Die unsichtbare Gefahr aus dem Erdreich

Dierk Knechtel

Von Dierk Knechtel

Di, 12. November 2019

Offenburg

Das natürliche Gas Radon kann die Gesundheit schädigen / Kampagne der Landesanstalt für Umwelt soll aufklären und anregen.

OFFENBURG. Es kommt aus dem Erdreich und dringt in Gebäude. Radon kann in hohen Dosen Krebs verursachen. Das neue Strahlenschutzgesetz schreibt daher erstmals Maßnahmen gegen Radon in Gebäuden vor. Im Rahmen der Kampagne "Schutz vor Radon" informierte Alexander Eisenwiener von der Landesanstalt für Umwelt mit einem Vortrag im Technischen Rathaus in Offenburg über Gefahren und Gegenmaßnahmen.

Radon zerfällt rasch und strahlt dabei radioaktiv. In dreieinhalb Tagen hat es die Hälfte seiner Masse verloren. Die Zerfallsprodukte, die übrig bleiben, sind dauerhafter und selbst radioaktiv. Unter anderen sind dies Metalle, Blei ist eines davon. Über die Atemluft gelangen sie in die Lunge und können sich dort ablagern. Ihre Strahlung kann die DNA des umgebenden Gewebes schädigen und so Lungenkrebs hervorrufen. Die amtliche Statistik geht bei Nichtrauchern davon aus, dass von 10 000 Sterbefällen bis zu 93 von Radon verursacht werden, je nach örtlicher Strahlenbelastung. Bei Rauchern steigt das (zusätzliche) Radon-Risiko etwas stärker an, je höher die Radonkonzentration ist.

Radon kommt in unterschiedlichen Dosen überall vor, ist aber im Freien unproblematisch, weil es sich sofort verflüchtigt. In Gebäuden kann es dagegen schaden, je nachdem, wie oft Räume genutzt und gelüftet werden. Das natürliche Edelgas dringt durch Öffnungen derjenigen Gebäudeteile, die das Erdreich berühren, ins Innere. Der wirksamste Schutz vor Radon besteht deshalb darin, die Gebäudehülle dicht zu machen. Risse im Fundament können mit speziellen Folien, Durchlässe für Rohre oder Kabel mit Dichtmasse verschlossen werden. Wer einen gestampften Naturboden im Keller hat, sorgt dort für gute Lüftung und baut an der Kellertreppe strömungsdichte Türen ein. Denn Radon verteilt sich, obwohl schwerer als Luft, mit aufsteigender Warmluft im ganzen Gebäude. Untersuchungen belegen erhöhte Radonwerte in den Morgenstunden, wenn die Heizung angelaufen ist. Generell nimmt Radon in den oberen Stockwerken ab.

Die Konzentration des Gases in der Raumluft kann mit so genannten Kernspurdosimetern gemessen werden. Das sind Plastikkapseln, die wie Ameisendosen aussehen. Es gibt sie bei zertifizierten Messlaboren (Adressen beim Bundesamt für Strahlenschutz). Sie werden in den meistgenutzten Räumen wie Arbeits-, Schlaf- und Wohnzimmer ausgelegt. Dort verbleiben sie für ein Jahr, um alle jahreszeitlichen Schwankungen einzufangen. In dieser Zeit sei es wichtig, so Alexander Eisenwiener, Nutzungs- und Lüftungsverhalten nicht zu ändern. Nach einem Jahr werden die Kapseln zur Auswertung ins Labor geschickt.

Die durchschnittliche Radonkonzentration in Gebäuden liege aktuell bei 50 Becquerel pro Kubikmeter, sagte Eisenwiener. Ab einem Wert von 300, dies ist der nationale Referenzwert, empfiehlt der Gesetzgeber Schutzmaßnahmen.

Neben dem erwähnten Abdichten zählt dazu vermehrtes Lüften. Die Entscheidung darüber obliegt im Privatbereich jedem Einzelnen. Für Arbeitsplätze im Keller- oder Erdgeschoss von Gebäuden in besonders betroffenen Gebieten schreibt das Gesetz bereits jetzt Prüf- und Schutzpflichten vor. Eine Kartierung dieser Gebiete werde bis Ende nächsten Jahres vorliegen. Dort werde es in künftigen Ausschreibungen dann auch Anforderungen zum Schutz vor Radon geben.

Informationen zu Radon im Internet: http://www.radon-lubw.de, http://www.bfs.de