Selbstverständliches im Alltag

Sarah Schädler

Von Sarah Schädler

Do, 16. Mai 2019

Ebringen

Schüler unter 18 Jahren können am Freitag in Ebringen und Schallstadt ihre Stimmen zur Europawahl abgeben – offiziell zählen sie nicht.

EBRINGEN/SCHALLSTADT. Die Pfingstferien stehen vor der Tür. Dann heißt es für einige: Sachen packen und ab nach Italien, Frankreich oder Spanien. Passkontrollen an den Grenzübergängen, Roaminggebühren, hohe Wechselkurse beim Geldtausch? Das alles ist dank Brüssel passé. Europapolitik ist im Alltag spürbar. Das wollen die Sozialarbeiterinnen Ramona Siebert und Brigita Bornefeld zeigen. Sie veranstalten am morgigen Freitag eine U-18-Europawahl im Ebringer Jugendraum.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ehemalige Errungenschaften werden schnell zur Selbstverständlichkeit: Heutzutage ist es für junge Menschen normal, während des Studiums am Erasmusprogramm teilzunehmen, für eine gewisse Zeit an einer anderen europäischen Universität zu studieren und Kommilitonen aus ganz Europa zu treffen.

"Ich habe von meiner Vorgängerin von der U-18-Wahl erfahren", sagt Siebert, die in der mobilen Jugendhilfe Schallstadt tätig ist. Die Schulsozialarbeiterin Bornefeld war von Beginn an mit dabei. Seit Februar organisieren beide das Projekt: Online anmelden, Broschüren bestellen, Wahllokale und Wahlurnen anfordern. "Die Organisation war nicht schwer, und auch die Regularien sind sehr einfach", sagt Siebert. So dürfen an der Wahl alle Kinder und Jugendlichen teilnehmen, die unter 18 sind und ihr Häkchen machen können.

Einen Wahlzettel ausfüllen und in die Urne schmeißen – das klingt erst mal leicht. Doch damit ist es nicht getan. Wer eine bewusste Wahlentscheidung treffen will, muss sich informieren, schauen, welche Themen ihm wichtig sind, welche Parteien es gibt und für was diese stehen. "Wir reden mit den Jugendlichen über das, was in Europa passiert – über die Europäische Union, die Parteien und über politische Prozesse", sagt Bornefeld. Mit den Schülern der neunten und zehnten Klasse der Jengerschule in Schallstadt hat sie in den vergangenen Monaten zum Thema Europa gearbeitet. Auch der Wahl-O-Mat sei eine gute Sache. Online können Unentschlossene herausfinden, mit welcher Partei sie die meisten Übereinstimmungen haben. Das sei wirklich praktisch, um sich einen Überblick zu verschaffen, betont Bornefeld.

"Wir wollen den Jugendlichen zeigen, dass Politik nicht trocken ist. Um eine Meinung zu einem bestimmten Thema zu entwickeln, muss man nicht gleich Parlamente und politische Strukturen auswendig lernen", sagt Siebert. Und die Resonanz ist da: Für die U-18-Wahl wollen die Jugendlichen selbst Werbung machen, Flyer verteilen und andere in ihrem Alter dazu motivieren, sich selbst eine Meinung zu bilden.

Die U-18-Europawahl ist ein europaweites Projekt, das junge Menschen für demokratische Prozesse sensibilisieren soll. "Auf lange Sicht hoffen wir, dass Kinder und Jugendliche in Europa eine Stimme bekommen und von den Politikern gehört werden. Obwohl sie faktisch nicht stimmberechtigt sind", sagt Siebert.

Am 17. Mai können Kinder und Jugendliche ihre Stimme während den Pausen in der Johann-Philipp-Glock-Schule in Schallstadt abgeben. Wer die Zeit zwischen den Unterrichtsstunden lieber damit verbringen möchte, Pause zu machen, kann nachmittags von 15 bis 18 Uhr in den Jugendraum in Ebringen kommen und dort seine Stimme abgeben. Die Sozialarbeiterinnen freuen sich auf den Wahltag: "Am Ende des Tages zählen wir die Stimmen aus und geben sie online weiter. Wir sind schon sehr gespannt", sagt Bornefeld. Für hungrige und durstige Wähler gibt es auf jeden Fall Sandwiches und Getränke", ergänzt Siebert. Klingt nach einer vielversprechenden Wahlparty.