Einstiger Bankenplatz wandelt sich

skk

Von skk

Mi, 19. Juni 2019

Donaueschingen

Die rein Donaueschinger Banken sind alle verschwunden / Fusionen und Filialschließungen trugen zu den Veränderungen bei.

DONAUESCHINGEN (ezim). Die Bankenlandschaft in Donaueschingens konnte sich in früheren Jahren mit drei selbstständigen Kreditinstituten im regionalen Vergleich durchaus sehen lassen. Heute gibt es keine eigenständige Bank mehr in der Stadt, und auch die Zahl der örtlichen Filialen anderer Banken hat sich reduziert. Die großen Entscheidungen im Geldgeschäft werden andernorts getroffen.

So fusionierte die frühere Bezirkssparkasse Donaueschingen 2005 mit der Sparkasse Villingen-Schwenningen zur Sparkasse Schwarzwald-Baar mit Sitz in Villingen-Schwenningen. Die Sparkasse ist aber immerhin noch mit einer Hauptstelle präsent in der Stadt. Die frühere Volksbank Donaueschingen, die bereits 1967 mit der Villinger Volksbank fusionierte, rückte im Februar 1978 mit dem umgebauten ehemaligen Hotel Adler ins Zentrum der Stadt. Nach der Verschmelzung der Spar- und Kreditbank Donaueschingen mit der Volksbank eG Villingen wurde 1991 das modernisierte und erweiterte Gebäude der ehemaligen Spar- und Kreditbank an der Ecke Käferstraße / Hermann-Fischer-Allee, die neue Repräsentanz der Volksbank, heute Volksbank Schwarzwald Baar Hegau.

Von den Bankfilialen gibt es die Deutsche Bank im ehemaligen AOK-Gebäude in der Mühlenstraße nicht mehr. Und die Dresdner Bank ist durch Fusion in der Commerzbank aufgegangen.

Mit Filialen vertreten sind in Donaueschingen noch die Baden-Württembergische Bank, die zum 1. Februar 1953 als Filiale der damaligen Badischen Bank ihren Betrieb in Donaueschingen aufnahm, die Commerzbank und die Postbank. Letztere seit Oktober 2018 in der Villinger Straße mit reduziertem Service.

Bankengeschichte ist Wirtschaftsgeschichte, sagt Werner Blum, der frühere Prokurist der Volksbank Schwarzwald Baar Hegau. Wer in dieser Entwicklung einen Abwärtstrend bei der Wirtschaftsentwicklung Donaueschingens sieht, befindet sich auf dem Holzweg. Das Gegenteil ist der Fall: Die Wirtschaft in Donaueschingen und in der Region entwickelt sich prächtig. Wirtschaftlich erfolgreiche Firmen brauchen aber finanzstarke Banken. Dies schließlich war ein Grund für den Konzentrationsprozess im Bankensektor, der auch von der Entwicklung der EDV-Technik stark beeinflusst wurde.

Für Florian Klausmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Schwarzwald-Baar, ist es keine Frage, dass ein Ende dieser Entwicklung noch nicht absehbar ist. Einfach online eine Überweisung tätigen oder einen Dauerauftrag anlegen: Diese neue Art des Bankings ist bei vielen Kunden bereits alltäglich. Bankdienstleistungen werden sich einerseits immer weiter digitalisieren, glaubt Klausmann. Andererseits nehme die Nachfrage nach persönlicher Beratung ebenso deutlich zu. Komplexe Rahmenbedingungen im Null-Zinsumfeld und die allgemeine Unsicherheit machten den persönlichen Ansprechpartner wichtiger. "Um den Standort der Sparkasse in Donaueschingen muss man sich keine Sorge machen", betont Klausmann. Hier bietet die Sparkasse alle Beratungsangebote für Privat- und Firmenkunden an und hat auch einige interne Bereiche angesiedelt. Insgesamt arbeiten 140 Mitarbeiter der Sparkasse in Donaueschingen.

