"Die beste Orgel, die es weit und breit gibt"

Ilona Hüge

Von Ilona Hüge

Di, 22. Oktober 2019

Riegel

Kirchenmusikdirektor Georg Koch begeisterte am Sonntag mit seinem Konzert auf der generalüberholten Riegner-Friedrich-Orgel in der Riegeler Pfarrkirche.

RIEGEL. An der Orgel in Sankt Martin können wieder alle Register gezogen werden. Georg Koch, Organist, Bezirkskantor in der Bodenseeregion, Orgelsachverständiger und seit wenigen Tagen Träger des Ehrentitels Kirchenmusikdirektor der Erzdiözese Freiburg, gab am Sonntag ein Konzert an dem generalüberholten Instrument. Es gehörte zur Reihe "Heimspiele" des Musikforums Kaiserstuhl.

Für Georg Koch ist die Riegner-Friedrich-Orgel "die beste Orgel, die es weit und breit gibt". Sie wurde neu gebaut und im März 1991 mit einem Konzert eingeweiht. Georg Koch war damals Kirchenmusiker in Riegel und spielte zur Einweihung die "Echo Fantasia" des Komponisten Sweelinck. Mit diesem Stück begann er auch das Konzert am Sonntag.

Die Orgel wurde nach 28 Jahren im Dienst generalüberholt. "Sie ist jetzt wieder komplett funktionsfähig", sagte Michele Savino, Kirchenmusiker der Seelsorgeeinheit Nördlicher Kaiserstuhl. Rund 30 000 Euro kostete die Generalüberholung. Die Seelsorgeeinheit brachte sie dank vieler Spender zusammen. Die Spendenaktion lief über mehrere Jahre.

Während bei der jährlichen Wartung der Orgel in der Regel nur gestimmt wird, gab es bei der Generalüberholung umfassende Arbeiten. Alle Pfeifen wurden gereinigt, die Traktur reguliert, Windkanäle und Lieder überprüft. "Jetzt funktionieren auch wieder alle Register", sagte Savino. Ein wenig Nacharbeit ist noch nötig: Georg Koch entdeckte beim Test ein Dröhnen bei einem tiefen Ton. Der Orgelsachverständige formulierte die Ursache allgemein verständlich: "Zickigkeiten an der Zunge" seien es, sagte der Organist und Sachverständige. Er zählte es zu den "Feinheiten", und solche kann es an einem Instrument wie der Orgel immer geben, zum Beispiel, wenn sich auch die Temperaturen ändern.

Wie klang sie nun, die renovierte Orgel? Die Antwort fiel nach dem Konzert nicht schwer: Mit Georg Koch an Tasten, Pedalen und Register war es einfach super. Die hellen Töne kamen frisch und klar, das festgestellte Dröhnen – die ersten Besucher im Kirchenschiff hatten es noch gehört – blieb unter der Hand des Meisters im Bereich von kaum bis fast gar nicht bemerkbar. Die Musikauswahl war so angelegt, dass die Orgel sich und ihre Klangwelt so umfassend wie möglich präsentieren konnte.

In der "Pavana con su Glosa" von Antonio Cabezon gab es Töne, die sonst im Kirchenalltag nicht gebraucht werden. Schiedemanns "Magnificat octavi toni" war ein erster Höhepunkt im Konzert. Böhms "Partita", über die Arie "Jesu, du bis allzu schöne" zeigte die Orgel unter anderem mit feinen hellen und warmen Flötentönen und sehr leisem Spiel. Viele klangvolle Überraschungen hielten die "Passacagli" von Georg Muffat aus dem Jahr 1690 bereits, die stellenweise sehr modern wirkten.

Nach zwei Bearbeitungen von "nun bitten wir den Heiligen Geist" aus der Feder von Dietrich Buxtehude kam der absolute Höhepunkt des Konzerts. Georg Koch spielte eine "Passacaglia" (BWV 582) von Johann Sebastian Bach. Er begann sehr breit und getragen, steigerte sich zu einem fast schwindlig machenden Schlussteil und behielt trotzdem ein Spiel bei, in dem immer deutlich die Strukturen der Musik zu hören waren.

Einfach beeindruckend, fanden die Besucher in der Riegeler Pfarrkirche St. Martin und dankten dem Musiker zum überwiegenden Teil mit standing ovations. Der gebürtige Endinger Georg Koch bedankte sich beim "Heimspiel 9" des Musikforums Kaiserstuhl an der Riegeler Orgel mit zwei Zugaben.