"Dorfkinder haben es viel besser als Stadtkinder"

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Do, 11. Juli 2019

Staufen

DREI FRAGEN ANAnna Kiefer, Leiterin des Kindergarten St. Vitus in Staufen-Wettelbrunn, der sein 30-jähriges Bestehen feiert.

STAUFEN-WETTELBRUNN. Im Mai 1989 wurde im Staufener Ortsteils Wettelbrunn der Kindergarten St. Vitus eröffnet. Das 30-jährige Jubiläum feiern Kinder, Eltern und Mitarbeiter am kommenden Sonntag, 14. Juli, mit einem Gottesdienst und der Aufführung des Musicals "Der Regenbogenfisch" im Bürgersaal. Im Gespräch mit Rainer Ruther erklärt die Leiterin Anna Kiefer, warum ein kleiner Kindergarten so viel Zuspruch findet, worauf die Kinder Wert legen und was sie an Rolltreppen so faszinierend finden.

BZ: St. Vitus ist ein katholischer Kindergarten. Was bedeutet das im Alltag, und was ist mit den Kindern, die keine Christen sind?
Kiefer: Wir wollen, dass die Kinder religiöse Werte kennenlernen. Wir feiern die Feste im Jahreskreis: Ostern, Pfingsten, St. Martin. Wir gehen regelmäßig in die Kinderkirche. Und die Kinder, die bei uns mittagessen, verlangen, dass wir vorher beten – dieser Wunsch kommt von ihnen. Wir haben auch Kinder mit Migrationshintergrund, denen bringen wir das Christentum nahe, aber lassen alle in ihrem Glauben.
BZ: Die 25 Plätze im Kindergarten sind ausgebucht. Was bringt die Eltern am meisten dazu, ihr Kind gerade in Wettelbrunn anzumelden?
Kiefer: Dass wir eingruppig sind und dass wir ein so tolles Außengelände haben. Die Eltern freuen sich, dass die Kinder hier toben können, auf Bäume klettern, so viel Platz haben – und in einem eingruppigen Kindergarten, da ist es nicht zu laut, der ist überschaubar, und es geht familiär zu. Außerdem sind wir Teil der Dorfgemeinschaft; zu unserem Jubiläum kommt der Orgelbauverein und wird Essen und Trinken anbieten, und viele Menschen aus Wettelbrunn unterstützen uns mit Spenden.
BZ: Sie sind gerade mit fünf Kindern in Freiburg gewesen, die nächstes Jahr in die Schule kommen. Was haben Sie da beobachtet?
Kiefer: In Wettelbrunn gibt es ja keine Tram, keine Ampel, nicht mal einen Zebrastreifen. Man merkt schon, dass für unsere Kinder vieles neu ist in der Stadt. Das Highlight des Ausflugs war übrigens Rolltreppe fahren im Kaufhaus, das hat sie gefesselt und fasziniert. Aber sie waren auch froh, nach Wettelbrunn zurückzukommen. Wenn man bei Wind und Wetter draußen sein kann, dann bekommt man ein ganz anderes Naturverständnis. Ich finde, dass es Dorfkinder allgemein viel besser haben als Stadtkinder.

Zur Person: Anna Kiefer, geboren 1984, stammt aus Wettelbrunn und gehörte vor 30 Jahren zur ersten Gruppe im neuen Kindergarten St. Vitus. Nach dem Studium der Sozialarbeit folgten Tätigkeiten in Altenpflegeheimen und Kinderheimen, seit Januar 2017 ist sie Leiterin des Kindergartens in Wettelbrunn. Sie spielt Saxofon im Musikverein des Dorfes.