Fastenzeit

Durch Verzicht gewinnen

dpa

Von dpa

Di, 16. Februar 2021 um 20:25 Uhr

Panorama

Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit – in Corona-Monaten, ohnehin eine uns ewig erscheinende Zeit des Verzichtens, ist das eine besondere Herausforderung.

"Am Aschermittwoch ist alles vorbei", singen die Narren üblicherweise mit Wehmut. Coronabedingt war es in diesem Jahr nicht weit hin mit der närrischen Ausgelassenheit, doch die Zeit der freiwilligen Einschränkungen und Entbehrungen kommt.

Knapp jeder dritte Deutsche lebt laut einer neuen Umfrage im Lockdown ungesünder. Mit Blick auf Stress, Alkoholkonsum oder sportliche Aktivitäten gaben 30 Prozent der vom Institut Forsa Befragten an, dass sie sich seit Beginn der Corona-Pandemie weniger gesund verhalten als vorher. Wie die Krankenkasse DAK, die die Befragung in Auftrag gab, mitteilte, meinten dagegen 16 Prozent, dass sie mehr für ihre Gesundheit getan hätten als vor der Pandemie. Bei 54 Prozent der Befragten hat sich im Großen und Ganzen nichts verändert.

Immerhin 65 Prozent halten es aus gesundheitlicher Sicht für sinnvoll, mehrere Wochen gezielt auf ein bestimmtes Genussmittel wie Alkohol und Süßigkeiten oder Konsumgüter wie Handy und Auto zu verzichten. 33 Prozent halten das für weniger oder gar nicht sinnvoll.

Die gerade auch seelisch belastende Situation in der Zeit der Pandemie könne "eine besondere Herausforderung sein, sich der Gottesfrage zu stellen und die eigenen Ängste und Sorgen Gott anzuvertrauen", sagt der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. Der evangelische Dekan Andreas Klodt aus Mainz sieht Fasten ganz ähnlich als "freiwilligen Verzicht darauf, über alles verfügen zu wollen".

Die katholische und die evangelische Kirche rufen unterdessen erneut zu der Aktion "Klimafasten" auf. In der Fastenzeit bis 4. April sollten Christen eine klimafreundliche und ressourcenschonende Lebensweise ausprobieren, teilte die Nordkirche mit. Im Fokus stehe der Wasserverbrauch. Die Aktion richte den Blick auf das persönliche Verhalten, zum Beispiel bei Alltäglichkeiten wie Morgendusche und Frühstückskaffee, erklärte Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt. Ein Thema ist auch der bewusste Umgang mit digitalen Räumen.

Positive Effekte auf die Psyche

Religiös motiviertes Fasten sei kein Selbstzweck, sondern wolle sensibel für das Leid von Mitmenschen machen, erklärt Bischof Kohlgraf. Es gehe nicht darum, weitere Erfahrungen von Einschränkungen zu machen. Vielmehr werde eine entscheidende Frage zur Umkehr gestellt: "Wollen wir so weitermachen wie vor der Pandemie?" Die Initiatoren sprechen von einer "Ethik des Genug". Ein Unterschied zwischen Fasten und den Corona-Einschränkungen sei aber, dass der eine Verzicht freiwillig, der andere staatlich verordnet sei.

Der Berliner Psychologe und Motivationscoach Jürgen Walter weist auf positive Effekte der Fastens auf die Psyche hin, betont aber auch: "Wenn es mir nicht gut geht, ich mich depressiv fühle oder schlechte Stimmung habe, dann sollte ich mir überlegen, ob ich mir das antun will." Der Religionssoziologe Patrick Heiser hat im vergangenen Jahr Studenten und Mitarbeiter zweier deutscher Hochschulen während der Fastenzeit befragt. Aus psychologischer Sicht kann ein solcher Verzicht für Zufriedenheit sorgen: Ich schaffe es, etwas wegzulassen, das ich gerne mache. "Die Menschen verzichten, um sich körperlich und seelisch besser zu fühlen", sagt er.