Die Gewalt beginnt mit sprachlicher Ausgrenzung

Marlies Krämer (Sulzbach/Saar)

Von Marlies Krämer (Sulzbach/Saar)

Mo, 01. März 2021

Mit der sprachlichen Ausgrenzung beginnt die patriarchale Ausbeutung von Frauen. Deshalb freue ich mich, dass die Diskussion für die geschlechtergerechte Sprache so an Fahrt gewinnt, und hoffe auf die überfällige Beendigung des ausschließlich generischen Maskulinums, das per se verfassungswidrig ist, weil es Frauen sprachlich ausgrenzt. Damit wird auch der Gleichheitsgrundsatz in Artikel 3 Grundgesetz ad absurdum geführt.

Folglich ist das integrierende generische Femininum die einzige verfassungskonforme Sprache, weil darin Frau und Mann paritätisch vertreten sind. Wenn wir das "-in" zuhalten, ist der Mann immer noch existent. Die Uni Leipzig praktiziert das generische Femininum bereits seit 2013.

Die Sprache ist unser wichtigstes Integrationsmittel und unser höchstes Kulturgut. Sie ist der Ausdruck von Denken, Fühlen, Reden, Tun und Handeln. Aber wir Frauen kommen in unserer Muttersprache nicht vor. Als gäbe es uns gar nicht. Obwohl wir mit 52 Prozent die Mehrheit der Bevölkerung darstellen. Die sprachliche Ausgrenzung ist somit die erste Gewalt, die uns Frauen angetan wird. Deshalb kann auch die Frage von Herrn Hupka – "Bringt eine Sprachreform wirklich mehr Fairness?" – nur mir einem lauten "Ja" beantwortet werden.

Marlies Krämer, Sulzbach/Saar