Karl Wacker, Verfasser des 1966 erschienen Buchs "Der Landkreis Donaueschingen", widmete den damaligen Banken nur drei kurze Sätze: "Das Bankenwesen ist auf die bezirklichen Bedürfnisse zugeschnitten. Von den Kreditbanken ist nur die Badische Bank mit einer Zweigstelle in Donaueschingen vertreten. Dagegen sind im Landkreis Donaueschingen eine ganze Reihe von Sparkassen und Genossenschaftsbanken zu finden." Wackers Unterscheidung lenkt den Blick auf die anfangs unterschiedlichen Geschäftszwecke der Geldhäuser. Die Sparkasse wollte nutzbringende Anlagen von Ersparnissen bieten. Die Genossenschaftsbanken orientierten sich an der Idee der Selbsthilfe, um Landwirten beziehungsweise Handwerkern und Kaufleuten eine Möglichkeit der Kapitalbeschaffung für unternehmerische Zwecke zu bieten. Und die Filialen der größeren Geldhäuser sahen den hauptsächlichen Geschäftszweck darin, Firmen als Starthilfe bei Neugründungen oder bei Betriebserweiterungen mit Krediten zu unterstützen.

Sparkasse: Die ehemalige Bezirkssparkasse Donaueschingen hat unter dem Namen "Spar-Casse" am 28. Dezember 1839 im Haus des Kaufmanns Limberger ihren Betrieb aufgenommen. Fürst Karl-Egon II. übernahm Anfang Februar 1840 die Gewährträgerschaft, am 9. Juni 1840 erhielt die Sparkasse die behördliche Genehmigung. Als die Gemeinden des Amtsbezirks Donaueschingen Gewährträger des Donaueschinger Geldhaus wurden, das seinen Sitz von 1841 bis 1872 im Rathaus hatte, wechselte zum 1. Januar 1858 der Name in Waisen- und Sparkasse. Sie etablierte sich am jetzigen Standort an der Ecke Käferstraße / Mühlenstraße. Das Gebäude sank beim Stadtbrand am 5. August 1908 in Schutt und Asche und wurde durch einen Neubau ersetzt. Seit 2003 hat er die heutige Gestalt.

Spar- und Kreditbank: Die spätere Spar- und Kreditbank machte ihre ersten Schritte im Juni 1870 als Vorschussverein, der vom Gewerbeverein initiiert wurde. 1919 wechselte der Name in Donaueschinger Bank, um nur elf Monate später als Filiale der Badischen Landwirtschaftsbank, einen erneuten Namenswechsel zu vollziehen. Dabei musste die Genossenschaftsbank ihr Privatkundengeschäft aufgeben. Dies führte 1924 zur Gründung einer Darlehenskasse. Erst 1937 erhielt das Geldinstitut den Namen Spar- und Kreditbank Donaueschingen. Im Zuge der allgemeinen Zentralisierung erlosch die Filiale der Badischen Landwirtschaftsbank. 1938 erfolgte die Verschmelzung mit der damaligen Spar- und Kreditbank Villingen zur Spar- und Kreditbank Donaueschingen-Villingen, die 1991 mit der Villinger Volksbank fusionierte. Ein eigenes Haus hatte die Spar- und Kreditbank erst mit dem Erwerb des für das Bezirkskommando an der Ecke Käferstraße / Hermann-Fischer-Allee erbauten Gebäudes erhalten. Davor musste die Bank neun Mal die Umzugskoffer packen.

Volksbank: Die Volksbank hatte unter dem Namen Gewerbebank Donaueschingen am 1. Juli 1926 ihren Geschäftsbetrieb aufgenommen. 1945 wurde sie in Volksbank Donaueschingen umbenannt. Das Kreditinstitut verschmolz 1967 mit der Villinger Volksbank. Mit dem Ankauf und Umbau des ehemaligen Hotels Adler am Rathausplatz entstand ein repräsentatives Bankgebäude. Schon vorher hatte es immer wieder Umzüge gegeben. So wurde 1945 in der ehemaligen Villa Schedl in der Karlstraße ein Ausweichquartier bezogen, als die ursprünglichen Geschäftsräume von Fliegerbomben zerstört worden waren. Bevor 1953 die Geschäftsräume in der Herdstraße bezogen wurden, war die Volksbank kurzzeitig in der Max-Egon-Straße untergebracht.