Wohin kann Eimeldingen wachsen?

Victoria Langelott

Von Victoria Langelott

Sa, 18. Mai 2019

Eimeldingen

Die aktualisierte Betrachtung von Flächen für künftigen Wohnbau zeigt, dass jedes der sieben Gebiete Vor- und Nachteile hat.

EIMELDINGEN. Auch in Eimeldingen fehlt Wohnraum. Die Gemeinde würde gerne moderat wachsen, der Flächennutzungsplan sieht jedoch keine weiteren Wohnbauflächen vor, wäre also fortzuschreiben. Wohin Eimeldingen wachsen könnte, das hat die KE im Auftrag der Gemeinde gerade ausgelotet. Die Planer hatten dabei die Flächenanalyse aus dem Jahr 2007 aktualisiert und ergänzt. Bürgermeister Friebolin stellte die Ergebnisse nun im Rat vor. Dabei ergab sich die Frage, ob man für kleine Teilbereiche das noch bis Jahresende geltende, vereinfachte Bebauungsplanverfahren nutzen könnte.

Die Situation
"Die Bewerberliste für Baugrundstücke ist lang, sie umfasst derzeit 130 Bauwillige und wird wöchentlich länger", berichtete Bürgermeister Oliver Friebolin in der Sitzung, "und es sind viele Eimeldinger darunter." Private Grundstücke für eine Wohnbebauung gebe es derzeit nur wenige und wenn, wollten die Eigentümer sie nicht unbedingt verkaufen. Gemeinderätin Birgit Pohl relativierte die hohe Interessentenzahl: Viele der Leute stünden wohl auch in Nachbargemeinden auf Wartelisten, sagte sie und: "Eimeldingen muss die Bauanfragen nicht alle erfüllen." Axel Ludwig war noch wichtig, "auf Mietwohnungsbau zu achten."

Die Kriterien bei der Betrachtung
Die KE-Planer hatten die sechs 2007 ins Auge gefassten, möglichen Wohngebiete noch um ein siebtes ergänzt, den Malzholzweg. Die auserkorenen Flächen wurden dann im Detail nach bestimmten Kriterien bewertet. Zu diesen gehörten planungsrechtliche Voraussetzungen, städtebauliche Aspekte, die Erschließung, Umweltbelange oder die Verfügbarkeit der Grundstücke. Was eine Gegenüberstellung aller Bewertungen zeigte: Die ideale Fläche gibt es nicht, jede hat Vor- und Nachteile. Fast alle Bereiche sind für den Biotopverbund bedeutsam, einige auch für die Grundwasserneubildung. Bei manchen zeigen sich Hochwasserrisiken. Rätin Martina Bleile war nicht ganz glücklich mit der Analyse, waren ihr doch die Betrachtungen teilweise zu grob, die Bewertungen nicht immer schlüssig.

Die sieben Flächen
Der Schlüpferwinkel ist 5,8 Hektar groß und setzt sich aus Acker- und Sonderkulturflächen sowie Wiesen zusammen, die sich auf 40 Flurstücke mit unterschiedlichen Besitzern aufteilen. Anzubinden wäre das Gebiet über die B 3, die Abstandsflächen zum Friedhof und zur Starkstromtrasse wären zu berücksichtigen. Malzmatten ist mit 0,7 Hektar das kleinste der betrachteten Gebiete, es besteht aus Landwirtschaftsflächen, zu denen ein Bachlauf gehört. Erschlossen werden könnte es nur über B 3 und private Grundstücke, was auch für den südlich angrenzenden Igelboden gilt. Diese 4,8 Hektar große Fläche reicht weit an die Bahntrasse heran, zu der Abstandsflächen zu berücksichtigen wären. Ein Minus ist zudem die Lage im hochwassergefährdeten Bereich. Das Goldjuchert ist 5,5 Hektar groß. Die Planer bescheinigen dem Gebiet eine hohe Wohnqualität. Durch die vorbeifließende Kander wäre es aber durch Extremhochwasser gefährdet. Auch dort geht eine 20-KV-Leitung hindurch, von der Abstand zu halten wäre. Das Lindlin ist 6,6, Hektar groß und grenzt an die Bahntrasse und an die A 98. Schon deshalb halten die KE-Planer sie für eine Wohnbebauung wenig geeignet. Den Bläsikeller, 10,6 Hektar groß, sehen die Planer als problematisch an, weil er durchzogen ist von zwei elektrischen Freileitungen und einer Hochspannungsleitung, die wohl zu verlegen wären. Das Areal setzt sich zudem sogar aus 100 verschiedenen Flurstücken zusammen. 1,1 Hektar umfasst der Malzholzweg. Da jedoch zeichnen sich laut KE Konflikte wegen vorhandener Altlasten ab, auch könnte es Beeinträchtigungen wegen des angrenzenden Gewerbegebiets geben, so die Einschätzung der Planer.

Vereinfachtes Verfahren
"Eine Priorisierung geht aus dieser Analyse nicht hervor und diese bedeutet auch nicht, dass die Gemeinde alles gleich entwickeln muss", hielt Friebolin fest. Für Gemeinderat Axel Ludwig hatte Charme, dass die bis Jahresende geltende Möglichkeit des vereinfachten Verfahrens nach §13b des Baugesetzbuchs zu nutzen wäre. Die Außenbereichsflächen könnten dann ohne Flächennutzungsplanänderung Bauland werden. Dies räumt der Gesetzgeber mit Blick auf die Wohnungsnot ein, die Fläche dürfte aber nur bis zu einem Hektar groß sein.

Wie es weitergeht
Der Rat nahm die Analyse zur Kenntnis. Der neu gewählte Gemeinderat werde dann über das weitere Vorgehen entscheiden, hielt Oliver Friebolin fest.