Die Offenburger sollen mitreden

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Mo, 10. August 2020

Offenburg

Stadt bringt einen "Masterplan Verkehr Offenburg 2035" auf den Weg / Drei bis fünf Büros werden aufgefordert, Angebote abzugeben.

. Die Stadt nimmt jetzt eine gute halbe Million Euro in die Hand, um mal wieder einen neuen Generalverkehrsplan für die Stadt zu entwerfen. Er soll "Masterplan Verkehr Offenburg 2035" heißen, alle Arten von Verkehr und die dafür notwendigen Projekte berücksichtigen, zumal die besonders klimafreundlichen. Das führt auch zu einem höheren Fördersatz. Ein Projektbüro soll den Prozess begleiten. Die Bevölkerung, so der innige Wunsch des Gemeinderates, soll sich aufgefordert fühlen, Ideen einzubri

ngen.

Lang, lang ist’s her, rund ein Vierteljahrhundert. Der Oberbürgermeister hieß noch Wolfgang Bruder und der Baubürgermeister Erhard Borgards, als erstmals die Idee eines Integrierten Verkehrskonzeptes geschmiedet wurde, eines Leitbildes für die künftige Verkehrsplanung. Mit dessen Verabschiedung hat der Gemeinderat 1996 – Horst Kiefert war da bereits Baubürgermeister – eine wichtige Grundsatzentscheidung getroffen. Ziel war es damals, den "Umweltverbund" verstärkt zu fördern, also den Fußgänger-, Rad- und öffentlichen Personennahverkehr. Der Autoverkehr sollte zurückgehen. Auf 2010 hochgerechnet, sollten die einzelnen Anteile sich wie folgt entwickeln:

Fußgänger und Fahrradfahrer sollten in etwa den Anteil von zusammen 47 Prozent an allen "Wegbeziehungen" behalten, der Linienbusverkehr sollte von vier auf zehn Prozent zulegen. Umgekehrt sollte der Pkw-Anteil an allen Wegbeziehungen von 49 Prozent im Jahr 1994 auf 43 Prozent im Jahr 2010 reduziert werden. In der Tat: Die Anteile haben sich bis dahin verschoben – und auch in den weiteren zehn Jahren bis 2020. Wobei anzumerken ist, dass zum einen die Bevölkerung in den vergangenen rund zweieinhalb Jahrzehnten deutlich gewachsen ist und schon von daher die Mobilität zugenommen hat: 1994 sprach man noch von täglich 130 100 Wegbeziehungen. In der Folgezeit wurden es Zehntausende mehr.

Mit dem Integrierten Verkehrskonzept verbunden waren auch der Bau des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) im Jahr 2000, die Gründung des Schlüsselbussystems oder der Ausbau des Radwegenetzes. 1998 hat der Gemeinderat gleich ein ganzes Paket an Maßnahmen beschlossen: Dazu zählten auch der Messekreisel, die Schließung von Radwegelücken, die Einrichtung einer Busgegenspur in der Fußgängerzone, der Bau des Schienenhaltepunkts Kreisschulzentrum, der Bau eines vierten Bahnsteigs im Bahnhof Offenburg, die Verlängerung der Südunterführung am Bahnhof, die Taktverdichtung im Schlüsselbusverkehr.

Längst geplant, aber noch immer nicht realisiert: der Autobahnanschluss Offenburg-Süd und ein Schienenhaltepunkt Landratsamt/Messe.

Und jetzt also, als moderne Fortsetzung, der Masterplan, in den alle möglichen Ideen einfließen sollen, wobei der Gemeinderat aktuell gerne der Empfehlung von Thilo Becker, Fachbereichsleiter Tiefbau und Verkehr, folgte, die hohen "Standards eines Klimamobilitätsplans" einzuhalten. Der Plan soll grundsätzlich eine mittel- und langfristige Strategie zur Entwicklung und Steuerung von Mobilität und Verkehr in der Stadt sein, zudem alle relevanten Verkehrsmittel berücksichtigen und einen Maßnahmenkatalog erstellen, in den sowohl alle Bauprojekte einfließen wie auch "weiche Maßnahmen", Mobilitätsmanagement etwa oder Finanzierung. Ziel ist, alles, was an Ideen einfließt, zu priorisieren, und diese bis 2035 zu realisieren. Um den höchstmöglichen Fördersatz von 75 Prozent zu erreichen, sei im Normalfall, so Becker, ein "Klimamobilitätsplan" notwendig.

Laut Baubürgermeister Oliver Martini werde man "drei bis fünf Büros" auffordern, ein Angebot abzugeben. Außerdem "werden wir uns zu bestimmten Fragen immer wieder Experten holen".

Vom Plan zeigte sich Karin Jacobsen (Grüne) überzeugt: "Wir sehen bereits zeitnah Handlungsbedarf: in der Vermeidung von Lkw- und Pkw-Verkehr."Auch die anderen Fraktionssprecher stimmten dem Plan zu, Albert Glatt (CDU), Angi Morstadt (Freie Wähler), Roland Müller (FDP), Taras Maygutiak (AfD) und Heinz Hättig (SPD). Letzterer wies zudem darauf hin, dass mit dem Klinikneubau, dem Bahnhof und dem Rée Carée sich in punkto Verkehrsströme viel ändern werde.