Die Vielfalt in Person

Stefan Franzen

Von Stefan Franzen

Mo, 25. März 2019

Rock & Pop

Golnar Shahyar tritt in Sulzburg und Freiburg auf.

Als Begegnung zweier musikalischer Parteien hat das E-Werk Freiburg die Reihe "Klangformator" etabliert. Im siebten Kapitel treffen drei Musiker aus der Region auf die persische Sängerin Golnar Shahyar, die für sich selbst schon stilistische Vielfalt verkörpert. Shahyar stammt aus Teheran und musste sich wie viele Künstlerinnen des Landes, die nach Freiheit im Ausdruck streben, fürs Exil entschieden. Ihren Lebensschwerpunkt hat sie heute in Wien, wo sie Jazzgesang und Musikpädagogik studierte. In Besetzungen von Solo über Duo bis zur Band erkundet sie ihre "organische Identität, die im Laufe der Zeit mit den Menschen und Orten wechselt", wie es auf ihrer Website heißt.

Sie sei eine Improvisatorin, nicht nur in der Musik, sagt die Iranerin dort, und jedes Mal, wenn sie Musik mache, suche sie nach einem neuen Klang. Auch die dunkle Seite ihrer Persönlichkeit will sie in ihre Songs integrieren. "Ich spiele nicht, um zu gefallen, ich spiele, um aufrichtig zu sein", so ihre Maxime. Gerade dadurch ist sie in der Lage, vokale Vielfalt zu erzeugen. Wenn Shayar singt, hört man Echos der virtuosen Tahrir-Gesangstechnik und der Skalen aus der persischen Klassik: ein Erbe, das sie in ihr Weltbürgertum fest integriert. Auch die Kunstmusik des Abendlandes, die Lyrik einer angloamerikanischen Songwriterin oder experimentelle Naturlaute lassen sich in ihrem Timbre entdecken.

Dabei wählt sie je nach Song Farsi, Englisch, Arabisch, Kurdisch oder Türkisch als Transportmittel, und wenn es die Freiheit des Ausdrucks erfordert, auch eine Fantasiesprache. Auf der Gitarre, mit der sie sich begleitet, zumeist ist es eine elektrische, lässt sie sich gern auf komplexe Jazzharmonik ein. "The Voice Poet" heißt dieses Programm, das an den Auftritt einer Geschichtenerzählerin erinnert und choreographische wie theatrale Elemente beinhalten kann. Die Musiker, mit denen sich Shahyar in Freiburg und im Sulzburger Ortsteil Laufen auf einen Dialog einlässt – Dirk Wochner am Piano, Winfried Holzenkamp am Bass und Konrad Wiemann am Schlagzeug – sind versiert von Tango bis zum Klangvokabular des Nahen Ostens.

Konzerte: 26. März, 20 Uhr, Kulturzentrum 3-Klang, Laufen; 27. März, 21 Uhr, E-Werk Freiburg.