Altenpflege

Was sich die Pflegeheimleiter im Landkreis Lörrach wünschen würden

Daniel Gramespacher

Von Daniel Gramespacher

So, 26. Mai 2019 um 10:00 Uhr

Lörrach

Die Pflegeheimleiter im Kreis vermissen bei der Fachkräftegewinnung die Unterstützung der Politik. Die Verordnung zu Doppelzimmern belastet die Heime, ebenso die Bürokratie.

Ausbildungsvergütungen weit über dem vorgesehenen Minimum und eine bessere Personalausstattung: Nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft der Pflegeheimleiter im Landkreis haben sich die Arbeitsbedingungen in den Heimen in den vergangenen Jahren verbessert. "Ohne großen Wurf, aber in kleinen Schritten", sagte AG-Sprecher Wolfram Uhl am Freitag vor der Presse. Wären da nicht die überbordende Bürokratie und der schlechte Ruf. Hier setzt die AG auf die Politik. Ebenso bei der Verordnung, die zum 1. September Doppelzimmer weitgehend untersagt.

Landesheimbauverordnung

Beschlossen wurde die neue Landesheimbauverordnung zwar bereits 2009. Die Richtlinie mit den konkreten Vorgaben sei aber erst 2014 gekommen. Das habe etliche Einrichtungen Träger in Schwierigkeiten gebracht, berichteten Uhl, Geschäftsführer des Mühlehofs in Steinen, sowie Marita Steinebrunner vom Altenpflegeheim Todtnau und Alexander Kreet vom Luise-Klaiber-Haus in Kandern aus der jüngsten Sitzung der AG. Umbauten im Bestand seien langwierige Prozesse, die verbleibende Übergangszeit von fünf Jahren eher kurz.

Zwar gibt es das Instrument der befristeten Befreiung, wenn etwa Baupläne vorliegen oder die Arbeiten bereits begonnen haben, wissen Steinebrunner und Kreet. Ebenso kann die Übergangsfrist, angepasst an einen Finanzierungszeitraum von 25 Jahren, verlängert werden. So darf sich der Mühlehof bis 2036 Zeit lassen, um seine Doppelzimmer abzubauen. Es gibt aber auch K.o.-Kriterien, wie eine minimale Zimmerbreite von 3,10 Meter. Schon fünf Zentimeter weniger würden nicht mehr akzeptiert. Die AG setzt darauf, dass das Land die zehnjährige Übergangsfrist, die Ende August endet, verlängert.

Denn die Verordnung schaffe nicht nur wirtschaftliche Schwierigkeiten. Auch die Versorgung verschlechtere sich, fallen doch etliche Plätze in der stationären Pflege weg.

Fachkräftemangel

Schon heute fehlten in diesem Bereich kreisweit rund 300 Plätze, sagt Uhl. Andererseits seien 100 vorhandene Plätze gar nicht belegt, weil es an Fachkräften mangelt. "Das ist unser Hauptproblem", betonen die drei AG-Sprecher unisono. Sie beobachten und erwarten, dass nicht mehr so viele Altenpflegekräfte in die Schweiz abwandern, weil sich jenseits der Grenze die Bedingungen verändert hätten. Der Beruf habe trotz verbesserter Bedingungen hierzulande immer noch einen schlechten Ruf, stellt Steinebrunner fest. Da erwartet sie mehr Unterstützung von der Politik in Land und Bund.

Zwar werde den Heimen inzwischen mehr Personal etwa für Praxisanleitung und Qualitätssicherung zugestanden. Auf der anderen Seite ist der Dokumentationsaufwand enorm gestiegen. Ob alle, teils sehr bürokratischen Vorgaben, die Zeit für die Pflege am Menschen rauben, eingehalten werden, werde in den Heimen streng und häufig, etwa von Heimaufsicht und Medizinischem Dienst der Krankenkassen, kontrolliert. Steinebrunner, die auch viele Jahren im Krankenhaus tätig war, macht hier eine Ungleichbehandlung aus. In den Kliniken werden viel weniger kontrolliert. Oft kämen Bewohner von Klinikaufenthalten mit neuen gesundheitlichen Problemen zurück, bestätigt Uhl. Hier drängt die AG auf einheitliche Kontrollen im Sinne einer insgesamt besseren Gesundheitsversorgung.

Nachwuchsgewinnung

Keine Sorgen machen sich die Heimleiter wegen der ab 2020 vorgesehenen Mindestvergütung für Auszubildende von 515 Euro im Monat. Nach Tarif zahlen laut Uhl schon jetzt etwa zwei Drittel der Träger im ersten Lehrjahr 1140 Euro. Auch private Träger vergüteten 900 und mehr Euro, ergänzte Kreet. Kritisch sieht der Heimleiter aus Kandern die künftig generalisierte Ausbildung in der Pflege – für Alte und für Kranke. Diese erschwere Hauptschülern den Zugang zum Beruf und werde die Nachwuchsgewinnung nicht gerade erleichtern.

Perspektiven

Um das Versorgungsproblem in den Griff zu bekommen, sieht die AG etliche gute Ansätze. Etwa den deutlichen Ausbau der Tagespflege, die pflegende Angehörige entlastet. Der Kreis geht inzwischen auch aktiv das Manko an Kurzzeitpflegeplätzen an. Nach Uhls Einschätzung fokussierten sich die Debatten zu sehr auf die beiden Alternativen "Zu Hause" und "Pflegeheim". Notwendig wäre ein deutlich intensiverer Ausbau von Zwischenstufen, wie das Servicewohnen. Darüber ließen sich auch die aufgrund der Heimbauverordnung wegfallenden Plätze in Doppelzimmern ein Stück weit ausgleichen.