Douglas plant einen Online-Marktplatz

Erich Reimann

Von Erich Reimann (dpa)

Di, 21. Mai 2019

Wirtschaft

Die Parfümeriekette gerät durch Konkurrenten wie Zalando, Flaconi oder Sephora unter Druck.

DÜSSELDORF. Preiskämpfe, aggressive neue Anbieter und wählerische Kunden – der Milliardenmarkt für Duftwässerchen und Schönheitsprodukte in Deutschland ist in Bewegung geraten. Lange dominierte Douglas den Parfümeriemarkt fast unangefochten, inzwischen bekommen Onlinehändler wie Zalando oder Flaconi ein immer größeres Stück ab. Die zum französischen Luxuskonzern LVMH gehörende Parfümeriekette Sephora drängt ebenfalls auf den deutschen Markt.

"Nirgendwo anders in Europa ist der Wettbewerb so hart wie in Deutschland. Nirgendwo anders wird so viel mit Rabatten um Kunden gekämpft", beschreibt Douglas-Chefin Tina Müller die Lage. Die Managerin leitet die Parfümeriekette seit gut eineinhalb Jahren und versucht seitdem, Douglas für den härter gewordenen Wettbewerb fit zu machen. Erste Erfolge sind inzwischen sichtbar. Im ersten Halbjahr steigerte Douglas seinen Umsatz europaweit um 4,8 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro. In Deutschland lag das Plus bei 9,5 Prozent. Der Online-Umsatz legte um 36,8 Prozent zu. Der Gewinn stieg unter dem Strich um 20 Prozent auf 71 Millionen Euro.

Fast 30 Prozent des Douglas-Umsatzes in Deutschland entfällt mittlerweile – auch dank der Übernahme des Konkurrenten parfumdreams.de – auf das Internet. Doch der dort besonders ausgeprägte Preiskampf ist eine Gratwanderung für den Marktführer. "Bei Kampagnen im Stil von ,20 Prozent auf alles‘, wie sie viele Wettbewerber immer wieder fahren, sind wir sehr zurückhaltend. Denn so etwas schädigt das Geschäft und die Marken nachhaltig", betont Müller. Für sie ist klar, dass die Verlagerung von Umsätzen aus dem stationären Geschäft ins Internet weitergehen wird.

Ihre nächste Online-Offensive steht deshalb bereits fest: Bis zur Jahreswende will Douglas den eigenen Online-Auftritt zu einem Marktplatz ausbauen, auf dem die Kunden auch Produkte und Beauty-Angebote externer Partner erhalten können. "Im Beauty-Bereich gibt es noch keinen Marktplatz", sagt Müller. Diese Lücke wolle der Konzern füllen und den eigenen Online-Auftritt "zur zentralen Beauty-Plattform Europas" machen. Dabei gehe es nicht nur um weitere Produkte, sondern auch um Serviceangebote vom Friseurtermin bis zur Maniküre.

Dass der Siegeszug des Online-Handels auf Dauer wohl nicht ohne Auswirkungen auf das Filialnetz bleiben wird, räumt die Managerin ein. "Wir werden das Filialnetz kontinuierlich den Marktgegebenheiten anpassen und machen dazu gerade eine genaue Analyse der deutschen Standorte. Hierzulande sind aber weniger als 20 von 435 Filialen nicht profitabel."

Nicht zuletzt Zalando ist ein Gegner. Groß geworden mit Schuhen und Textilien, bietet Deutschlands größtes Online-Modehaus seinen Kunden mittlerweile ein Beauty-Sortiment mit mehr als 10 000 Produkten von über 250 Marken. Auch die zum französischen Konzern LVMH (Dior, Luis Vuitton, Moët & Chandon) gehörende Parfümeriekette Sephora will in Deutschland ihre Duftmarke setzen. Bisher gibt es hier rund 15 Standorte – die meisten liegen in Kaufhof-Filialen. Doch will die Kette nun eigene Länden in allen großen Städten eröffnen. Ziel sei es, "die Kernzentren in Deutschland schnell abzudecken", sagte Deutschland-Chefin Miriam von Löwenfeld kürzlich dem Handelsblatt.