Die vereinigten Saaten

Markus Wanzeck

Von Markus Wanzeck

Sa, 12. Januar 2019

Ausland

BZ-Plus Der womöglich wertvollste Schatz der Welt liegt in einem Bunker in der Arktis – eine Million Samen von Nutzpflanzen /.

Auf Norwegisch heißt Spitzbergen Svalbard, und das wiederum bedeutet auf Deutsch "Kühle Küste". Ein beschönigender Name für ein paar Hundert Inseln und Felsen, die als eisige Wellenbrecher aus dem Nordpolarmeer ragen – Jahresdurchschnittstemperatur minus sieben Grad Celsius. Auf der Hauptinsel (die auch auf Norwegisch Spitsbergen heißt) leben nicht einmal 3000 Menschen. Die meisten von ihnen im ehemaligen Kohlekumpeldorf Longyearbyen, dem nördlichsten Ort der Welt, den man per Linienflug erreichen kann. Eisbären sind auf Svalbard weit häufiger anzutreffen als Menschen.
Spitzbergen ist ein abgelegener, wahrlich unwirtlicher Flecken Erde. Ideal für ein Projekt, bei dem ein bisschen Indiana Jones mitschwingt und ein bisschen Raumschiff Enterprise: ein Bunker im ewigen Eis, in dem der womöglich wertvollste Schatz der Welt liegt. Ein Archiv, tief im Berg, das die Hoffnungen auf den Fortbestand der Menschheit wahrt, sollten dereinst kosmische Katastrophen, verheerende Kriege oder die Folgen des zu lange zu locker genommenen Klimawandels mit ungeahnter Wucht über sie hereinbrechen.
Der Bunker liegt unterm Platåberget, dem Plateauberg, der über dem Flughafen von Longyearbyen thront. In ihm lagern weder Waffen noch Gold, sondern Nutzpflanzensaaten aus allen Ecken der Erde. Der "Weltsaatgut-Tresor" besteht aus drei Kammern, jede rund fünf Meter hoch, 9,5 Meter breit und 27 Meter lang, und ist durch einen 120-Meter-Tunnel mit der Außenwelt verbunden. 60 Meter unterhalb der Bergkuppe, bombensicher. 130 Meter über dem Meer, einiges höher als die Worst-case-Vorhersagen für den Wasseranstieg durch den Klimawandel – auch dieser Aspekt sprach für den Ort. Und, klar, die Kälte der "Kühlen Küste": Der Permafrostboden sorgt mit seinen minus 3,5 Grad Celsius dafür, dass die Saaten zumindest nicht auftauen, sollte einmal der Strom ausfallen, mit dem der Bunker auf minus 18 Grad Celsius herunterkühlt wird. Allerdings macht der Klimawandel jetzt schon Probleme. Immer wieder dringt Wasser in den Eingangstunnel ...

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