BZ-Hautnah

Experte gibt am Mittwoch in Emmendingen Tipps zum Schutz vor Einbrechern

Patrik Müller

Von Patrik Müller

Fr, 24. Mai 2019 um 07:56 Uhr

Emmendingen

Der Kriminalhauptkommissar Frank Erny gibt bei einer BZ-Veranstaltung am Mittwoch Tipps zum Schutz vor Einbrechern. Noch sind Plätze frei. Ein Interview.

BZ: Herr Erny, Sie beraten Menschen, wie sie sich vor Einbrechern schützen. Können Sie noch durch die Stadt laufen, ohne an die Arbeit zu denken?

Erny: Ich ertappe mich immer wieder mal, dass ich daran denke, wie ungesichert ein Haus ist und wie einfach es wäre, jetzt mal schnell einzubrechen. Vielen Häusern sieht man es an, dass die Bewohner im Urlaub sind – die Rollläden sind tagsüber zum Beispiel geschlossen, die Fenster aber gekippt.

BZ: Sagen Sie dann auch mal was?
Erny: Es gibt tatsächlich Kollegen, die vor allem im Winter auf Präventionsstreife gehen. Die laufen von Haus zu Haus und sprechen mit den Leuten. Die Rückmeldungen sind sehr positiv.

BZ: Wie oft werden Ihre Kollegen für falsche Polizisten gehalten?

Erny: Die müssen schon mal ihren Ausweis vorzeigen. Wir achten aber auch immer darauf, dass mindestens ein Kollege in Uniform dabei ist.

BZ: Suchen sich Einbrecher ihre Ziele danach aus, wo sie leicht reinkommen? Oder gucken sie eher, wo sich der Einstieg lohnen könnte, weil zwei teure Autos vor dem Haus stehen?

Erny: Es gibt mehrere Studien, bei denen verurteilte Einbrecher im Gefängnis befragt wurden. Die Antworten waren eindeutig: Die Täter schauen, wo sie schnell und unbemerkt einsteigen können – und nicht, wo vielleicht viel zu holen ist.

BZ: Bei Ihnen daheim haben es auch mal Einbrecher versucht. Hat das etwas bei Ihnen verändert?

Erny: Ich war damals schon im Bereich Prävention tätig, die Sensibilität hat sich aber eher noch verstärkt. Die Täter haben nachts eine Scheibe eingeschlagen, um an den Türgriff zu kommen. Das hat aber nicht geklappt. Meine Frau hat es gehört und mich geweckt. Ich bin hochgeschreckt, habe mich dann aber besonnen und bin nicht gleich runtergerannt – durch das Fenster habe ich die Täter dann wegrennen gesehen.

BZ: Haben Sie etwas falsch gemacht, weil die Einbrecher es versucht haben? Oder alles richtig, weil diese gescheitert sind?

Erny: Ich habe alles richtig gemacht. Die Fenster waren mit Folie gesichert und nicht zu zerschlagen, der Schlüssel steckte nicht im Schloss.

BZ: Welche Tipps gibt es noch?

Erny: Am einfachsten sind Verhaltenstipps, die kosten nichts. Oft hilft es schon, die Anwesenheit vorzutäuschen. Einbrecher wollen es einfach haben. Sie beobachten ein Haus auch nicht stunden- oder tagelang, sie laufen vorher eher mal vorbei und machen ein Foto.

BZ: Bringen Warnung-vor-dem-Hunde-Schilder etwas?

Erny: Ja, die Täter wollen keinem Hund begegnen. Wir haben im Präsidium ein Jahr lang jeden Einbruch im Nachhinein ausgewertet – bei keinem der Häuser hing so eine Warntafel.

BZ: Nutzt sich der Effekt nicht ab, wenn überall so ein Schild hängt?

Erny: Die Täter wollen aber auch nicht herausfinden, ob da jetzt wirklich ein bissiger Hund in dem Haus lebt oder nicht. Sie sind recht einfach gestrickt, sie wollen schnell rein und schnell wieder raus. Wenn das nicht funktioniert, sind sie weg. In 46 Prozent der Fälle bleibt es beim Versuch. Die meisten Einbrecher sind auch nur mit einfachem Werkzeug ausgestattet. Mit einem Schraubendreher fällt man nicht auf und öffnet ein ungesichertes Fenster auch in sieben Sekunden. Komplizierteres Werkzeug wie Glasschneider setzen Kriminelle eigentlich nur im Fernsehen ein. Wie soll das funktionieren? Bei einem Fenster mit Dreifachverglasung müssen sie drei kreisrunde Löcher in drei Größen machen. Das ist Aufhebeln wirklich leichter.

Frank Erny ist Kriminalhauptkommissar, 52 Jahre alt und lebt in Kappel-Grafenhausen. Er arbeitet bei der Beratungsstelle der Kriminalpolizei, die auch kostenlose Vor-Ort-Beratungen anbietet. Kontakt: Tel. 0761-29608-25.

Termin: Die BZ-Hautnah-Veranstaltung findet statt am Mittwoch, 29. Mai, 18 Uhr im Alten Rathaus am Marktplatz. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, telefonische Anmeldungen werden angenommen unter Tel. 0800 / 22 24 22 431 (gebührenfrei, Montag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr).