Die vier Gipfelstürmer

Werner Steinhart

Von Werner Steinhart

Mi, 26. Juni 2019

Ühlingen-Birkendorf

Jürgen Genswein, Simon Frommherz, Matthais Gantert und Martin Gantert auf 24 Stunden-Höhentour durch den Hochschwarzwald.

ÜHLINGEN-BIRKENDORF. Das Undenkbare, ja das schier Unmögliche doch irgendwie zu schaffen, ist eine Herausforderung. Dieser Herausforderung stellten sich vier junge Männer aus Ühlingen-Birkendorf, die sich zum Ziel gesetzt hatten, innerhalb von 24 Stunden von Ühlingen aus die höchsten Schwarzwaldgipfel zu erwandern – eine lange Strecke in kurzer Zeit, plus einen ständigen Wechsel zwischen Hoch und Tief und das ohne Schlaf.

Wandern ist eine Passion für Matthias Gantert (38), Martin Gantert (35) beide aus Ühlingen, Simon Frommherz (38) aus Birkendorf und Jürgen Genswein (36) aus Brenden. Gemeinsam hatten sie eine Idee – eine 24 Stunden-Wanderung umzusetzen, eine sportliche Herausforderung, die Ehrgeiz und eine Überwindung des "Inneren Schweinehundes" bedarf.

Die Planung
Geplant wurde die doch etwas besondere Tour vorab auf einer Landkarte und dem daraus entstandenen Abbild einer Handy-App mit GPS. Am Vorabend vor Fronleichnam um 18 Uhr ging es schließlich für die vier in Ühlingen mit zehn Kilogramm Marschgepäck los. Täler und Berge standen vor den nicht mehr ganz jungen vier Wanderern.

"Anstrengend war es eigentlich auf dem kompletten Weg. Natürlich waren die Steigungen auf der Strecke nicht zu verachten", betonte Matthias Gantert im BZ-Gespräch und fügte noch lachend hinzu: "Was man als Wanderer nach oben läuft, muss man auch wieder runterlaufen, beides wird mit der Zeit immer anstrengender."

Bekanntschaft machten die Vier in Menzenschwand mit einem Fuchs, der ihnen doch voller Neugier sehr nahekam. Oder nach dem Spießhorn – dort mussten sie eine Kuhweide mit geschätzt 50 Kühen queren, da hatten sie dann doch großen Respekt vor den Vierbeinern, doch alle blieben friedlich und die meisten schliefen weiter.

Gegen vier Uhr morgens unterhalb des Herzogenhorns kamen die Wanderer schließlich unverhofft in ein schweres Gewitter und mussten in Regenkleidung gehüllt in einem Wäldchen eine Dreiviertelstunde ausharren. Um 7 Uhr morgens dann erreichte man schließlich den hohen Feldberggipfel. Die Hälfte war geschafft.

Doch hart wurde es für die vier in Ühlingen gestarteten Wanderer eigentlich erst ab diesem Zeitpunkt. Müdigkeit und Erschöpfung nach der Nacht und die Gewissheit, erst die Hälfte der Strecke geschafft zu haben, zehrten erheblich am Willen und an der Körperkraft der Männer.

Und trotzdem sollte es weitergehen, so Matthias Gantert: "Von Abbrechen hat kein einziger gesprochen." Jetzt erst kam der ganz große Ehrgeiz auf, das komplette Ziel zu schaffen, wobei das Heimlaufen definitiv härter war als der erste Teil der Wanderung. Die erste richtige Pause legten die Vier dann am Schluchsee bei Aha am Kiosk ein. Dort wurde von jedem zur Belohnung eine eiskalte Spezi getrunken. Und dann winkte der "Stalltrieb" in Richtung Heimat. Und die Vier waren dann letztlich sogar schneller als geplant wieder in Ühlingen – nach genau 22,5 Stunden.

Fazit für Matthias Gantert: "Wir haben uns ein Ziel gesetzt, es gemeinsam geplant und besprochen, sind es gemeinsam angegangen, haben uns gegenseitig gestärkt, gestützt und abgelenkt und somit das Ziel erfolgreich umgesetzt." Blasen an den Füßen waren bald vergessen: Es hat vor allem Spaß gemacht, so die Meinung aller.

Die Wanderstrecke
Die Strecke führte von Ühlingen (640 Meter ü. NN) über Buggenried, Schönenbach, Blasiwald, Menzenschwand, Spießhorn ( 1348 Meter ü. NN), Herzogenhorn (1415 Meter ü. NN) zum Feldberg (1493 Meter ü. NN) und über Neuglashütten, Aha, Schluchsee, Seebrugg, Grafenhausen zurück nach Ühlingen. Zusammen beträgt die Wegstrecke 82 Kilometer, es werden insgesamt 2287 Meter Höhenunterschied abgearbeitet.