Ein Abschiedsgeschenk?

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 21. März 2021

SC Freiburg

Fußballer des SC Freiburg II könnten ihren Trainer als Meister verabschieden.

Die Bundesliga-Reserve des SC Freiburg spielt in der Regionalliga eine überragende Saison. Das Team von Trainer Christian Preußer ist auf Aufstiegskurs. Für den 37-jährigen Fußball-Lehrer wäre der Meistertitel ein Abschiedsgeschenk. Nach fünf Jahren verlässt er im Sommer den SC.

Christian Preußer ist keiner, der mal eben so markige Sätze raushaut. Die ausgewogene und wohl überlegte Analyse ist viel eher das Ding des U-23-Trainers des SC Freiburgs als die knackige Schlagzeile. Und so wundert es kaum, dass er auch bei der Frage nach den Gründen für seinen Abschied im Sommer ein ganzes Bündel an Ursachen parat hat: "Wir hatten hier eine tolle und erfolgreiche gemeinsame Zeit, haben beide voneinander profitiert. Nun ist es aber Zeit für mich, einen nächsten Schritt zu machen."

Preußers nächstes Ziel ist noch Verschlusssache

Nach fünf gemeinsamen Jahren wird der 37-Jährige diesen Sommer seine Zelte in Freiburg abbrechen. Wohin es geht, steht zwar bereits fest, ist aber noch Verschlusssache. Man kann davon ausgehen, dass Preußer ein kaum auszuschlagendes Angebot vorliegt. Preußers Vorgänger haben sich in Freiburg das Rüstzeug für höhere Aufgaben geholt. Xaver Zembrod ist derzeit Assistent von Julian Nagelsmann bei RB Leipzig, Iraklis Metaxas Co-Trainer in Augsburg bei Heiko Herrlich. Und überhaupt: Warum sonst verlässt man ein Team, mit dem man kurz vor dem Aufstieg in die Dritte Liga steht? Ganz so einfach sieht es Preußer allerdings nicht. "Die Saison ist noch lang", betont er und sagt: "Wir tun gut daran, weiterhin jedes Spiel als neue Aufgabe anzugehen und uns nicht durch übergeordnete Ziele verrückt machen zu lassen."

Ganz aus dem Hinterkopf werden es seine Nachwuchskicker aber kaum bekommen: Nach 27 Spielen steht der SC Freiburg II auf dem ersten Platz der Regionalliga, der Verein hat am Vorlizensierungsverfahren für die Dritte Liga teilgenommen. Neben der Reserve des FC Bayern München wäre die U 23 des SC Freiburg im Falle eines Aufstiegs dann die beste zweite Mannschaft Deutschlands.

Einen Bärenanteil daran hat Christian Preußer. Seit er vor einem halben Jahrzehnt zum Sportclub stieß, hat er die Talente aus der Oberliga ins Spitzenfeld der Regionalliga geführt. Und das obwohl er vergangenen Sommer eine besondere Verjüngung vornahm und erstmals auch mehrere U-19-Spieler fest in die zweite Mannschaft hochzog. Das Wagnis ging auf. Die jungen Wilden des Sportclub beeindrucken mit großer Schnelligkeit. 68 Treffer in 27 Spielen sind ein beeindruckender Wert. Kein anderes Team hat auch nur annähernd so oft getroffen. Preußer hat eine Offensivmaschine geschaffen. Die SC-Reserve spielt schnell nach vorne und kennt mit vertikalen Tempoläufen oder Pässen stets nur eine Richtung: die Richtung zum gegnerischen Tor.

Und das obwohl zur Winterpause in Marvin Pieringer der wichtigste Goalgetter der Hinrunde das Team verließ. Er schießt jetzt für Zweitligist Würzburg Tore. Seinen Platz hat zuletzt vor allem Nishan Burkart eingenommen. Der 21-Jährige hat bereits 13 Tore geschossen und glänzt offensiv durch Spielverständnis, Schlitzohrigkeit, Technik und Athletik. Er sagt: "Wir haben diese Saison eine unglaubliche Dynamik nach vorne, unser 3-4-3-System kommt mir sehr entgegen."

Nishan Burkart steht sinnbildlich für das Team

Burkart steht sinnbildlich für die Philosophie der Freiburg-Reserve: Im Breisgau wollen sie Bundesliga-Spieler formen. Der Schweizer wechselte vor zwei Spielzeiten aus der Jugendakademie von Manchester United an den Schwarzwald-Rand. Nach einem Orientierungsjahr hat er sich diese Saison zum Leistungsträger entwickelt. "Dieses Jahr ist die Stimmung positiver, das tut uns allen gut", sagt Burkhart. Er ist in vielerlei Hinsicht ein typischer Preußer-Schüler. Unter seinen Fittichen hat er sich so rasch entwickelt, dass man kein Hellseher sein muss, um zu prognostizieren, ihn bald in der Bundesliga zu sehen. So wie aktuell bereits mehr als 20 ehemalige Preußer-Schützlinge: Die Schlotterbeck-Brüder, Chima Okoroji, der mittlerweile für Paderborn verteidigt oder eben zuletzt Pieringer: Alle haben sie nach ihrer Zeit unter Preußer den Sprung in die Bundesliga geschafft.

15 Spiele ist die Regionalliga-Saison noch lang. Mit nur drei Punkten Vorsprung auf den ersten Verfolger Steinbach haben die Freiburger aber noch einen weiten Weg vor sich, um am Ende tatsächlich erstmals in die Dritte Liga aufzusteigen. 15 Spiele haben die Preußer-Kicker daher noch Zeit, um ihrem Lehrmeister ein Abschiedsgeschenk zu bereiten. Preußer selbst indes hält wenig von derart pathetischen Zielen. Er sagt: "Wir wollen uns von Woche zu Woche weiterverbessern." Seine analytisch-nüchterne Art wird er auch in seinen letzten Freiburger Monaten nicht ablegen.