sicher: "Wir werden auch dieses Jahr die richtigen Leute für unser Team finden." Der Neuanfang nach dem Abschied: Für die Eisvögel hat er bereits begonnen.